INTERVIEW
"Kultur rechnet sich immer"

Richard Maynau
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PREGARTEN. Über die Zukunft des kulturellen Geschehens am Land hat sich BezirksRundschau-Redakteur Roland Wolf mit Richard Maynau unterhalten, der seit August 2018 als Geschäftsführer des Kulturhauses Bruckmühle tätig ist.

Wie finanziert sich die Bruckmühle Pregarten eigentlich?
Der weit größte Anteil kommt aus den Einnahmen durch den Kartenverkauf. Das bedeutet, dass wir nicht viel Spielraum haben, künstlerisch wertvolle Programme zu zeigen, die vor allem Minderheiten ansprechen. Vermietung und öffentliche Zuschüsse sind notwendig, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.

Wie hart trifft die Bruckmühle die Kürzung des Kulturbudgets?
Die Kürzungen im Bereich der Subventionen sind für die Bruckmühle lebensbedrohlich. Die Bruckmühle ist kein reiner Veranstaltungsbetrieb, dafür ist sie auch vom Zuschauerraum her zu klein. Auch die Lage nahe Linz ist nicht ideal für einen kommerziellen Veranstaltungsbetrieb. Die Bruckmühle ist ein Kulturhaus mit sehr speziellen Aufgaben vor allem im soziokulturellen Bereich und daher ein hoch subventionswürdiges Unternehmen. Ohne Förderung ist so ein Betrieb nicht lebensfähig.

Wie schaffen Sie es trotzdem, einen für eine kleine Gemeinde wie Pregarten außergewöhnlichen Kulturbetrieb aufrechtzuerhalten?
Es geht eben um viel mehr, als nur Veranstaltungen zu zeigen. Wir produzieren selbst, sind vielfältig in unserem Angebot, binden Menschen ein, die kulturinteressiert sind, bieten Heimstätte für Künstler und unterstützen kulturschaffende Menschen durch Know-how und Raum. Kinder- und Jugendarbeit wird verstärkt wieder ins Zentrum gerückt. Die Ausgaben müssen so gering wie möglich gehalten werden, viel Einsatz im ehrenamtlichen Bereich ist unentbehrlich.

Welche Maßnahmen setzen Bruckmühle und Gemeinde Pregarten, um zu Geldern für den Kulturbetrieb zu kommen, die nicht aus der öffentlichen Hand stammen?
Jede denkbare Maßnahme muss möglich sein. Das aktive Bewerben und Ansprechen von möglichen Sponsorpartnern muss zukünftig noch mehr forciert werden. Leider gibt es in Österreich keine große Tradition, Kulturbetriebe zu sponsoren – von den ganz Großen abgesehen. Das Bewusstsein, dass Investition in die Kultur eine Investition in die Zukunft ist, wird noch Jahre brauchen, um in die Köpfe der möglichen Geldgeber zu gelangen. Aber man muss einmal anfangen. Der erste Schritt ist mit der Spendenabsetzbarkeit erreicht, welche die Bruckmühle seit diesem Jahr hat.

Wie wird sich die Kulturarbeit in den nächsten Jahren verändern?
Mehr Qualität ist wichtig, die Einbindung von interessierten Menschen der Region ist sehr wichtig. Kinder- und Jugendtheater muss einen selbstbewussten Stellenwert bekommen. Die Marke „Bruckmühle“ muss für innovative Kulturarbeit stehen, daher sind Eigenproduktionen zukünftig zu verstärken. Nur wer selbst produziert, wird mit seiner Kulturarbeit wahrgenommen. Das aber kostet Geld. Daher muss sich Kulturarbeit zukünftig auch in der Erhöhung der öffentlichen Förderung widerspiegeln. Sonst gibt es keine Veränderung, sondern Stillstand.

Wird überhaupt noch Platz für „alternative Kultur“ bleiben? Also Kultur, die sich nicht "rechnet".
Kultur, die sich zu rechnen beginnt, ist kritisch zu betrachten. Und ist so etwas überhaupt unter Kultur einzureihen? Jedes Theater, jeder Kulturbetrieb muss gefördert werden! Und die Förderung wird deswegen erteilt, weil man eben subventionswürdig ist. Nur dann ist man eben ein Kulturbetrieb, daher ist „alternative Kultur" ein Muss. Innovation und Weiterentwicklung sind dringend notwendig, sonst ist man kein Kulturbetrieb. Kultur rechnet sich übrigens immer, denn viele Menschen schätzen Kunst als eine Quelle der Lebensfreude und als Schutzmittel gegen die Banalität des Lebens. Kultur und vor allem Kunst vermögen es, uns in relevanter Weise in eine Beziehung zur Wirklichkeit zu versetzen. Sie helfen uns, neue Perspektiven zu entwickeln und bringen Menschen zusammen, die sich über mehr als das alltägliche Leben Gedanken machen. Kunst regt an und unterhält. Kunst fordert Kreativität ein, ist ein menschliches Grundbedürfnis und eröffnet die Chance, die Welt ein bisschen besser, friedlicher und humaner zu machen.

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