03.10.2014, 15:51 Uhr

Seminarbäuerinnen in Oberösterreich - eine 20jährige Erfolgsgeschichte

Seminarbäuerin Maria Stütz zeigt den richtigen Dreh bei der Zubereitung von Knödeln. (Foto: LK OÖ)

Botschafterinnen der Regionalität

Ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum feiern heuer die oberösterreichischen Seminarbäuerinnen: Seit 1993 vermitteln sie, wie wertvoll unsere heimischen Lebensmittel sind und verarbeiten diese in mittlerweile über 30 verschiedenen Kochkurs-Angeboten zu köstlichen Gerichten. Im Jubiläumsjahr liegt der Schwerpunkt der Arbeit der 70 oberösterreichischen Seminarbäuerinnen auf der heimischen Mehlspeisküche: Allein heuer besuchen 70 Seminarbäuerinnen im Landwirtschaftlichen Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer OÖ Weiterbildungskurse, um sich auf ihre Kurs-Tätigkeit vorzubereiten.

Seminarbäuerinnen bringen Regionalität auf den Tisch

„Ein Sprichwort sagt: „Du bist was du isst“. Aber was genau legen wir täglich auf unsere Teller? Wie wird unser Essen produziert? Wie verarbeite ich Lebensmittel richtig und g‘schmackig? Fragen über Fragen, die sich die Konsumenten oft stellen und auf die die Seminarbäuerinnen der Landwirtschaftskammer OÖ eine Antwort haben: mit praktischen Kochkursen, Seminaren und Angeboten für Schulkinder“, erläutert ÖR Annemarie Brunner, Vorsitzende des Bäuerinnenbeirats der Landwirtschaftskammer OÖ.

Bei den Seminarbäuerinnen-Kursen ist jeder willkommen. Denn die Botschaft der Seminarbäuerinnen lautet: Jeder kann kochen – das Volksschulkind genauso wie der Teenager, die ernährungsbewusste Jung-Mutti, der vielbeschäftigte Manager oder der „eilige“ Genießer. Auch bereits vom Kochen begeisterte wollen oft noch etwas dazulernen und sich spezielle Tipps und Tricks für die Zubereitung von regionalen Spezialitäten holen. „Unsere Seminarbäuerinnen bringen Regionales trendig auf den Tisch und sind gleichzeitig Hüterinnen der traditionellen bäuerlichen Küche“, fasst Brunner zusammen.

Breite Angebots-Palette

Die Palette des bunten Kochkursangebots reicht von Fischkochkursen bis hin zu flotten Partysnacks. „Kulinarische Mitbringsel“, „Genuss gelöffelt - Köstliches aus der Suppenküche“, „Erdäpfelküche“, „Leicht und schlank genießen“, „Zeitgemäße Klassiker der Rindfleischküche“ oder „Wild auf Wild“, sind weitere oft gebuchte Kochseminare. Zu Ostern sind die Gebildbrot-Kurse sehr gut nachgefragt. Auch Kinder bekommen durch fünf verschiedene Kinder-Kochkurs-Themen Lust aufs Selbermachen.

Seminarbäuerinnen: eine oberösterreichische Erfindung findet großen Anklang

Die Idee zu den Seminarbäuerinnen hatten die oberösterreichische Bäuerinnenorganisation und die Landwirtschaftskammer OÖ Anfang der 1990er Jahre. Von Oberösterreich aus wurde das Konzept, Bäuerinnen zu Seminarbäuerinnen auszubilden, in ganz Österreich übernommen. Die ersten Seminarbäuerinnen, die 1993 ihre Arbeit aufnahmen, vermittelten vor allem Wissen zum Thema Käse. Mittlerweile gibt es in ganz Österreich mehrere hundert Seminarbäuerinnen, 70 aktive davon alleine in Oberösterreich.

Insgesamt wurden in diesen 20 Jahren 130 Seminarbäuerinnen in Oberösterreich in speziellen Zertifikatskursen ausgebildet. Dieser Zertifikatskurs mit Abschlusspräsentation dauert 130 Stunden und die Seminarbäuerinnen erhalten jedes Jahr Weiterbildungen für neue Kurs-themen. Seit 1993 haben in Oberösterreich über 140.000 Menschen rund 10.000 Kochseminare besucht. Der Männeranteil liegt bei neun Prozent und Umfragen belegen eine hohe Zufriedenheit der Kursteilnehmer.

Wissen um heimische Lebensmittel wird gefördert

Für die bäuerliche Landwirtschaft ist es unerlässlich, das praktische Koch- und Produktwissen zu fördern, weil dadurch die Konsumenten die regionalen und saisonalen Lebensmittel kennen und schätzen lernen. Außerdem wird durch die praktizierenden Seminarbäuerinnen ein ganz wichtiger Bezug zur heimischen Produktion hergestellt. „Uns Bäuerinnen und Bauern ist es ein großes Anliegen, unsere Qualitätsprodukte sozusagen bis in die Küchen der Konsumenten zu begleiten, vom Feld auf den Teller. Und das machen die Seminarbäuerinnen perfekt“, betont Brunner.

Heuriger Schwerpunkt: die bäuerliche Mehlspeisküche

„Das Wissen um die Zubereitung traditioneller heimischer Mehlspeisen geht mehr und mehr verloren. Dem wollen die Seminarbäuerinnen entgegenwirken und deswegen startet mit der heurigen Bildungssaison ein besonderes Kursangebot: Bauernkrapfen, Affen & Co – traditionelles Schmalzgebäck selber machen “, erläutert Brunner.

Bauernkrapfen und Co. sollen Teil des kulinarischen Weltkulturerbes werden

Die oberösterreichischen Bäuerinnen haben mit der Initiative „Freunde der österreichischen Mehlspeiskultur“ Kontakt aufgenommen, die sich um die Anerkennung der österreichischen Mehlspeisen als immaterielles Weltkulturerbe durch die UNESCO bemüht. Die heimischen Bäuerinnen wollen dort die traditionellen bäuerlichen Mehlspeisen in ihren regionalen Ausprägungen einbringen. „Die OÖ Bäuerinnenvertreterinnen und Seminarbäuerinnen sind der festen Überzeugung, dass nicht nur Kaiserschmarrn oder die Linzertorte usw. zum Weltkulturerbe erhoben werden sollen, sondern auch der Bauernkrapfen. Denn er ist eine klassische Spezialität, hat seine festverankerten Wurzeln in der bäuerlichen Küche und gehört zur oberösterreichischen Ess- und Trinkkultur wie die Knödel und Most“, ist Brunner überzeugt.
Bauernkrapfen & Co sind Markenzeichen der bäuerlichen Küche
In Schmalz gebackene Mehlspeisen gehören in der oberösterreichischen Küche zu den traditionellen Festtags- und Brauchtumsspeisen. Raunächte, Neujahrstag, Lichtmess, Sonnwendtag, Kirchtage, Ernte- und Dreschtage usw. waren „Krapfentage“.
Die regionalen Lebensmittel und die heimische Mehlspeiskultur sind den oberösterreichischen Seminarbäuerinnen ein großes Anliegen. Hier präsentieren die Seminarbäuerin Maria Stütz (r.) und die Vorsitzende des Bäuerinnenbeirats ÖR Annemarie Brunner Rosenkrapfen. © LK OÖ Die regionalen Lebensmittel und die heimische Mehlspeiskultur sind den oberösterreichischen Seminarbäuerinnen ein großes Anliegen. Hier präsentieren die Seminarbäuerin Maria Stütz (r.) und die Vorsitzende des Bäuerinnenbeirats ÖR Annemarie Brunner Rosenkrapfen. © LK OÖ

„Wir Seminarbäuerinnen arbeiten daran, dass das Wissen um diese traditionellen Mehlspeisen nicht verloren geht“, so Stütz aus St. Leonhard bei Freistadt, die seit sieben Jahren als Seminarbäuerin tätig ist. Bauernkrapfen, Polsterzipf, Schnurkrapfen, Pofesen, Affen etc. sind typische oberösterreichische Vertreter des Schmalzgebäcks. Früher wurden die jungen Frauen von ihren Müttern und Großmüttern ganz automatisch in die Kunst der bäuerlichen Mehlspeisküche eingeweiht.

„Heutzutage ist es meist so, dass alle Bauernkrapfen & Co lieben, aber diese selbst nicht mehr zubereiten können. Mit den richtigen Rezepten und dem entsprechenden Wissen ist das Selbermachen dieser Köstlichkeiten aber keine Hexerei. Wir geben in unseren Kursen viele Tipps für die Teigzubereitung, richtiges Verarbeiten und Formen, die Handhabung sowie den sicheren Umgang mit Fett“, erläutert Stütz.

Maria Stütz ist ausgebildete Einzelhandelskauffrau, die auf den Bauernhof ihres Mannes eingeheiratet hat. Auf diesem Hof saßen manchmal bis zu 15 Menschen am Mittagstisch und die jahrzehntelange Kochpraxis bringt die Milchbäuerin jetzt in die Seminarbäuerinnen-Kurse ein. Darüber hinaus hat Stütz einen großen Gemüsegarten und so manche Zutat bei ihren Kursen stammt aus ihrem eigenen Garten. 2008 besuchte sie den Zertifikatskurs im Ländlichen Fortbildungsinstitut und seit damals bildet sie sich jährlich zu verschieden Kochangeboten bzw. Schulangeboten weiter.

„Immer wieder bin ich von der Neugier der Kinder in der Volksschule begeistert, wenn sie bei der Geschmackschule rund um Gemüse durch Tasten, Hören und Schmecken rote Rüben oder lila Karotten probieren und aus Gemüsemuffeln Gemüsefans werden“, so Maria Stütz.
Ein Lieblingskurs von Maria Stütz ist der Kurs „Kulinarische Mitbringsel“: Dabei können Kräutersalz, Kürbis-Cantuccini, Eierlikör, Zwiebel-Chutney oder Lavendeltaler fix fertig nett verpackt mit nach Hause genommen werden.
Infos über das reichhaltige Kursangebot der OÖ Seminarbäuerinnen:
LFI Oberösterreich
Auf der Gugl 3, 4021 Linz
Tel.: 050/69 02-1500
E-Mail: info@lfi-ooe.at
http://ernaehrung.lfi-ooe.at

In der Broschüre „Gut leben lernen“ des Ländlichen Fortbildungsinstituts der Landwirtschaftskammer OÖ (LFI) sind die aktuellen Kochseminare der Seminarbäuerinnen in ganz Oberösterreich zu finden. Erhältlich ist diese unter der Telefonnummer: 050/6902-1500 oder im Internet unter www.lfi.at
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.