Arbeitsmarkt Gänserndorf
Corona-Krise: Schulungsoffensive nimmt Fahrt auf

Die neue Gleichstellungsbeauftrage und Beraterin für Wiedereinsteigerinnen im AMS Gänserndorf Julia Valenta (im Bild rechts) mit Julia Gradinger vom Frauenberufszentrum.
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  • Die neue Gleichstellungsbeauftrage und Beraterin für Wiedereinsteigerinnen im AMS Gänserndorf Julia Valenta (im Bild rechts) mit Julia Gradinger vom Frauenberufszentrum.
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BEZIRK GÄNSERNDORF. Ende Februar waren beim AMS Gänserndorf 5.372 Personen arbeitslos vorgemerkt, um 709 oder 15,2 % mehr als Ende Februar 2020, dem letzten Monat vor der Corona-Krise. Damit stieg die Arbeitslosigkeit im Bezirk fast exakt so stark wie im Landesschnitt (NÖ: + 15,6 %).
Weitere 746 Personen standen Ende Februar in einer AMS-Qualifizierung, um 86 oder 13 % mehr als Ende Jänner. „Die Corona-Joboffensive nimmt jetzt Fahrt auf: Wir wollen insbesondere mit Personen, die in der aktuellen Krise arbeitslos geworden sind, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in zukunftsträchtigen Berufen und im betriebsnahen Bereich ausloten und in Angriff nehmen“, sagt der Gänserndorfer AMS-Chef Georg Grund-Groiss.
Gleichzeitig laufen auch die traditionellen, aber um nichts weniger aktuellen Programme auf vollen Touren. Grund-Groiss: „Ende Februar waren im Bezirk Gänserndorf zum Beispiel 398 Jugendliche in einer berufsorientierenden Maßnahme oder in der Überbetrieblichen Lehrausbildung“. Bei über 50-jährigen Arbeitslosen sind die vielen individuellen Potenziale noch nicht ausgeschöpft: Derzeit besuchen nur 62 arbeitslose Personen über 50 Jahren eine vom AMS Gänserndorf geförderte Qualifizierung.

Steigende Langzeitarbeitslosigkeit

„Eine spezielle Bitterkeit der aktuellen Arbeitsmarktkrise liegt im starken Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit“, sagt Geschäftsstellenleiter Georg Grund-Groiss. Ende Februar waren beim AMS Gänserndorf 1.530 Personen vorgemerkt, die schon länger als ein Jahr arbeitslos sind, was einen Anstieg um 62,2 % oder 587 Personen bedeutet (NÖ: + 58,1 %). Die Hälfte von ihnen, exakt 775 Personen, sind über 50 Jahre alt.
Vom Stellenmarkt kommen indes die ersten Frühlingssignale: Ende Februar waren beim AMS Gänserndorf insgesamt 723 offene Stellen gemeldet, um 80 oder 12,4 % mehr als vor einem Jahr.

Gender-Pay Gap wird kleiner, Gender-Care-Gap wieder größer

Am Internationalen Frauentag, am 8. März. richtet sich die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit wieder auf die Gleichstellungsfrage, die für das AMS eine permanente Aufgabe ist. Die Verteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit ist nach wie vor sehr ungleich, Frauen arbeiten zu 47,7 Prozent (Österreich insgesamt) in Teilzeit, nur 10,7 Prozent der Männer. Dem Einkommensbericht des Rechnungshofs zufolge ist der jährliche Bruttoverdienst der unselbständig erwerbstätigen Frauen aktuell immer noch um 36 Prozent niedriger als der der Männer. Frauen verdienen – selbst wenn sie in Vollzeit arbeiten - um 16  Prozent weniger als Männer in Vollzeit (Jahresbruttoentgelt). Damit hat sich der so genannte „Gender Pay-Gap“ nur ein wenig verkleinert (17 Prozentim Vorjahr). Die wichtigste Ursache für diese Unterschiede ist das deutlich niedrigere Gehalt in vielen frauentypischen Berufen. Die Einkommensnachteile der Frauen setzen sich bis zum Lebensende fort. Pensionistinnen haben im Durchschnitt eine um 39 Prozent niedrigere Pension als Pensionisten.

"Sorgearbeit" ist immer noch Frauensache

Durch die Corona-Krise geriet eine andere Dimension der Ungleichheit erneut in den Fokus, der so genannte „Gender-Care-Gap“. Er beschreibt die, sich aktuell wieder vergrößernde, Lücke in der Zeitverwendung von Männern und Frauen für unbezahlte Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflegearbeit. Laut OECD verrichten in Österreich in Familien mit Kinder Frauen immer noch doppelt so viel „Sorgearbeit“ wie Männer. Der Gender Care Gap ist eine weitere wesentliche Ursache für die systematische finanzielle Schlechterstellung von Frauen gegenüber Männern und ihr höheres Altersarmutsrisiko.
Das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm des AMS unterstützt in systematischer Weise Wiedereinsteigerinnen und hat einen Schwerpunkt in der Qualifizierung: Das Programm „Frauen in Handwerk und Technik“ (FIT) lief, trotz Corona, auch im Jahr 2020 erfolgreich: Über 900 Frauen in Niederösterreich haben am FIT-Programm teilgenommen (Gänserndorf: 61), 225 von ihnen eine handwerklich-technische Ausbildung mit Lehrabschluss in Angriff genommen (Gänserndorf 12).

AMS-Geschäftsstellenleiter Georg Grund-Groiss: „Die Zahlen zeigen auch, dass in dem Programm noch viel mehr Potenzial steckt, zumal zwei Drittel aller Absolventinnen innerhalb von drei Monaten in einem Dienstverhältnis stehen.“

Ein besonderes Aushängeschild der Arbeitsmarktpolitik für Frauen im Bezirk ist das „Frauenberufszentrum“ des AMS in der Hans-Kudlich-Gasse 11 in der Stadt Gänserndorf. Es bietet eine Bewerbungswerkstatt, Einzelberatungen zur beruflichen Um- und Neuorientierung sowie Beratung und Unterstützung bei individuellen und sozialen Hürden für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Die neue Gleichstellungsbeauftrage und Beraterin für Wiedereinsteigerinnen im AMS Gänserndorf Julia Valenta (im Bild rechts) mit Julia Gradinger vom Frauenberufszentrum.
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