04.09.2014, 09:53 Uhr

OÖGKK entwickelt Lösungen für den Bedarf von morgen

(Foto: Minerva Studio/Fotolia)

Gesundheitsversorgung der Zukunft

BEZIRK. „Das österreichische Gesundheitssystem hat viele Stärken, aber auch einige Schwächen. Wir müssen heute die Weichen stellen, um auch in Zukunft eine leistungsfähige und passende Gesundheitsversorgung für alle zur Verfügung zu haben“, betont OÖGKK-Obmann Albert Maringer. Das erfordert eine Weiterent- wicklung der Leistungen, aber auch der Organisation und der Abläufe in der medizinischen Versorgung – Stichwort Gruppenpraxen und bessere Vernetzung. Die OÖGKK nennt die wichtigsten Handlungsfelder für ein Update zur „Gesundheit 2.0“.

„Analysen zu den Stärken und Schwächen des österreichischen Gesundheitssys- tems liegen genügend auf dem Tisch“, sagt OÖGKK-Direktorin Andrea Wesenauer. Am Beispiel des immer wieder beschworenen „Ärztemangels“ zeigt sich aber, wie weit öffentliche Diskussion und internationale Datenlage auseinanderklaffen. „Österreich liegt bei der Ärztedichte weltweit ganz an der Spitze, und das gilt auch für die Ärzteausbildung. Österreich hat aber ein strukturelles Verteilungsproblem, sodass die – eigentlich vorhandenen – Ärzte nicht immer dort ankommen, wo Bedarf ist. Auf dieses Problem weist nicht zuletzt die Vizerektorin der Medizinischen Universität Wien, Karin Gutiérrez-Lobos, mit stichhaltigen Zahlen hin“, berichtet Andrea Wesenauer.

„Ärztehungriges“ Versorgungssystem

Besonders im Spitalsbereich pflegt Österreich ein sehr „ärztehungriges“ Versor- gungssystem. Ein Grund: „Viele Verwaltungs- und Organisationsaufgaben im Spital werden von Ärzten erledigt. Ein Arzt, der im Büro vor Akten sitzt, bringt aber den Patienten nicht viel. Wir müssen daher die Ressourcen unserer Ärzte wieder für ihre Profession freispielen: Menschen medizinisch helfen“, argumentiert Maringer.

Mangel beim Pflegepersonal
Wo Ärzte wieder für ihre medizinischen Kernaufgaben freigespielt sind, müssen die verbleibenden Pflege-, Verwaltungs- und Managementaufgaben trotzdem von Fachpersonen erledigt werden. Maringer: „Arbeit bleibt Arbeit – auch wenn eine andere Profession sie übernimmt. Um die Belastungen für Pflege- und Verwal- tungskräfte im Rahmen zu halten, muss auch dort genügend Personal ausgebildet werden. Aktuelle Studien zeigen, dass viele Gesundheitsbeschäftigte – vor allem in der Pflege – schon jetzt hohem Druck ausgesetzt sind.“

Bald überholte Versorgungsstrukturen
„Die Medizin, die Gesellschaft, und auch die Bedürfnisse der Menschen verändern sich, wenn wir etwa daran denken wie viele Menschen heute weit über 80 Jahre alt werden oder wie gut wir heute in der Lage sind, chronisch Kranken ein Leben mit hoher Lebensqualität zu ermöglichen. Das alles stellt aber auch neue Anforderun- gen an die Versorgungsstruktur“, erklärt Maringer.
Aufbauend auf der sehr guten bestehenden Versorgung, ist die OÖGKK federfüh- rend an der Weiterentwickelung beteiligt. Stichwort: Neue Versorgungsmodelle in der Primärversorgung. Basisleistung in diesen Modellen bleibt die gewohnte haus- ärztliche Versorgung – jedoch ergänzt um die Dienste von weiteren Gesundheits- anbietern. In Oberösterreich möchte die OÖGKK bald patientenorientierte Pilot- projekte starten.

Medizinausbildung in Linz: Nicht an der Bevölkerung vorbei!
„Als OÖGKK können wir keine Medizin-Universitäten betreiben. Wir können aber sehr genau beschreiben, welche Ärztinnen und Ärzte wir für die Versorgung in Zukunft brauchen werden, welches Ausbildungsprofil sie mitbringen müssen“, erklärt Wesenauer, die auch Universitätsrätin an der Johannes Kepler Universität in Linz ist. Ihre logische Forderung: „In Linz sollte uns klar sein, dass die Ausbildung der Jungmediziner auf verbreitete Probleme in der Bevölkerung zugeschnitten sein muss. Unverzichtbar ist daher die Versorgungsforschung zu Erkrankungen wie Dia- betes oder Herz-Kreislaufstörungen.“ Momentan gibt es mehr als genug Ausbildung in der Hightech- und Intensivmedizin. Was aber fehlt, ist eine konkrete Vorbildung der Studenten für den niedergelassenen Bereich sowie die Vermittlung von Gesundheitsförderung und Prävention.

Gesundheit besser vernetzen
Ein gesicherter Austausch von Patienteninformationen zwischen den einzelnen Be- handlern kann im Ernstfall Leben retten – Stichwort ELGA. In jedem Fall aber wer- den alte Probleme wie Doppelbefunde oder umständliche Wege zwischen ver- schiedenen Einrichtungen vermieden. Allerdings: „Wenn wir diese Chancen nicht sehen wollen und in einer Angst-Debatte erstarren, werden die Vorzüge niemals Realität. Ich erinnere mich an die Einführung der e-Card 2004. Damals überschlug sich die Kritik an der kleinen Karte. Doch wer möchte heute zurück zum alten Papier-Krankenschein?“

Fazit: Integrierte Patienten-Versorgung als zukünftiger Standard

„Wenn wir die genannten Aufgaben sachlich lösen, dann steht einer umfassenden integrierten Gesundheitsversorgung der Bevölkerung nichts mehr im Weg“, sind sich Wesenauer und Maringer einig. Das bedeutet: Die Versorgungsprozesse können sich dann optimal am Patienten ausrichten – und nicht umgekehrt. Die OÖGKK bietet ihren Versicherten schon unter den jetzigen Rahmenbedingungen eine integrierte Versorgung zu den Krankheiten Demenz, Diabetes und Schlagan- fall. Wesenauer: „Unter optimalen Systembedingungen können wir diese Angebote weiter ausbauen und zusätzliche Lösungen für unsere Versicherten entwickeln.“
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