Friedhof Stammersdorf
Hakenkreuz auf Grabstein entdeckt

Am Friedhof Stammersdorf wurde ein Grabstein mit einem NS-Symbol entdeckt.
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  • Am Friedhof Stammersdorf wurde ein Grabstein mit einem NS-Symbol entdeckt.
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Am Friedhof Stammersdorf sorgt ein Grabstein für besondere Aufregung. Genauer gesagt das was auf ihm zu sehen ist: Ein Eisernes Kreuz, darin ein Hakenkreuz.

FLORIDSDORF. Insgesamt 23.034 Grabstellen gibt es am Friedhof Stammersdorf (Stammersdorfer Straße 244-260). Eines davon ist jenes von einem Leutnant mit der Inschrift „Erlitt am 11. September 1941 im 23. Lebensjahr bei Leningrad den Heldentod“. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Leningrad, das heutige St. Petersburg, belagert und die Bevölkerung sollte ausgehungert werden.

Neben der Inschrift befindet sich links oben das Eiserne Kreuz und darin das Hakenkreuz. „Es ist erschreckend und ein Skandal direkt im Eingangsbereich des Stammersdorfer Friedhofes einen Grabstein mit einem Hakenkreuz und einem, den NS-Vernichtungskrieg in Russland, verherrlichenden Text zu entdecken“, ist Christoph Baumgärtel (LINKS-Spitzenkandidat in Floridsdorf) schockiert.

Er appelliert an die Zuständigen der Stadt Wien das Symbol umgehend zu entfernen. „Und auch den Text kritisch in Kontext zu setzen. Wir fordern die Stadt auch dazu auf eine umfassende Untersuchung und Berichterstattung über andere Nazigräber in Wien einzuleiten.“

Das NS-Symbol, welches auf dem Foto noch zu sehen ist, wurde umgehend von den Wiener Friedhöfen verdeckt.
  • Das NS-Symbol, welches auf dem Foto noch zu sehen ist, wurde umgehend von den Wiener Friedhöfen verdeckt.
  • Foto: Privat
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NS-Symbol unkenntlich machen

Die Wiener Friedhöfe haben rasch reagiert und die NS-Symbole umgehend verdeckt. „Sobald wir so etwas in der Art sehen oder informiert werden, setzen wir uns mit dem Grabzuständigen in Verbindung und machen ihn darauf aufmerksam“, heißt es aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Unklar ist, ob die Gravur nachträglich entstanden ist. Wer ein NS-Symbol auf einem Grabstein entdeckt, soll umgehend die zuständige Friedhofsverwaltung darüber informieren. 

„Kein Einzelfall“

„Wenn man durch die Friedhöfe in Österrreich geht, ist das kein Einzelfall“, sagt Historiker Oliver Rathkolb. Mit dem Abzeichengesetz von 1960 (§ 1) hat der Nationalrat Folgendes beschlossen: „Abzeichen, Uniformen oder Uniformteile einer in Österreich verbotenen Organisation dürfen öffentlich weder getragen noch zur Schau gestellt, dargestellt oder verbreitet werden. Als Abzeichen sind auch Embleme, Symbole und Kennzeichen anzusehen.“

Ausgenommen davon sind „Druckwerke, bildliche Darstellungen, Aufführungen von Bühnen- und Filmwerken sowie Ausstellungen, bei denen Ausstellungsstücke, die unter § 1 fallen, keinen wesentlichen Bestandteil der Ausstellung darstellen.“ Von Grabsteinen ist hier dezidiert keine Rede. „Das öffentliche Anbringen von NS Symbolik ist natürlich nicht erlaubt“, heißt es von der Polizei. Wer sich nicht an das Verbot hält, dem droht eine Geldstrafe von bis zu 4 000 Euro oder ist mit Arrest bis zu einem Monat zu bestrafen.

Aufklären und sensibilisieren

Ein weiteres Denkmal in Wien, welches immer wieder für Kritik sorgt, ist jenes von Karl Lueger am Dr.-Karl-Lueger-Platz im ersten Bezirk. Lueger war von 1897 bis 1910 Bürgermeister von Wien und bekennender Antisemit. „Es ist an der Zeit eine geregelte Vorgangsweise zu finden, sei es am Friedhof oder im öffentlichen Raum, wie dem Karl Lueger Denkmal“, erklärt Historiker Oliver Rathkolb, außerdem ergänzt er: „Es ist eine Herausforderung für die Grabinhaber einen Weg zu finden, die Erinnerung zu bewahren. Eine Erklärung und Kontextualisierung ist hier wichtig“, appelliert Oliver Rathkolb.

"Wir bekommen selten solche Meldungen, aber es erreichen uns trotzdem immer wieder welche. Es ist eine Beleidigung für alle Opfer des NS-Terrors, das heißt nicht nur für Opfer des KZs oder im Gas ermordete, sondern für alle die in diesem sinnlosen Krieg gestorben sind", betont Christa Bauer, Geschäftsführerin des Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ). Sie spricht sich ebenfalls für die Aufarbeitung der NS-Zeit aus. „Österreich ist mit der Aufarbeitung sehr spät dran. 1980 wurde erst die Waldheim-Affäre aufgegriffen." Erwachsene und Jugendliche solle man ausreichend informieren und sensibilisieren, damit hier ein Bewusstsein geschaffen wird.

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