Glaubenskrieg in Obersulz

Die Obersulzer Kirchengemeinde ist im Zwist mit ihrem Pfarrer.
  • Die Obersulzer Kirchengemeinde ist im Zwist mit ihrem Pfarrer.
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SULZ. Streit statt Nächstenliebe: Der Obersulzer Gemeinderat und der örtliche Pfarrer tragen ihre Konflikte bereits öffentlich aus. Weil man mit den Entscheidungen von Pfarrer Marek Zaborowski nicht einverstanden ist, wurden die Sulzer per Flugblatt, das an jeden Haushalt ging, über die Konsequenzen des Streits informiert: Nach Rücktritt einiger Gemeinderäte werden die übriggebliebenen ihre freiwilligen Tätigkeiten - Mähen der Pfarrwiese, Blumenschuck in der Kirche, Tischwäsche waschen - einstellen. Fünf Mesner stellen ihr Amt ruhend, acht Lektoren werden ihren Dienst aussetzen.

Leere Kirchennbänke

Pfarrgemeinderat Michael Fleischmann, der für den Inhalt des Flugblattes verantwortlich zeichnet, ist spürbar zornig: "Seit September haben wir den neuen Pfarrer und er zerstört systematisch die Aufbauarbeit, die wir gemeinsam mit seinen Vorgängern geleistet haben." Immer weniger Kinder wollen ministrieren, immer weniger Menschen besuchen den Gottesdienst.
Als Pfarrer Zaborowski einer Pfarrgemeinderätin mitteilte, ihre Tätigkeit als Kommunionsspenderin sei ab sofort entbehrlich, gingen die Wogen hoch. Laut Fleischmann gab es keine offizielle Begründung für den "Rauswurf", die Gerüchteküche brodelt. Man vermutet, Beschwerden vonseiten einiger wertkonservativer Katholiken aus Sulz hätten Zaborowski zu dieser Entscheidung veranlasst. Denn besagte Gemeinderätin ist geschieden. "Keiner unserer Priester hatte bisher damit ein Problem und keiner hatte auf Zurufe aus der Bevölkerung reagiert", sagt Fleischmann.

Geschiedene sind willkommen

Vikariatssekretär Kurt Dörfler kontert: "Geschiedene sind in unserer Kirche willkommen und haben alle Rechte." Weil immer weniger Leute in die Kirche kommen, brauche der Pfarrer keine Kommuniunsspender mehr so seine pragmatische Begründung. In Fleischmanns schriftliche Aussendungen ortet er "Unterstellungen mit Nähe zur Verleumdung" und "Falschaussagen".

Zur Sache

Die katholische Kirche plant aufgrund des Priestermangels flächendeckende Maßnahmen: Pfarren werden zu Verbänden mit zwei bis drei Priestern zusammengelegt. Bis Jänner 2015 haben die Pfarrgemeinden Zeit, zu überlegen, welchem Verband sie angehören wollen. Bestehende Verbände, Schulsprengel, Bezirksgrenzen und Sympathien oder Antipathien gegenüber der Nachbargemeinde - das alles soll in die Überlegung einbezogen werden. Priester werden von Einzelkämfern zu Teamplayern. Damit müssen sie sich mit ihren Kollegen arrangieren, haben aber zugleich mehrere Aufgaben wahrnehmen, nicht nur als Seelsorger sondern auch im universitären Bereich. Im Weinviertel wird es vermutlich in Zukunft mehrere "Pendlerpfarrer" geben, die unter der Woche in Wien und am Wochenende am Land arbeiten.

Ulrike Potmesil

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