OÖ Hilfswerk warnt
Pflegebedarf in Freistadt wird enorm steigen

In den nächsten 20 Jahren wird sich die Zahl pflegebedürftiger Menschen nahezu verdoppeln, schlägt das OÖ Hilfswerk Alarm und fordert eine Entlastung pflegender Angehöriger.  

BEZIRK FREISTADT. „Die Pflegethematik wird auch in Freistadt und im Mühlviertel immer wichtiger“, berichtet Wolfgang Hattmannsdorfer, Obmann des OÖ Hilfswerk. Aktuell haben über 3.800 Menschen im Bezirk Freistadt einen Pflegebedarf. Das Land Oberösterreich rechnet damit, dass sich dieser Wert innerhalb der nächsten 20 Jahren auf über 5.900 erhöhen wird.

Pflege eine der größten Herausforderungen

Bereits heute ist die Pflege in der Familie ein wichtiges Thema im Alltag. So spielt laut dem jüngsten Pflegemonitor des OÖ Hilfswerk die Pflege Angehöriger für 60 Prozent der Mühlviertler eine große beziehungsweise mittelmäßige Rolle. „Das Pflegethema zählt schon heute zu den größten Herausforderungen unserer Generation. Umso wichtiger ist es, dass die Verbesserung der Pflege ganz oben auf der Tagesordnung der politischen Entscheidungsträger ist,“ schließt Hattmannsdorfer aus den aktuellen Zahlen.

Pflege großteils in eigenen vier Wänden

Der Großteil der Pflege passiert in Freistadt in den eigenen vier Wänden. Von den 3.800 Pflegebedürftigen in Freistadt können aktuell 485 in Alten- und Pflegeheimen betreut werden, der Rest wird meist von Angehörigen oder Angeboten wie mobilen Diensten gepflegt. Im Mühlviertel geben 26 Prozent der Einwohner an, selbst einen Pflegefall in der eigenen Familie zu haben.
„Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, es braucht eine spürbare Entlastung für pflegende Angehörige“, so Hattmannsdorfer. „Pflege daheim darf nicht schlechter gestellt sein als die Pflege in einem Heim. Es braucht daher einen Pflege-Daheim-Bonus, um die Pflege daheim zu honorieren und Angehörige zu entlasten. Darüber hinaus sollen durch einen Ausbau der Tagesbetreuung Menschen tagsüber in einer Pflegeeinrichtung betreut werden, aber dennoch zuhause wohnen und durch Angehörige mitbetreut werden können.“

Jemanden zum Reden

Am wichtigsten ist den Menschen im Mühlviertel dem Pflegemonitor zufolge, im Alter jemanden in der Nähe zu haben, mit dem man täglich reden kann (84 Prozent). Groß ist auch der Wunsch, den Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen zu können (69 Prozent). Gleichzeitig wünschen sich zwei von drei Befragten, im Bedarfsfall in ein Seniorenheim aufgenommen zu werden (62 Prozent). „In der Pflege braucht es ein breites Angebot und eine echte Wahlmöglichkeit, denn ältere Menschen müssen selbst über die Art der Betreuung entscheiden können. Jeder, der den Lebensabend zuhause verbringen möchte, soll auch die Möglichkeit haben, so lange wie möglich eine Betreuung in den eigenen vier Wänden zu erhalten", betont  Hattmannsdorfer.

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