04.09.2014, 13:20 Uhr

In der Schwangerschaft besser kein „Glaserl in Ehren"

Wenn der Verzicht schwer fällt, heißt es so schnell wie möglich Hilfe beim Arzt suchen. (Foto: Kitty/Fotolia)
BEZIRK. Während der Schwangerschaft Alkohol zu trinken, bedeutet ein Gesundheitsrisiko für das ungeborene Kind. Ob im Einzelfall eine Schädigung eintritt und in welchem Ausmaß, lässt sich aber nicht vorhersagen. Experten raten daher werdenden Müttern, auf Nummer sicher zu gehen und auf Alkohol zu verzichten. Ist ein Glas Wein oder Bier ab und zu schädlich für mein ungeborenes Kind? Kann durch einen Rausch bei einer Geburtstagsparty etwas passieren, wenn ich die restliche Schwangerschaft keinen Tropfen Alkohol getrunken habe? Diese Frage kann man nicht eindeutig beantworten. Alkohol ist ein Nervengift und gelangt über den Blutkreislauf der Mutter in jenen des ungeborenen Kindes. „Ob eine Schädigung eintritt, ist jedoch individuell verschieden und hängt auch davon ab, in welcher Entwicklungsphase sich das Nervensystem des Babys gerade befindet. Man muss jedoch davon ausgehen, dass das Risiko steigt, je mehr und je häufiger eine schwangere Frau Alkohol trinkt“, so Hermann Pramendorfer, Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde bei der Ärztekammer für OÖ.

Alkohol während der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für nicht genetisch bedingte vorgeburtliche Schädigungen. Grob geschätzt sind etwa zwei von 1.000 Geburten betroffen. Kinder, die im Mutterleib Alkohol ausgesetzt waren, können in ihrer geistigen und motorischen Entwicklung zurückbleiben. Manche haben auch ein verzögertes Wachstum oder zeigen Verhaltensauffälligkeiten und sind zum Beispiel sehr schnell erregt und unruhig.

Eindeutiger Nachweis kaum möglich
Bei schweren Schäden, die durch Alkohol während der Schwangerschaft bedingt sind, spricht man vom so genannten "fetalen Alkoholsyndrom" (FAS). Dieses kann sich auch optisch durch Minderwuchs, Kopf- und Gesichtsfehlbildungen bemerkbar machen, was allerdings eher selten vorkommt. Viel häufiger seien weniger starke Schädigungen, bei denen man von einer hohen Dunkelziffer ausgehen müsse, so Pramendorfer: "Viele alkoholbedingte Störungen äußern sich erst, wenn das Kind mehrere Jahre alt ist. Ein möglicher Zusammenhang zum Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft lässt sich nur selten eindeutig nachweisen."

Alkoholproblem: Hilfe holen, statt aus Scham schweigen
"Es braucht keine werdende Mutter in Panik zu verfallen, nur weil sie einmal einen Schluck Wein gekostet hat. Doch es ist empfehlenswert, während der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten. Es gibt keine gesicherte Harmlosigkeitsgrenze, unter der Alkoholkonsum verlässlich unbedenklich ist“, so Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für OÖ. Ab welchem Ausmaß Alkohol während der Stillzeit dem Kind schadet, ist wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Stillende Mütter sollten sich auf ganz kleine Mengen beschränken.

Schwangere Frauen, die Probleme haben, auf Alkohol - aber auch auf Zigaretten - zu verzichten oder den Konsum auch nur einzuschränken, sollten sich so schnell wie möglich an einen Arzt oder eine Ärztin zu wenden, so Niedermoser: "Aus Scham zu schweigen und auf Hilfe zu verzichten, ist weder im Sinne der Mutter noch des Kindes."
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