22.11.2016, 10:01 Uhr

Thalgau Windrad - Entscheidung noch heuer

Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Aber die bertiebswirtschaftlichen und ökologischen Argumente sprechen eindeutig für die Windkraft (Foto: Kolowind)

2-Megawatt-Anlage auf dem Lehmberg hängt noch am Naturschutz und am Militär. Salzburg letztes Bundesland ohne Windkraft

THALGAU (lin). Ja, Windräder sind umstritten. Mit einer Achsen-Höhe von 125 Metern und 110 Metern Rotorblattdurchmesser reicht die höchste Blattspitze 180 Meter in den Himmel. Tatsächlich sind diese Monstren in der Landschaft weihin sichtbar, irgendwie befremdlich und für viele auch furchteinflößend. Aber auch extrem nützlich, klimafreundlich, nachhaltig und nicht zuletzt wirtschaftlich rentabel. Trotzdem: Anders als in allen anderen österreichischen Bundesländern gibt es in Salzburg kein einziges dieser windgetriebenen Stromaggregate. Das soll sich noch heuer ändern.

Militär legt sich quer

Die Kolowind-Gesellschaft betreibt ein Projekt auf dem Thalgauer Lehmberg, das mit einem einzigen Windrad Strom für 1.200 Haushalte erzeugen könnte. Die Gemeindevertretung hat einstimmig "ja" gesagt, und direkte Anrainer, die gestört werden könnten, gibt es keine. Trotzdem läuft das Genehmigungsverfahren zäh. Während in Österreich (vor allem im Burgenland) insgesamt 1.200 Windräder klimaneutrale Energie erzeugen und rund ein Viertel des gesamten Haushaltsbedarfs decken, hat das Windrad in Thalgau ernst zunehmende Gegner. Das Bundesheer zum Beispiel versucht, die Anlage zu blockieren. Das Argument: Die Radarstation am Kolomansberg werde vom Windrad gestört. "Das kann wohl nicht sein", entgegnet Kolowind-Geschäftsführer Peter Stiegler: "Wir haben ein Gutachten von EADS, diese Firma baut den Eurofighter und des Airbus. Und diese Experten sagen, ein Windrad in dieser Entfernung eine Radaranlage nie und nimmer beeinflusst." Tatsächlich ist dieser Gutachter international tätig und ist auch von der Heeresverwaltung in anderen Bundesländern akzeptiert worden.

Pingeliger Naturschutz

Der Naturschutz des Landes Salzburg gilt als pingelig. So syuch in diesem Fall. Die Behörde verlangt Nachweise, das etwa Vögel oder Fledermäuse nicht beeinträchtigt werden. "Das könnten wir jederzeit nachweisen, auch in anderen Ländern ist das durch viele Expertisen belegt", so Stiegler. "Aber das kostet weitere 150.000 Euro. Und da muss uns das Land unterstützen. Denn ein derartiges Gutachten ist ja nicht nur für dieses eine Windrad, sondern für alle weiteren Anlagen im Land wertvoll."

Entwicklungsland Salzburg

Vehementer Widerstand bläst der Kolowind auch von einer Bürgerinitiative entgegen, die vor allem in Henndorf und Neumarkt aktiv ist. Sprecher Karl Krenn sagt, die Windräder würden das Landschaftsbild derart beeinträchtigen, dass der Tourismus geschädigt werden würde. "Außerdem ist die Windkraft nicht der neueste Stand, die Zukunft heißt Fotovoltaik", so die Bürgerinitiative. "Aber Fakt bleibt", entgegnet Stiegler, "alleine am Thalgauer Lehmberg wurde im vergangenen Jahr Strom für 6.500 Haushalte nicht abgeholt. Stattdessen haben wir sieben Mio. Liter Öl aus Nigeria, Kasachstan und Syrien zur Stromerzeugung in einem Heizkraftwerk verbrannt. "Wir erwarten daher, dass sich die Landesregierung entschlossen hinter dieses Projekt stellt, damit Salzbuzrg nicht energiepolitisches Entwicklungsland bleibt." Die Entscheidung von Politik und Bedhörde wird jedefalls noch im kommenden Dezember erwartet.
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