08.02.2018, 14:03 Uhr

"Aufeinander zugehen!"

Hubert Köppl ist Pflanzenschutzreferent der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. (Foto: LWK OÖ)

Zwischen Imkern und Landwirten kommt es immer wieder zu Spannungen. Das müsste nicht sein.

RAINBACH, BEZIRK FREISTADT. Hubert Köppl aus Summerau ist Pflanzenschutzreferent der Landwirtschaftskammer Oberösterreich und Imker. Wir haben den 55-jährigen Fachmann zum Interview gebeten.

Herr Köppl, warum kommt es immer wieder zu Differenzen zwischen Landwirten und Imkern?
Ich glaube, man weiß oftmals zu wenig voneinander. Jeder sieht nur seine eigenen Probleme und bringt manchmal wenig Verständnis für den anderen auf. Miteinander zu reden wäre eine prima Sache, dazu müssen aber beide aufeinander zugehen.

Was kann die Landwirtschaftskammer tun, um diese Differenzen zu verringern oder gar zu beseitigen?
Das neu in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich eingerichtete Bienenzentrum greift vermittelnd ein. Schon bisher haben wir unsere Landwirte bezüglich Bienenschutz immer wieder informiert, sei es über unsere Zeitschrift „Der Bauer“, über Newsletter aber auch über unsere Website. Jeder Landwirt, der Pflanzenschutzmittel anwendet, muss einen Sachkundeausweis besitzen, dazu braucht er eine berufliche Ausbildung oder einen speziellen Kurs.

Vielfach ist vom Begriff „Integrierter Pflanzenschutz“ die Rede. Was bedeutet das?
„Integrierter Pflanzenschutz“ bedeutet, dass ich den Pflanzenschutz umfassend sehe und nicht auf den Einsatz eines Pflanzenschutzmittels reduziere. Das beginnt schon vorbeugend, indem ich eine gesunde Sorte anbaue, eine standortangepasste, ausgewogene Düngung durchführe und eine abwechslungsreiche Fruchtfolge habe. Bei der Unkrautbekämpfung wende ich auch mechanische Methoden an und wenn Schädlinge auftreten, dann bekämpfe ich diese nach dem Schadschwellenprinzip.

Das heißt ...?
Das heißt, dass ich zum Beispiel eine gewisse Anzahl an Käfern am Raps oder in den Kartoffeln tolerieren kann. Erst wenn eine wissenschaftlich festgestellte Schwelle überschritten wird, dann wird ein Pflanzenschutzmitteleinsatz ordnungsgemäß durchgeführt. Beispielsweise war 2017 im Raps sowohl im Frühjahr als auch im Herbst das Schädlingsauftreten sehr gering, sodass im Frühjahr mit einer Behandlung das Auslangen gefunden werden konnte. Im Herbst konnte dann vielfach auf eine Bekämpfung der Erdflöhe ganz verzichtet werden. In manchen Jahren waren bis zu drei Einsätze nötig.

Welche Pflanzenschutzmittel stellen für Bienen eine Gefahr dar?
Insektizide, die von der Behörde als „bienengefährlich“ eingestuft werden, sind kritisch zu sehen. Leider lässt sich manchmal ein Einsatz nicht komplett vermeiden, da die Palette an zur Verfügung stehenden Produkten in einigen Kulturen sehr gering ist. Wenn eine Anwendung notwendig wird, dann darf diese nur in Feldern erfolgen, wo weder die Kultur noch das Unkraut blüht.

Gibt es Pflanzenschutzmittel, die für Bienen unbedenklich sind?
Alle Pflanzenschutzmittel werden von der Behörde – dem Bundesamt für Ernährungssicherheit – im Rahmen des Zulassungsverfahrens auf ihre Bienengefährlichkeit geprüft. Herbizide, also Unkrautbekämpfungsmittel, gelten als bienenungefährlich. Fungizide, das sind Präparate gegen Pilzkrankheiten, sind in der Regel mit ganz wenigen Ausnahmen auch nicht gefährlich für Bienen. Die größte Gefahr kann bei unsachgemäßem Einsatz von Insektiziden ausgehen. Auf der Verpackung ist die Bienengefährlichkeit angegeben, auch im Pflanzenschutzmittelregister kann die Einstufung und der Umgang mit dem Produkt nachgelesen werden.

Kommt es im Mühlviertel oft zu Vergiftungen von Bienen durch Pflanzenschutzmittel?
Es gab im vorigen Jahr im Mühlviertel wenige Verdachtsfälle auf Vergiftungen von Bienen mit Pflanzenschutzmitteln. Alle gemeldeten Schäden wurden untersucht. In einer einzigen Region war die Ursache des Bienensterbens auf Pflanzenschutzmittel zurückzuführen.
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