05.09.2016, 00:00 Uhr

Betriebliche Gesundheitförderung wird in der Plusregion ernst genommen

An der Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsvorsorge arbeiten die Raiffeisenbank-Geschäftsführer Kurt Nagl, Josef Neuhofer und Johann Rainer in Straßwalchen.

Gesunde, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind das Erfolgsrezept für jedes Unternehmen. Um künftige Herausforderungen besser bewältigen zu können, setzen Betriebe vermehrt auf die betriebliche Gesundheitsförderung.

Bis vor Kurzem beschäftigte sich Gesundheitsförderung mit dem Thema "Was macht Menschen krank?" Heute werden Antworten gesucht und Strategien entwickelt, um Menschen gesund zu erhalten. Die Arbeits-, Umwelt- und Lebensbedingungen unterliegen einem starken Wandel. Mehr Arbeit durch weniger Personal bedeutet Stress, ausgelöst durch physische und psychische Belastung. "Privates und die Arbeit in der Firma verschmelzen. Die Menschen brennen aus und Krankheiten aufgrund psychischer Belastungen nehmen zu. Aus diesem Grund gibt es 70 bis 80 Prozent mehr Krankenstände", erklärt Egon Feike, Berater für gesunde Entwicklung mit den Schwerpunkten Stressmanagement, gesundes Führen und betriebliche Gesundheitsförderung für die Salzburger und Oberösterreichische Gebietskrankenkasse. Mit dem Netzwerk der betrieblichen Gesundheitsförderung wollen Institutionen wie die GKK, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Arbeiterkammer, der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Österreichischer Gewerkschaftsbund, Wirtschaftskammer, die Industriellenvereinigung und die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft gegensteuern. "Viele Firmen investieren bereits in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Es ist für alle Beteiligten günstiger, auf Prävention zu setzen als Krankheiten zu behandeln", berichtet Feike und fügt hinzu: "Die Experten für Gesundheit sind die Menschen selbst." Im Gesundheitszirkel wird in Befragungen erhoben, welche Belastungen am Arbeitsplatz bestehen. Ziel der Projektbegleiter ist, die Gesundheitsförderung nachhaltig zu verankern. Abgeschlossen werden die Projekte mit dem Gütesiegel, das von einer Wiener Kommission geprüft und bewertet wird. Der Arbeitnehmerschutz besteht aus der Evaluierung der Arbeitsplätze und wurde im vergangenen Jahr um das Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz erweitert. Große Betriebe werden über zwei Jahre begleitet. Über hundert Betriebe haben das Gütesiegel bereits erhalten. Der BGF-Preis wird für innovative Projekte verliehen.

Ein Vortrag im Rahmen der Gesunden Gemeinde Straßwalchen von Ärztin Evelyn Martinel von der Salzburger Gebietskrankenkasse und Herbert Traschwandtner vom W&H Dentalwerk Bürmoos im Vorjahr setzte bei der Raiffeisenbank in Straßwalchen den nötigen Impuls. "Wir haben 20 Mitarbeiter in einem sehr guten Betriebsklima, keine Fluktuation, kaum Krankenstände und eine wirtschaftlich gute Situation. Gerade deswegen wollten wir uns mit dem Thema `Betriebliche Gesundheitsförderung` näher auseinandersetzen", so Kurt Nagl, der gemeinsam mit Josef Neuhofer und Johann Rainer die Geschäfte der Raiffeisenbank Straßwalchen leitet. Hintergrund für Nagl sind Umwälzungen und Fusionen in der Banken-Branche, die andauernde Niedrigzinsphase, anfallende Kosten und Ertragsdruck sowie umfangreiche Anforderungen durch ständig neue Gesetze. "Mit der betrieblichen Gesundheitsförderung wollen wir für die künftigen Herausforderungen gewappnet sein", so Nagl, der als Projektleiter für die Mitarbeiter eine Workshop-Reihe anbietet. Gemeinsam erarbeitet werden Verbesserungsvorschläge und Umsetzungsmaßnahmen in den Bereichen Arbeitsorganisation, Arbeitsabläufe und Kommunikation. Workshops für gesundes Sehen, Ergonomie am Arbeitsplatz, für multimodales Stress-Management sowie gemeinsame Wanderungen und Ausflüge ergänzen das Angebot. "Wir sind mitten in der Umsetzung und bereits jetzt überzeugt, dass wir einen richtigen und wichtigen Schritt gesetzt haben", erzählt Nagl. "Unsere Mitarbeiter sind unser größtes Kapital. Unsere Kunden verdienen es, von freundlichen, leistungsfähigen, ausgeglichenen und kompetenten Mitarbeitern betreut zu werden", fügt der Geschäftsleiter hinzu, der das Projekt längerfristig etablieren will und dafür auch die Gesundheits-Charta der Salzburger Gebietskrankenkasse unterzeichnet hat.
Erneuern will die Gesundheits-Charta für seine Mitarbeiter auch das Unternehmen EZA Fairer Handel in Köstendorf. "Bereits 2013 haben wir die Charta unterschrieben, werden diese aber erneuern, um die Beratungsleistungen in Anspruch nehmen zu können. Pro Jahr gibt es einen Beratungstag der Gebietskrankenkasse mit Experten sowie Schulungs- und Weiterbildungsangebote zu den unterschiedlichsten Themen", weiß Birgit Calix, die das zweijährige "fit2work"-Projekt im Betrieb begleitete und den Arbeitskreis zum Thema leitet. "Initiiert hat die betriebliche Gesundheitsförderung bei uns der Betriebsrat. Eine Arbeitsgruppe hat sich mit dem Thema beschäftigt und die Ist-Situation erhoben, wie es um das Befinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steht", berichtet Calix. Im Februar 2014 erfolgte intern eine Arbeitsbewältigungs-Index-Plus-Befragung (ABI), bei der die Belegschaft anonym ihre Anliegen vorbringen konnte. Auf Basis der Umfrage arbeitete eine Steuerungsgruppe an der Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitsvorsorge in körperlicher und psychischer Hinsicht. Im Mai dieses Jahres folgte die zweite Befragung der Mitarbeiter. Ergebnis waren die Aufwertung der Personalgespräche mit gegenseitigem Feedback und die Ausarbeitung eines Fortbildungskonzepts. Workshops zur Stressbewältigung und zu weiteren Themen inklusive persönlicher Gespräche wurden veranstaltet. Weiterbildungsangebote bezüglich der Bildschirmarbeit, richtiges Heben und Tragen sowie Yoga-Kurse waren Teil des Projekts. Erstellt wurde dazu ein Mitarbeiter-Leitbild. Neue Ideen konnten in einer Vorschlags-Box deponiert werden. "Im Juni haben wird das Projekt beendet und eine permanente Arbeitsgruppe eingerichtet", erzählt Calix und fügt hinzu: "Es ist uns wichtig, Bewusstseinsarbeit zu leisten und den Mitarbeitern Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, um später möglichst gesund in die Pension wechseln zu können." Dazu bestehen Kooperationen mit der GKK, der Allgemeinen Unfallversicherung (AUVA) und dem ÖGB unter dem Motto "Chancen nutzen".
Im Kunststofftechnik- und Formenbau-Unternehmen Arvai Plastics in Neumarkt arbeitet unter Projektleiterin Natascha Kojadinovic ein ganzes "Fit-For-Life"-Team an der Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung. "Wir haben mit der Geschäftsführung und der Gebietskrankenkasse als Kooperationspartner beschlossen, für unsere Mitarbeiter gesundheitsförderliche Maßnahmen zu setzen, wenn das nötige Interesse besteht. Ein anonymer Fragebogen hat schließlich ergeben, dass über 70 Prozent der Belegschaft für die Installierung des Gesundheitsförderungsprogramms sind", erzählt die Projektleiterin. Im Mai 2015 begann das "Fit-for-Life"-Projekt mit Sportaktivitäten wie Klettern, Fitness für Damen und Herren, aber auch mit Kochkursen, Ernährungsberatung, Suchtprävention und Raucherentwöhnung. Beim großen Riesen-Wuzzler-Turnier im Juli erreichte die Arvai-Plastics-Mannschaft den ersten Platz. "Wir bieten ein breites Angebot, um möglichst viele Mitarbeiter an der Gesundheitsförderung zu beteiligen", so Kojadinovic und ergänzt: "Die Aktivitäten steigern außerdem die Zufriedenheit und Motivation. Viele Mitarbeiter sind dadurch erst zum Sport gekommen." Auch zum Thema Ernährung wurden Vorträge abgehalten, die sich für Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb bereits gelohnt haben. "Positiv aufgenommen haben die Mitarbeiter im Nachtbetrieb zum Beispiel, wie man sich in den Nachtstunden am besten ernährt. Alte Ernährungsgewohnheiten werden auf diese Weise durch eine gesündere Lebensweise ersetzt", weiß die Projektleiterin. Zudem gibt es regelmäßige Obsttage, Tipps für heiße Tage und dafür, wie man den Kreislauf in Schwung bringt. Abgestimmt auf die Jahreszeit bietet das Unternehmen Getränke, Obst, Joghurt und dergleichen mehr. Dazu dient auch ein täglich frisch befüllter Automat mit gesunder Jause. "Wir nehmen auch Anregungen von Mitarbeitern entgegen", so Kojadinovic, die voraussichtlich im November die nächste Mitarbeiterbefragung starten und das Gesundheitsprojekt weiter führen will. "Es ist angedacht, alle zwei Jahre mittels Umfragen jenes Feedback zu erhalten, das uns über die weitere Vorgangsweise aufklärt", so die Projektleiterin. Eine eigene Betriebsärztin steht für nähere Informationen zur Verfügung.
Auf das firmeninterne Programm "RachPOWER" setzte in den Jahren 2014 und 2015 das Kran-Unternehmen Rachbauer in Straßwalchen. "Begonnen haben wir im Mai 2014 mit 'Fit your Bike'. Jeder konnte mit dem Fahrrad in die Firma kommen und die Firma Hierl bot einen Rad-Service. Die Arbeitskosten hat das Unternehmen getragen, die Kosten für die Ersatzteile der Mitarbeiter selbst", berichtet Marketingleiterin Martha Schober, die für das Thema “Betriebliche Gesundheitsförderung” bei Rachbauer verantwortlich ist. Auch 2015 wurden zahlreiche Programmpunkte umgesetzt, wie Balancieren, das unter dem Motto "Feel the balance" stattgefunden hat, Entspannungsübungen, monatliche Massageeinheiten, ein Obstkorb und ein Wasser-Tag. "Neben unserem täglichen Obstkorb spielt das Trinken von Wasser eine große Rolle", erklärt Schober. "Am Donnerstag wurde regelmäßig Volleyball gespielt. Unsere Mitarbeiter haben sogar bei Volleyball-Turnieren in Rif, Uttendorf und Obertrum und bei Marathonläufen in Salzburg und Mondsee teilgenommen", so Schober. Koordinationsspiele und Lauftrainings ergänzten das Angebot. "Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren ist, hat für seine Kilometerleistung sogenannte 'RachPower-Punkte' erhalten", lacht die Marketingleiterin. Am Ende des Jahres winkten diverse Gutscheine als Belohnung. Das wurde in den beiden ersten Jahren sehr gut angenommen. Nächstes Jahr wollen wir nach einer neuerlichen Umfrage mit einer Bedarfserhebung wieder durchstarten", so Schober, die auf eine rege Teilnahme hofft. "Unsere Herausforderung sind verschiedene Zielgruppen, wie die Mitarbeiter der Büros, der Werkstätten sowie die Lkw- und Kran-Chauffeure. Uns ist wichtig, den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden und das passende Programm zu finden, denn die Fahrer sind während der Wochentage viel unterwegs und können bei den Aktivitäten weniger mitwirken. Dennoch wollen wir alle ansprechen", hofft auch Geschäftsführerin Anna Rachbauer.

"Fit im Job - gesund im Leben" lautet der Grundsatz von "PALfit", der zur Institution gewordenen Gesundheitsförderung des weltweit agierenden Kranherstellers Palfinger. "Bei uns ist seit über zehn Jahren ein Gesundheitskonzept verankert, das von Seniorchef Hubert Palfinger und Arbeitsmediziner Walter Schmidjell gegründet worden ist. Ziel war es von Beginn an, den Mitarbeitern das Gesundheitsdenken bewusst zu machen und zu fördern", erzählt Claudia Eigenherr-Tschugmell, Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements, das in allen österreichischen Palfinger-Werken etabliert ist und darüber hinaus vermehrt auch in ausländischen Niederlassungen zum Ziel gemacht wird. Das Unternehmen investiert für die Gesundheit seiner Mitarbeiter einen sechsstelligen Betrag. "Es ist ein fixer Bestandteil unserer Unternehmenskultur geworden und nicht mehr wegzudenken. Es gibt sogar ein eigenes Palfinger-Kolleg, bei dem Schulungsangebote und Kurse sehr gut besucht werden", freut sich Eigenherr über Wachstum auch im Gesundheitsbereich und fügt hinzu: "Wir haben die Aus- und Weiterbildungszeit unserer Mitarbeiter nahezu verdoppeln können." Neben einem eigenen Sportraum wird den Mitarbeitern in Absprache mit der Betriebsärztin ein Gesundheits-Check angeboten, der in allen Werken wie auch Köstendorf, Lengau und Elsbethen zwei Tage pro Monat ausgebucht ist und im 15-Minuten-Takt durchgeführt wird. Die Gesundheitsvorteile umfassen ein ganzheitliches Programm mit verschiedenen Bereichen wie Arbeitsmedizin, Physiotherapie, Arbeitssicherheit und mehr. "Bereits ab dem ersten Lehrjahr besuchen Lehrlinge in der Ausbildungsstätte in Lengau unter anderen Ernährungs-Workshops", betont die Leiterin des Gesundheitsmanagements. Im Rahmen von “fit2work” setzt Palfinger neben einem Sportangebot auf ausgewogene Ernährung mit veganen Speisen und einem Vital-Menü, für das Haubenkoch Manfred Stüfler verantwortlich zeichnet. “Es ist eine Win-Win-Situation. Im Jahr 2011 konnten wir die Ausfallzeiten der Mitarbeiter knapp um die Hälfte reduzieren. Gesunde Mitarbeiter sind motivierter und produktiver. Das Thema Gesundheit ist im Palfinger-Wertehaus stark vertreten und ist mehr als nur ein Projekt”, so Eigenherr.


In Sachen “fit und gesund” arbeitet Geschäftsführerin Natasa Rakic von Fit & Well mit Unternehmen wie Palfinger, Arvai-Plastics und dem Drogerie Markt zusammen. "Die Firmen erhalten von uns ein Komplettpaket mit Vergünstigungen, die sie an ihre Mitarbeiter weiter geben. Beispiel ist das Unternehmen Palfinger. Der Mitarbeiter bezahlt 20 Euro Selbstbehalt und die Firma den Rest. Bedingung ist, dass der Mitarbeiter pro Monat mindestens sechs Mal zum Training erscheint", berichtet Rakic, die verschiedene Kurse, einen Wellness- und Trainingsbereich sowie Getränke anbietet. Vom Angebot profitieren unter anderen Büroangestellte und Arbeiter sowie Angestellte aus den verschiedensten Branchen. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Fitnesstraining Mitarbeitern und Unternehmen viel bringt", betont Rakic, die ihr Fitness-Studio seit März 2015 betreibt und ein stetig wachsendes Interesse verzeichnet. Derzeit zählt die Fitness-Expertin rund 400 Mitglieder und zusätzlich 150 Trainierende, die "Zehner-Blöcke" nützen. "Wir arbeiten auch mit Ärzten zusammen, die Trainingspläne erstellen und bieten Rabatte an", erklärt die Neumarkterin. Eine finnische und eine Kräuter-Sauna mit Ruhe-Bereich dienen - auch extern ohne gebuchte Trainingseinheiten - der Entspannung. "Die Leute bekommen einen individuellen Trainingsplan und gehen vital und gestärkt nach Hause", freut sich Rakic, unter deren Kunden sich viele zufriedene Führungspersönlichkeiten und Mitarbeiter aus Betrieben der Plusregion finden.
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