Fachkräfte fehlen: „Viel flexibler werden“

Sich im „Kampf“ um Fachkräfte vernetzen und kreativ sein: Moderator und BezirksRundshau-Chefredakteur Thomas Winkler, Geschäftsführer Michael Schinko,  Josef Buttinger (Leiter der Abteilung  Personallösungen der Bilfinger Personalservice Österreich GmbH), Wirtschaftslandesrat Michael Strugl, Wolfgang Mayrhofer (Sparkasse OÖ, Leitung Kommerzkunden Region Mühlviertel), Geschäftsführer Wolfgang Holzhaider und Dietmar Wolfsegger, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Freistadt.
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  • Sich im „Kampf“ um Fachkräfte vernetzen und kreativ sein: Moderator und BezirksRundshau-Chefredakteur Thomas Winkler, Geschäftsführer Michael Schinko, Josef Buttinger (Leiter der Abteilung Personallösungen der Bilfinger Personalservice Österreich GmbH), Wirtschaftslandesrat Michael Strugl, Wolfgang Mayrhofer (Sparkasse OÖ, Leitung Kommerzkunden Region Mühlviertel), Geschäftsführer Wolfgang Holzhaider und Dietmar Wolfsegger, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Freistadt.
  • Foto: Pramhofer
  • hochgeladen von Elisabeth Hostinar

„Neue (Fach)Kraft für die Region“: Die BezirksRundschau lud bei der Firma Schinko zur Diskussion.

BEZIRK, NEUMARKT. In den nächsten zehn Jahren sinkt die Anzahl der 15-jährigen im Bezirk dramatisch: Der Bezirk verliert ein Viertel der Jugend. Das werden nicht nur Schulen, sondern vor allem auch Betriebe zu spüren bekommen. Wie brennend das Problem ist, zeigt die hochkarätige Expertenrunde, die sich vor Publikum über mögliche Lösungen Gedanken machte.

Zuwenig Jugendliche
„Die jungen Leute, die wir brauchen, sind einfach nicht auf der Welt, es hilft nichts. Es muss gelingen, junge Leute verstärkt für den Weg der Lehre zu gewinnen“, so Wirtschaftslandesrat Michael Strugl; „die Lehre ist kein Bildungsweg zweiter Klasse und auch keine Sackgasse. Aber eines steht fest: Wir können und wollen den Eltern nichts vorschreiben. Wir können nur Beratung und Orientierung bieten.“
„Es stimmt, das Image der Lehre ist noch nicht dort, wo es hingehört“, bekräftigt Wolfsegger. Da bedarf es entsprechender Bewusstseinsbildung bei den Eltern; „die haben in ihrer Jugend eben andere Erfahrungen gemacht, aber die Wirtschaftswelt hat sich eben entscheidend geändert. Bei unserer Jobtour werden viele Mädchen und Buben mit Berufsfeldern konfrontiert, an die sie zuvor gar nicht gedacht haben.“
„Bereits in drei, vier Jahren wird der Fachkräfte- und Lehrlingsmangel im Bezirk ganz extrem spürbar. Außerdem wird die Saugkraft von Betrieben im Zentralraum weiter zunehmen. Die jungen Leute werden abgeworben. Linzer Betriebe machen regelrecht Werbekampagnen an unseren Schulen“, warnt der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Freistadt, Dietmar Wolfsegger. Wie aber kommen die Unternehmen im Bezirk zu Lehrlingen? Wolfsegger: „Firmen müssen langfristig Imagewerbung machen und den Kontakt zu Schulen aufbauen und intensivieren. Daran führt kein Weg vorbei. Aber da tun sich die Kleinstbetriebe von ihrer Struktur her natürlich sehr schwer.“
Wolfgang Holzhaider aus St. Oswald setzt in seinem Betrieb auf gute Arbeitsbedingungen: „Wenn es ein gutes Arbeitsklima gibt, wechseln die Mitarbeiter auch nicht in andere Betriebe.“ Holzhaider nimmt jedes Jahr Lehrlinge auf und bildet sie selbst aus. Akuten Fachkräftemangel kann er derzeit noch über Leasingfirmen mit Mitarbeitern etwa aus Tschechien abdecken. Geschäftsführer Michael Schinko zieht sich seine Fachkräfte selbst heran, denn trotz bester Firmenlage direkt an der Bundesstraße hielten sich die Bewerbungen in Grenzen. Viele Arbeitnehmer pendeln lieber in den Zentralraum. „Bis jetzt haben wir 60 Lehrlinge ausgebildet, darunter auch etliche Mädchen, die zum Teil als Blechtechnikerinnen arbeiten. Um Lehrlinge zu bekommen, tun wir aber sehr viel an den Schulen“, so Michael Schinko.
Wolfgang Mayrhofer von der Sparkasse bestätigt, dass einige seiner Kommerzkunden aufgrund des Lehrlings- und daraus resultierenden Fachkräftemangels bereits Aufträge ablehnen mussten. Wie kann man diese fatale Entwicklung stoppen? „Die Firmen müssen aufwachen und selbstkritisch werden“, appelliert Josef Buttinger, Leiter der Abteilung Personallösungen von Bilfinger Personalservice; „zum einen ist wichtig, eine Gleichstellung von Lehre und Höherer Schule zu erreichen. Zum zweiten müssen wir das Potenzial, das wir jetzt haben, besser nutzen.“ Buttinger tritt vehement dafür ein, den Frauen viel flexiblere Arbeitszeiten zu bieten, damit diese Familie und Beruf besser koordinieren können: „Diese Flexibilität gewähren wir den Frauen derzeit einfach nicht.“ „Auch dass Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, ist eine Katastrophe“, bekräftigt Michael Schinko.
Dass aufgrund der demographischen Situation auf alle längere Lebensarbeitszeiten zukommen, daran lässt Wirtschaftslandesrat Strugl keinen Zweifel: „Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, als alle zu mobilisieren!“ Der Leiter des Arbeitsmarktservice Freistadt, Alois Rudlstorfer weiß allerdings: „Auch gut ausgebildete Fachkräfte haben ab 50 derzeit kaum mehr eine Chance, am Arbeitsmarkt unterzukommen.“ „Natürlich stellt sich die Frage, wie man mit 65 oder 66 seinen Job machen soll, dass man auch noch Freude dabei hat. Mit dieser Frage muss man sich intensiv beschäftigen“, so Michael Schinko. Buttinger bekräftigt: „Ältere Dienstnehmer kann man nicht mehr von Montag bis Freitag hineinbuttern. Da müssen wir uns etwas einfallen lassen. Die Rahmenbedingungen können einfach nicht flexibel genug sein.“

Der Gastgeber:
Die Firma Schinko GmbH in Matzelsdorf, Neumarkt, war Gastgeber für diese Diskussion und ist ein Leitbetrieb in der Region. Nach einer erfolgreichen Entwicklung kam 2009 die Wirtschaftskrise, die jedoch sehr gut gemeistert werden konnte. Schinko beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Zwei-Schichtbetrieb pro Jahr über 60.000 Gehäuse, Verkleidungen von Maschinen, Pulte & Steuerstände und Automatengehäuse für höchste Ansprüche entwickeln und fertigen.

Autor:

Elisabeth Hostinar aus Freistadt

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