12.09.2018, 08:17 Uhr

Zittern um Vorzeige-Lehrling

Roland Cerenko mit seinem äußerst engagierten Lehrling Amir. (Foto: Pramhofer)

Hiobsbotschaft für die Firma Cerenko: Tüchtiger Lehrling Amir soll abgeschoben werden.

FREISTADT. FREISTADT. Die Wirtschaftskammer weiß aus erster Hand von den Ausbildungsbetrieben, wie dramatisch die Fachkräfte-Situation ist. „Es stellt sich die einfache Frage, ob wir es uns leisten sollten, die jugendlichen Asylwerber sinnentleert herumsitzen zu lassen, während Unternehmen händeringend Lehrlinge suchen. Bislang haben allerdings auch unsere Betriebe diese Zielgruppe weitgehend unbeachtet gelassen“, so die Kammer vor einiger Zeit in einem Statement.
Dass es sehr gut klappen kann, beweist Amir aus Bagdad. Chef Roland Cerenko vom gleichnamigen Autohaus in Freistadt ist voll des Lobes über den 23-jährigen Lehrling im Asylwerber-Status. "Ich suche verbissen nach Facharbeitern und habe mit Amir einen sehr engagierten, fleißigen und ehrgeizigen Lehrling gefunden, der aus dem Betrieb nicht mehr wegzudenken ist." Der junge Mann aus dem Irak spricht schon sehr gut Deutsch und möchte sich hier eine Existenz aufbauen. Mit drei weiteren Flüchtlingen ist er in Pregarten privat untergebracht und pendelt seit Februar mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zu seiner Arbeitsstelle nach Freistadt. Doch jetzt muss die Firma Cerenko um ihren Vorzeigelehrling zittern.
Amir gehört zu jener Gruppe tüchtiger Lehrlinge, die abgeschoben werden sollen. Er hat jetzt einen negativen Asylbescheid bekommen. In der Firma und im Bekanntenkreis ist man empört und bestürzt: "Amir ist bestens integriert und wir brauchen einfach die jungen Facharbeiter. Ich sehe absolut nicht ein, dass er jetzt abgeschoben werden soll. Wir werden alles daran setzen, dass Amir bleiben, hier seine Lehre abschließen und dann weiter bei uns arbeiten kann", sagt sein Chef Roland Cerenko.
Mit Briefen an die Landes- und Bundespolitiker will man die Situation mit Nachdruck schildern: "Im Irak hätte Amir absolut keine Zukunft. Bei uns würde er arbeiten, also dem Staat nur was bringen und nichts kosten. Das wäre für alle ein Vorteil, und ich sehe die derzeitige Vorgangsweise absolut nicht ein!"
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