Im Floridsdorfer Wasserpark wiederholt sich jeden Frühling ein Naturschauspiel
Der Graureiher - ein Vogel ohne Star-Allüren

Alljährlich bessern die Graureiher der Kolonie im Floridsdorfer Wasserpark ihre Nester aus
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  • Alljährlich bessern die Graureiher der Kolonie im Floridsdorfer Wasserpark ihre Nester aus
  • hochgeladen von Sonja Mair

Es ist ein sonniger Donnerstag Nachmittag im Floridsdorfer Wasserpark. Gleich unterhalb der Straßenbahnstation des 31ers „Am Hubertusdamm“. Auf der Schauplattform am Festland gegenüber einer Insel im Hauptteich haben zwei Fotografen ihre Stative aufgestellt und zielen mit Objektiven auf die Vögel gegenüber im Geäst. Große Kaliber sind das, auf der einen Seite die Vögel, auf der anderen die Kameras, paparazzomäßig. Aber alles geht ruhig und sehr friedvoll vor sich, denn was hier mit der Kamera verfolgt wird, steht unter strengem Naturschutz, ist laut Jagdgesetz ganzjährig geschont.

Die Rede ist von einer der elegantesten Erscheinungen im Reich der Ornithologie: dem Graureiher, der hier ungeachtet des Aufsehens, das er verursacht, neue Ästchen in sein Nest flicht. Eine Informationstafel der Gemeinde Wien beschreibt, was es hier zu sehen gibt. Sie wurde im Sommer 2001 aufgestellt, also rund drei Jahre nach der Gründung der Kolonie. Aber der Reihe nach.

Wählerischer Gast

Bis 1983 gab es ein Brutgebiet von Graureihern in der Unteren Lobau, das aber vermutlich durch Störungen nicht mehr besiedelt worden ist. Inzwischen ist der Graureiher wieder in Wien zu sehen, und ist eine „Bereicherung der Vogelwelt im ganzen Stadtgebiet“, wie Mag. Harald Gross, Biologe von Stadt Wien Umweltschutz, betont. Vom Laaer Berg bis zum Marchfeldkanal, sogar im Tierpark Schönbrunn und am Teich im Stadtpark ist er anzutreffen.

Aber es gibt in Wien nur einen Brutort, nämlich die alten Pappeln auf der Insel im Hauptteich des Floridsdorfer Wasserparks. Die Pionierarbeit hier übernahmen vier Siedlerpaare im Jahr 1998. Sie bauten in luftiger Höhe die ersten Nester. Und es wurden mehr. Seitdem machen sich die Graureiher jedes Frühjahr wieder daran, die Nester auszubessern und zu okkupieren. „Alle Möglichkeiten auf den Bäumen sind besetzt“, so Stadtbiologe Gross. „Es werden alle geeigneten Astgabeln genutzt...“ Und das soll auch so bleiben: Die Insel zu betreten ist selbstverständlich
streng verboten.

Damit ist der Graureiher der einzige, im umfassenden Werk „Die Vogelwelt Wiens“ aufgenommene Brutvogel Wiens mit nur einem roten Punkt (=Brutnachweis) auf der Nachwuchs-Landkarte der Stadt. Zum Thema Nistplatz hält der Autor der Graureiher-Seiten, Michael Dvorak, dort fest: „Um die Kolonie im Wasserpark zu sichern, müssen die teils schon in recht schlechter Kondition befindlichen Bäume gesichert werden. Bemerkenswerterweise sind die Horstbäume auch durch die Aktivitäten des Bibers betroffen, der gerade im Wasserpark immer wieder Bäume fällt.“

Natürlich wird von Seiten der Stadt Wien dafür gesorgt. Joachim Chen von den Wiener Stadtgärten merkt zur unerwarteten Nagerbedrohung an: „Biberschutzgitterung erfolgt nur punktuell.“ Auch ab und an ausgesprochene Bedenken, ob die Verdauung der Vögel den Bäumen schaden könnte, kann Chen ausräumen. Lediglich „Baumsämlinge kommen durch den Vogelkot etwas weniger auf“, was aber das natürliche Gleichgewicht an sich nicht stören dürfte.

Vogel mit Fan-Gemeinde

Wieder zurück im Wasserpark, wo die Stelzvögel (und ihre Nachkommenschaft) von fast allen Seiten gut betrachtet werden können. Der Graureiher hat hier seine Fangemeinde. Sogar Namen haben einige Vögel schon bekommen, auch wenn sich männliche und weibliche Tiere nicht unterscheiden lassen. Die Kolonie ist beliebt, ein Fleck Wildnis in der Siedlungslandschaft, ein Naturidyll mitten in der Großstadt, ein tolles Fotomotiv.

"Welches Objektiv haben Sie da?", werde ich von einem freundlichen Beobachter der gefiederten Gesellen gefragt. Ich winke lachend ab, gegen die anderen Geräte ist das Tinnef. Mein Gegenüber braucht das alles nicht. Er filmt mit einem Camcorder. Aber auch mit dem Handy werden hier fleißig Schnappschüsse gesammelt: "Ich komme jedes Jahr im Frühling hierher, um die Graureiher zu besuchen", meint Christine, Lehrerin in Wien. "Die Kolonie hier ist wirklich einzigartig!"

Und sie ist bekannt. Viele haben darüber schon geschrieben, so auch Susanne Krammer von "MeinBezirk". Im Beitrag "Der Wasserpark ist Paradies für Mensch und Tier“ erfährt man, dass durch den Einbau eines biologischen Bodenfilters die Wasserqualität im Park und in der Alten Donau stabil gehalten wird.

Das ist bei den zunehmenden Hitzeperioden entscheidend. Wie der Internetseite der Wiener Gewässer zu entnehmen ist, wird seit Sommer 2016 über diesen Filter nährstoffarmes Wasser aus der Neuen Donau in die Alte Donau eingeleitet. Das gleicht „die fehlende Grundwasserdynamik der Alten Donau“ aus. Der Filter, bestehend aus einer mit Biofilm bewachsenen Gesteinsschicht, reduziert dabei den Phosphorgehalt und andere Nährstoffe und reichert andererseits das Wasser mit Kalzium an, was den pH-Wert stabilisiert.

Allerlei Leckerbissen

Den Reihern ist es recht, obwohl damals für den Bau des Filters der Wiener Gewässer sogenannte Spundwände in den Boden gerammt werden mussten. Das sorgte vorübergehend für ziemlichen Lärm, die stoischen Vögel haben sich dadurch aber nicht stören lassen. Jetzt gedeihen durch diese Maßnahmen hier besonders viele Jungfische: Rotfeder, Rotauge, Hecht, Fluss- oder Sonnenbarsch.
Gute Voraussetzungen für einen Lauerjäger, wenngleich er kein Kostverächter ist. Auch Amphibien, Krebse, Wasserschlangen, Molche, verschiedene Insekten, Mäuse, Ratten und Eier sowie Küken anderer Vogelarten werden erbeutet.

Bei der Jagd ist der grazile Vogel nicht scheu, hat sich an den Menschen gewöhnt. „Vorbeigehen könnte man sehr nahe wahrscheinlich nicht, aber das ist das Jagdverhalten des Graureihers: Sie stehen ganz ruhig da und beobachten – dann schlagen sie zu“, erläutert Mag. Gross.

Wem es eigentlich zu verdanken gewesen sei, dass sich der schon ausgerottete Schreitvogel wieder in Wien niedergelassen hat,  frage ich nach?

Man wolle sich hier „nicht mit fremden Federn schmücken“, schmunzelt Stadtbiologe Gross. „Die Graureiher sind von selbst gekommen und brauchen keine künstliche Nisthilfe.“ Ein Schlusswort, wie es besser nicht sein kann.

Wissen:
Körpergröße: 0,9-1 Meter
Gewicht: 0,8-2,0 Kilogramm
Flügelspannweite:1,6-2 Meter
Brutbestand in Wien: 18-23 (Stand 2009)
Brutbestand in Österreich: 1.300 – 1.500 (Stand 2009)
Brutgebiete weltweit: Europa, Asien und Ost,- sowie Südafrika
Brutgebiete in Österreich: an größeren Fließgewässern, besonders Donau und deren Nebenflüsse

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