SCHICKSAL
Kein Kredit! Grünbacher Ehepaar mit MS läuft die Zeit davon

Seit zwei Jahren sitzt Markus Hollinger im Rollstuhl. Mit ihm kann er sogar "aufstehen".
  • Seit zwei Jahren sitzt Markus Hollinger im Rollstuhl. Mit ihm kann er sogar "aufstehen".
  • Foto: Privat
  • hochgeladen von Elisabeth Klein

Das Grünbacher Ehepaar Alexandra und Markus Hollinger – beide haben Multiple Sklerose (MS) – muss aus seinem Haus raus. Seit mehr als einem Jahr ist es deshalb auf der Suche nach einer geeigneten barrierefreien Wohnung im Umkreis von Freistadt, jedoch ohne Erfolg. Ein Kredit – um das derzeitige Zuhause zu kaufen – wird dem Paar verwehrt. 

GRÜNBACH. Alexandra und Markus Hollinger haben beide Multiple Sklerose (MS), eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Alexandra und Markus haben sich bei Therapien kennengelernt. Anfangs haben sie ab und zu telefoniert, sich über ihre Krankheit ausgetauscht. Seit vier Jahren sind sie ein Paar und leben gemeinsam in einem Haus in Schlag, in dem sie sich sehr wohlfühlen. "Das Haus ist nahezu perfekt für uns", sagt Markus Hollinger. "Unsere Nachbarn sind sehr hilfsbereit, der Weg zu meiner Arbeitsstelle in Freistadt ist leicht zu bewältigen und wir haben eine gute ärztliche Versorgung in unmittelbarer Nähe." Die beiden schätzen vor allem auch den Garten. Für Alexandra ein enorm wichtiger Ausgleich, da sie nicht nur selbst MS hat, sondern auch pflegende Angehörige ist: Markus sitzt seit zwei Jahren rund um die Uhr im Rollstuhl. "Eine der besten Therapien für uns ist unser Hund Gina", erzählt die 46-Jährige. Die zum Haus gehörende Garage bietet außerdem viel Platz für die großen Therapiegeräte der beiden.

Der Verzweiflung nahe

Nun will der Eigentümer das Haus jedoch verkaufen, weshalb ihr Mietvertrag nicht verlängert wurde. Das stellt die beiden vor eine mittlerweile nahezu unlösbare Aufgabe. "Wir würden das Haus gerne kaufen, bekommen aber aber aufgrund unserer Erkrankung keinen ausreichenden Kredit. Wir würden es jedoch nicht ins Auge fassen, wenn wir es uns nicht leisten könnten", sagt Hollinger. Der 52-Jährige ist trotz Rollstuhls immer noch berufstätig. Er ist Polizist im Innendienst in der Bezirksleitzentrale in Freistadt. "Nicht mehr zu arbeiten konnte ich mir nicht vorstellen, nicht nur aus finanzieller Sicht. Mir beziehungsweise uns würde die Decke auf den Kopf fallen", sagt der gebürtige Bad Leonfeldner. Seine Ehefrau war Wirtin aus Leidenschaft. Sie kann und darf nicht mehr arbeiten und ist seit ihrem 38. Lebensjahr in Pension.

Barrierefrei? – Realität ist ernüchternd

Wirklich barrierefrei ist auch das derzeitige Haus nicht. "Unsere Ersparnisse würden wir in den Umbau des Hauses, vor allem des WC und Badezimmers stecken", berichtet Hollinger. Selbstverständlich hat sich das Ehepaar in den vergangenen Monaten zahlreiche Wohnungen angeschaut. Selbst als barrierefrei ausgeschriebene Neubauten, wie jene am Sternsteinblick in Grünbach, für die sich das Ehepaar gleich angemeldet hatte, waren nicht geeignet und von behindertengerecht weit entfernt. "Die meisten Architekten haben leider keine Ahnung, was es bedeutet, rund um die Uhr in einem Rollstuhl mit solch einem Radius zu sitzen. Für die heißt barrierefrei, dass man von der Garage mit dem Rolli zur Wohnungstür kommt. Bei vielen Wohnungen bin ich nicht einmal durch die Eingangstür gekommen. Eine Benutzung der Sanitärbereiche war in allen Fällen unmöglich. Zwischen barrierefrei und wirklich rollstuhlgerecht ist ein riesiger Unterschied", berichtet Hollinger. So endete jede der zahlreichen Wohnungsbesichtigungen für die beiden mit einer Enttäuschung.

"Mittlerweile läuft uns die Zeit davon. Unser Mietvertrag läuft im Sommer aus und wir haben noch immer keine Lösung. Wir sind mittlerweile für jede Hilfe und auch für Spenden dankbar, vor allem, weil der Großteil unserer zahlreichen Therapien auch sehr kostspielig ist. Wir wollen aber keinesfalls betteln. Am liebsten wäre uns ein Kredit, dafür bräuchten wir halt irgendeinen Bürgen"

, berichtet Hollinger. In seiner Verzweiflung hat er schon an allen denkbaren Hebeln gedreht, sogar Bundespräsident Van der Bellen angeschrieben – ohne Erfolg.

Die "unsichtbare" Erkrankung mit 1.000 Gesichtern

MS kann sich auf die unterschiedlichste Art und Weise zeigen. "Für mich ist es leichter, da man durch meinen Rolli gleich sieht, dass mir etwas fehlt", sagt Hollinger. Bei seiner Frau Alexandra ist das ganz anders, auf den ersten Blick wirkt sie völlig gesund. Bei ihr macht sich die Krankheit vor allem durch Störungen der Feinmotorik und mit plötzlich auftretenden Erschöpfungszuständen bemerkbar. "Das ist, als ob man den Stecker ziehen würde. Oft stehe ich auf und denke mir, heute ist ein richtig guter Tag und um neun Uhr morgens geht von einer Minute auf die andere gar nichts mehr", beschreibt die gebürtige Vorderstoderin ihre Beschwerden. "Oft sind wir bei Freunden eingeladen und müssen kurzfristig absagen oder am Weg umdrehen, weil ich es einfach nicht schaffe." Darüber hinaus ist sie oft krank, da ihre MS-Medikamente das Immunsystem enorm schwächen. Trotz ihres Schicksals ist das Ehepaar beeindruckend lebensfroh – auch etwas, das sie unter anderem auf die derzeitige Wohnsituation zurückführen, weshalb sie so gerne in dem Haus bleiben würden.

Wer das Ehepaar Hollinger unterstützen möchte, kann dies unter folgendem Spendenkonto bei der BAWAG PSK: AT37 6000 0402 1003 3680

Autor:

Elisabeth Klein aus Freistadt

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen