07.07.2017, 20:31 Uhr

Krampfadern sind mehr als ein kosmetisches Problem

Chirurgin Kathrin Artemian (Foto: gespag)
FREISTADT. Krampfadern sind mehr als nur ein Schönheitsfehler. Besonders bei brütender Hitze machen sich Venenprobleme häufig durch geschwollene und schwere Beine bemerkbar. Chirurgin Kathrin Artemian vom LKH Freistadt informiert über die Therapiemöglichkeiten.
„Venenbeschwerden machen sich häufig im Sommer bemerkbar, denn durch die Wärme erweitern sich die Venen an der Hautoberfläche und geschwächte Blutgefäße bzw. undichte Venenklappen sind mit dem Blut-Rücktransport überfordert“, weiß Oberärztin Kathrin Artemian vom Landes-Krankenhaus Freistadt. Dadurch kommt es zu einem Rückstau des Blutes in Richtung der Schwerkraft. Die meisten Patienten klagen über schwere Beine, Wadenkrämpfe, Spannungsgefühl bis hin zu Schwellung oder auch Schmerzen.
Störungen im Venensystem kommen bei sehr vielen Menschen vor, und sie steigen mit zunehmendem Alter. „Ursachen sind häufig im Bewegungsmangel, Übergewicht und langem Stehen oder Sitzen, aber auch in genetischer Veranlagung und Schwangerschaft zu finden“, sagt die Chirurgin. Langfristig kann dies zu Krampfadern (Varizen), Wassereinlagerungen (Ödemen) oder zu unschönen Besenreisern führen.
Eine chronisch venöse Insuffizienz kann nicht nur unschöne Verfärbungen am Bein verursachen, sondern auch eventuell zu einem offenen Bein, einem Ulcus, führen. Um dies zu vermeiden ist eine operative Sanierung sinnvoll.


Therapiemöglichkeiten

Die harmlosen Besenreiser sind zwar oft unschön anzusehen, jedoch eher ein kosmetisches Problem. In den meisten Fällen können sie relativ schmerzfrei verödet werden. Dabei wird Schaum bzw. Flüssigkeit über eine dünne Nadel in die Vene eingespritzt. Durch diese künstlich hervorgerufene Entzündungsreaktion verklebt das Gefäß und wird vom Körper abgebaut.
„Varizen können auch mittels Laser oder der Radiofrequenztherapie behandelt werden; hierbei wird die Innenauskleidung der betroffenen Venen (das Endothel) durch Hitze zerstört, so dass der Blutstrom unterbunden ist. Die Venen selbst verbleiben im Körper und werden teilweise abgebaut.“ so die Oberärztin.

Bei ausgeprägteren Befunden bzw. dicken Varizensträngen sind diese Methoden oft nicht ausreichend. In solchen Fällen sollte eine operative Sanierung ins Auge gefasst werden. “Im LKH Freistadt führen wir hauptsächlich die sogenannte Crossektomie mit Stripping der kaputten Vene durch. Hierfür werden über einen Schnitt in der Leiste die Gefäß-Verbindungen zwischen dem oberflächlichen und dem tiefer liegenden Venensystem getrennt. Anschließend wird die Krampfader über eine Sonde aus dem Bindegewebe herausgezogen.“ erklärt die Chirurgin.

Nach der Operation sollten die Patienten für einige Wochen konsequent Kompressionsstrümpfe tragen, die Beine häufig hochlegen und langes Stehen oder Sitzen, sowie Sonnenbäder und Saunagänge vermeiden.

“Wir untersuchen unsere Patienten mittels Ultraschall und entscheiden dann, welche Operationsmethode für sie optimal ist”, so die Fachärztin. Die Operation selbst kann in Allgemeinnarkose oder in Spinalanästhesie (Rückenmarksnarkose) durchgeführt werden. Diese Entscheidung trifft der Anästhesist gemeinsam mit dem Patienten in einem ausführlichen Gespräch.


Mehr als nur ein kosmetisches Problem

Vorbeugend hilft ausreichende Bewegung, Ausdauersport, Vermeiden von langem Stehen oder Sitzen, regelmäßige Aktivierung der Muskelpumpe etwa im Flugzeug, Gewichtsabnahme, Wechselduschen und Rauchstopp.
Krampfadern und entzündete Venen sollten Betroffene im Auge behalten. Unbehandelt kann sich daraus eine Venenthrombose oder sogar eine Embolie bilden. Besonders bei langen Reisen – die in der Sommerzeit hoch im Kurs stehen – ist Vorsicht geboten. Durch das lange und häufig beengte Sitzen in Auto, Bus oder Flugzeug sinkt das Blut in die tiefen Beinvenen ab und es können sich Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein solches Gerinnsel, so steigt das Risiko einer Embolie. Wer an bekannter Venenschwäche leidet, sollte bei langen Reisen unbedingt Kompressionsstrümpfe tragen.
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