Schatzfund
Mehr als 1.500 Silbermünzen aus 15. Jahrhundert entdeckt

Ein Teil des in Unterweißenbach entdeckten Münzschatzes.
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  • Ein Teil des in Unterweißenbach entdeckten Münzschatzes.
  • Foto: OÖ LKG
  • hochgeladen von Thomas Winkler, Mag.

UNTERWEISSENBACH, LINZ. "Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Mann, der tagein, tagaus sein Land bestellte, seine Tiere umsorgte und ein treusorgender Ehemann und Vater war. Seine Güte und sein Fleiß blieben nicht unbelohnt. Am Ende jedes Sommers, wenn der Herbst seine kühlen Vorzeichen zu schicken begann, dass die Natur bald ihre verdiente Jahresruhe machen würde, waren auf seinem Hof nicht nur die Vorräte reichlich vorhanden, er hatte auch durch Handel gut verdient. Weil es seine Gewohnheit war, die Pfennige, Kreuzer und Groschen, die ihm dafür zuteil wurden, sicher in einem Topf in der Erde zu verwahren, wo der Frost bald schon schützend seine Hand über die Notreserven legen würde, und weil Gewohnheiten gewöhnlich über Generationen weitergereicht werden, ergab es sich, dass Jahr um Jahr, Münze um Münze, der Notgroschen wuchs, bis er ein wahrer Bodenschatz war."

Ob es sich tatsächlich so oder so ähnlich zugetragen hat? Noch können das die Experten nicht sicher sagen, doch die mehr als 1.500 spätmittelalterlichen Silbermünzen, die der Boden in diesem Sommer in Unterweißenbach freigegeben hat, sind so aufregend, dass die Fantasie kurz Vorrang vor der Wissenschaft haben darf. Ab nun dürfen alle mit Spannung darauf warten, was die Archäologen herausfinden, wenn sie Münze um Münze und Keramikscherbe um Keramikscherbe erforschen. Dies können sie aber schon jetzt mit Sicherheit sagen: Mit dem Silberschatz von Unterweißenbach haben der glückliche Zufall und die ehrlichen Finder ihnen ein bedeutendes und ausgesprochen seltenes Zeitdokument zur Erforschung des Geldumlaufs im 15. Jahrhundert zukommen lassen, das das Geschichtsbild von Handel und Geldverkehr in Oberösterreich um neue Einsichten bereichern wird. Noch reinigen und konservieren die Experten den ebenso wertvollen wie fragilen Fund. Was er uns über unsere Heimat und unsere Vorfahren erzählen wird? "Eine Ausstellung dazu können wir auf jeden Fall schon jetzt versprechen", sagt Alfred Weidinger, Geschäftsführer der OÖ Landes-Kultur GmbH.

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"Wert noch nicht zu beziffern"

In´nterview mit dem Kunsthistoriker und Numismatiker Bernhard Prokisch

Herr Prokisch, kann man den "Wert" des Münzfundes eigentlich beziffern?
Derzeit ist der materielle Wert des Fundes nicht einmal im Ansatz zu beziffern. Um hier Aussagen zu treffen, müssen die Münzen bestimmbar sein, was wiederum eine Reinigung und Restaurierung voraussetzt.

Was passiert mit den Münzen nach der Reinigung und Restaurierung?
Jede einzelne Münze wird bestimmt und mit einem Literaturzitat versehen. Nach der Bestimmung folgt die Auswertung, das heißt, die Zusammensetzung des Fundmaterials wird genau analysiert.

Werden die Finder der Münzen in irgendeiner Weise entlohnt?
Das Fundmaterial steht gemäß österreichischer Rechtsordnung zur ungeteilten Hälfte im Eigentum von Grundeigentümer und Finder. Wer auch immer den Fund schließlich zur Bewahrung in sein Eigentum übernehmen wird, wird den Eigentümern den Wert entsprechend ablösen.

Gibt es in Oberösterreich öfter derartige Funde?
Nach derzeitigem Wissen sind aus dem Boden des heutigen Bundeslandes Oberösterreich bisher ungefähr 230 Münzschatzfunde geborgen worden, beginnend in vorrömischer Zeit bis in das spätere 19. Jahrhundert, als das Sparbuch die Verbergung von Geldbeträgen ablöste. Einer der bedeutendsten Depots war zweifelsohne der 1997 zu Tage getretene Fund vom Fuchsenhof in Freistadt, verborgen zwischen 1275 und 1278, der neben Münzen auch Edelmetallbarren und Schmuckstücke enthielt. Der Fund in Unterweißenbach dürfte nach den bislang durchgeführten Stichproben in das 15. Jahrhundert gehören. Aus diesem Zeitraum liegt Information zu etwa einem Dutzend Funde vor, die jedoch zum Großteil nach der Auffindung zerstreut wurden und als verloren betrachtet werden müssen.

OÖ Landes-Kultur GmbH

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