16.11.2016, 10:54 Uhr

Zombies, Orks und Tradition

Mit der Motorsäge werden die groben Konturen aus dem Holz herausgeschnitten.

Bernhard Reiters Kinder haben den Ausschlag gegeben, dass der Faistenauer sein Hobby begonnen hat.

FAISTENAU (buk). Mit hochkonzentriertem Blick hält Bernhard Reiter die Motorsäge an den Holzblock, Späne verteilen sich auf dem Garagenboden. Langsam lässt sich die Form eines Kopfes erahnen – Reiter schnitzt an einer Krampusmaske. "Als ich zwölf Jahre alt war, hat ein Freund von mir bereits geschnitzt. Mich hat das damals schon interessiert, aber ich habe mir die Werkzeuge nicht leisten können", erzählt er.

Holz-Löwe zum Startschuss


Erst Jahre später ist dann endgültig der Startschuss erfolgt. Auf einem Kunsthandwerksmarkt haben Reiters Kinder einen Holz-Löwen entdeckt, den der Faistenauer dann mit einem normalen Stemmeisen nachgeschnitzt hat. "Danach habe ich mir von einem Bekannten Messer ausborgen können, intensiver probiert und bemerkt: Das will ich machen", sagt Reiter.

Schnitzen statt Fernsehen

Anfängern empfiehlt er, mit einem Kurs zu starten. Dabei könne man ausprobieren, ob man für das Hobby geeignet ist, bevor man mehrere hundert Euro in Schnitzmesser investiert. Reiter selbst schnitzt meistens am Abend, wenn die Kinder schlafen. "Statt fernzusehen gehe ich in die Garage, das entspannt mich", sagt er.

Von der Säge zum Messer

Nach dem Start mit der Motorsäge kommen die Messer zum Einsatz, um die feineren Linien herauszuarbeiten. Im Anschluss werden alle Unebenheiten mit Schleifpapier geglättet. "Das schaut dann sehr plastisch aus und kommt der Realität sehr nahe", weiß Reiter, der beinahe komplett auf Modelliermasse verzichtet. "Das Meiste schneide ich direkt aus dem Holzblock heraus", so der Faistenauer.

Kleinstgewerbe angemeldet

Heuer hat der Faistenauer seine Masken erstmals bei einer Ausstellung in Hallein präsentiert und ein Kleinstgewerbe angemeldet. Den Fokus legt er dabei auf jugendliche Kunden. "Ich versuche die Masken eher günstig zu machen, weil ich davon nicht leben muss", erzählt Reiter.

"Erlaubt ist fast alles"

Dabei werden auch Wünsche berücksichtigt. "Bei uns ist alles etwas moderner, das Brauchtum hat sich weiterentwickelt", weiß der Schnitzer. Die Köpfe selbst seien schlanker geworden und häufig mit Blut "verziert". "Erlaubt ist fast alles." Die Jüngeren würden dabei gerne in Richtung Zombies und Orks gehen, die Älteren bevorzugten eher traditionelle Masken. Reiter hat bislang auch einen "White Walker" – eine Figur der Fernsehserie "Game of Thrones" – angefertigt. Die Frage nach Horrorclowns wurde ihm noch nicht gestellt, aber: "Theoretisch wäre auch das als Krampusmaske möglich".
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