04.10.2016, 11:11 Uhr

Mehr Fachärzte für Floridsdorf gefordert

Keine Termine im 21. Bezirk: Kerstin K. muss mit ihren Kindern in andere Bezirke oder zum praktischen Arzt gehen.

Politik, Bevölkerung und Bürgerinitiative sind im Kampf um mehr Ärzte im 21. Bezirk vereint.

FLORIDSDORF. Lange Wartezeiten selbst bei Akutfällen, keine Neuaufnahme von Patienten, Flucht in andere Bezirke und teure Privatbehandlungen: die Liste über negative Erfahrungen mit Fachärzten in Floridsdorf ist lang.

Beim Gespräch mit betroffenen Müttern in Jedlesee zeigt sich, dass besonders Kinderärzte und Augenärzte, aber auch Internisten, Hautärzte oder HNO-Ärzte, in Floridsdorf Mangelware sind. Kerstin K.: „Ich gehe mit meinen kleinen Kindern zum praktischen Arzt, weil ich keine Termine bekommen habe.“ Danka S. geht mit ihren Kindern in die Ambulanz, aber auch hier gibt es durch die drohende Schließung der Augenambulanz im Donauspital Probleme. Ruth Hufnagl und Margarete Wojta sind beides Patientinnen in der Augenambulanz des Donauspitals. Sie haben in Floridsdorf Unterschriftslisten und eine Online-Petition auf www.donauspital.org gegen die Schließung der Abteilung und deren Verlegung in die Krankenanstalt Rudolfstiftung verteilt.

8.500 für Erhalt

Bereits 8.500 Unterschriften wurden gesammelt, bis Frist-ende werden rund 12.000 Unterschriften erwartet. Durch die schlechte Versorgung mit Augenärzten kommen viele Floridsdorfer in die Ambulanz. Hufnagl: „Bei einer Schließung der Ambulanz und der jetzigen Struktur ist es rechnerisch und fachlich nicht machbar, dass die niedergelassenen Ärzte die Menge der Patienten auffangen können.“

Trotz so mancher Vergrößerung der Ordination und trotz Unterstützung von Begleitärzten sind Arbeitszeiten über die normalen Öffnungszeiten hinweg keine Seltenheit. Durch diese Überbelegung der Ärzte werden Telefone teilweise nicht mehr abgehoben, keine neuen Patienten mehr angenommen oder es sind Wartezeiten von bis zu sechs Monaten notwendig. In einem offenen Brief an Bürgermeister Häupl wiesen Augenärzte bereits auf die ernste Versorgungslücke hin. Auskünfte oder Interviews wollen Ärzte trotzdem nicht geben.

„Im Rahmen meiner Sprechstunden wird mir immer wieder von untragbaren Wartezeiten auf Facharzttermine berichtet. Kinderärzte nehmen oft keine neuen Patienten mehr an“, weiß auch Bezirksvorsteher Georg Papai. Deshalb wurde eine Resolution für eine Verbesserung der Fachärzteversorgung in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung eingebracht und von allen Parteien einstimmig beschlossen. Papai will als oberster Sprecher Verhandlungen mit der Gebietskrankenkasse führen. Erste positive Anzeichen wurden bereits geortet.

Druck auf Kassen erhöhen

Gespräche will auch Susanne Dietl (Grüne) führen und so den Druck auf die Krankenkassen erhöhen: „Im Zuge der Flächenwidmungen können Gespräche auch dazu führen, dass Räumlichkeiten für Ärzte eingeplant werden. Auf den Siemensgründen ist dies so passiert.“
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