04.09.2014, 14:52 Uhr

Auf Trockenheit folgte der große Regen: für Vegetation zu spät

BEZIRK. Was war denn das für ein Sommer bitte? Wehklagen wie diese, hört man nicht nur von den Freibadbetreibern. Dem verregneten Sommer ging eine extrme Trockenheit voraus.
Da war einmal das letzte Winterhalbjahr (Okt 2013 – März 2014), in dem es in sechs Monaten gerade einmal knapp über 120mm Niederschlag im Marchfeld gegeben hat. Der langjährige Durchschnitt sind in diesem Zeitraum rund 200mm). Dieser Mangel an Winter- und Frühjahrsniederschlägen hat zu derart trockenen Böden geführt, dass heuer sogar schon im April die Bewässerungsanlagen aktiviert werden mussten, um ein Aufkommen der landwirtschaftlichen Kulturen zu ermöglichen.

Wasser und Dürre

Im Gegensatz dazu sind dann allein im Monat Mai über 100mm Niederschlag gefallen. Das langjährige Mittel liegt hier bei 58mm.
Im Juni hat es dann 29 Tage lang nicht geregnet. Eine derart lange Dürreperiode ist schon sehr selten. Die Bewässerungsanlagen haben in dieser Zeit die landwirtschaftlichen Kulturen vor dem Verdorren gerettet.
Der Juli war einigermaßen „normal“, vielleicht ein bisschen regenreicher als im langjährigen Mittel.

Dann kam der Regen

Und dann ist der August gekommen. Der Monatsniederschlag in Deutsch-Wagram lag heuer bei 120mm: das Doppelte des Durchschnittswerts. "So große Niederschlagsmengen treten im August nur alle 15 bis 20 Jahre auf", meint Wolfgang Neubauer, Geschäftsführer der Marchfeldkanal Betriebsgesellschaft. Auch die Anzahl der Regentage ist heuer mit 15 für den Monat August beträchtlich – und lässt nicht gerade Urlaubgefühle oder Ferienstimmungen aufkommen.

Extremereignisse

Dazu hat es eine große Dichte von Extremereignissen mit lokal sehr hohen Niederschlägen gegeben, die immer wieder kleinräumig zu Ausuferungen und Kellerflutungen geführt haben. Dazu kommt noch, dass selbst der Grundwasserspiegel heuer im August (zumindest leicht) angestiegen ist. Dieser Fall ist im Sommer sehr selten, da normalerweise die Verdunstung bzw. die Aufnahme des Bodenwassers durch die Vegetationsdecke in dieser Zeit so groß ist, dass kein Wasser in den Boden eindringt und bis zum Grundwasserhorizont versickern kann. (Das Grundwasserniveau liegt zur Zeit etwa im Bereich des langjährigen Mittelwertes).

Alles im Lot

Im Übrigen liegen wir jetzt mit der Niederschlagssumme seit Jänner bereits bei 493mm, das sind 130mm mehr als im langjährigen Schnitt – und das nach den extrem niederschlagsarmen Wintermonaten.
Bis jetzt liegen mit dem Witterungsverlauf des heurigen Jahres Verhältnisse vor, die relativ gut den „Prognosen des Klimawandels“ entsprechen: abnehmende Winterniederschläge, zunehmende Sommerniederschläge und Zunahme der Extremwetterereignisse. "Es wäre aber gewagt, aus dieser Beobachtung dieses Jahres jetzt gleich vieles zu interpretieren, warnt Neubauer vor Panikmache.
Jedenfalls hat das Jahr für Abwechslung gesorgt: eine Dürreperiode wie selten zuvor, eine sehr hohe Dichte an lokalen Extremniederschlägen und periodisch überdurchschnittliche Regenmengen.
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