06.10.2014, 17:37 Uhr

Ein Job mit Bomben und Granaten

(Foto: privat)
HOHENAU. Wenn Straßen, U-Bahnen oder Büros gebaut werden, ist die Firma Bartosch zuerst da, noch bevor die Bagger anfahren. "Munitionsbergung Bartosch, eigentlich ein irreführender Firmenname. Wir bergen nicht, sondern wir orten und legen frei", erklärt Firmenchef Peter Bartosch aus Hohenau.
Werden öffentliche Bauten errichtet, muss der Bereich auf explosives Material, nämlich Kriegsrelikte untersucht werden. "Wir haben zum Beispiel die U-Bahn-Trassen und den Südteil der A5, das waren drei Millionen Quadratmeter, überprüft", sagt Bartosch.
Mittels Magnetometer und sogenannten "Förstersonden" wird die Oberfläche sondiert und die gesamte Fläche in parallelen Spuren abgegangen. Dabei werden Abweichungen des Erdmagnetfelds gemessen und per Computer berechnet.
Anhand der Computergrafik kann Bartosch entscheiden, ob und wo man graben muss. "Auf der A5 Trasse haben wir 320 Relikte gefunden, relativ wenig", meint der Ortungsexperte. An anderen Orten wird tonnenweise Material gefunden. Bomben, Granaten und anderes Kriegsrelikt wird vom Entminungsdienst geborgen. "Aber wir finden die seltsamsten Dinge", weiß Bartosch. Ein Moped aus den 60er-Jahren, ein VW-Käfer, 150 Kennzeichen, Stahlhelme, Geschirr und Eisenbahn-Waggons.
Doch nicht nur Metall kann geortet werden. Die Firma Bartosch war auch bei Kriminalfällen wie Kampusch in Strasshof und Fritzl in Amstetten im Einsatz. Mit den Sonden können Veränderungen im Boden registriert werden. Bartosch: "Wenn ein Schacht gegraben oder eine Leitung verlegt worden ist, sieht man das auf der Computergrafik noch Jahre später."
Im Falle Kampusch hatte die Polizei nach einem zweiten Kellerschacht und nach Versorgungsleitungen gesucht, im Fall Fritzl wollte man dem Verdacht nachgehen, der Täter hätte eine Babyleiche im Garten vergraben. In beiden Fällen war man nicht fündig geworden.

Zur Sache
In Österreich wurden im Zweiten Weltkrieg 120.000 Tonnen, also ca. 500.000 Bomben abgeworfen. Man geht davon aus, dass zehn Prozent davon Blindgänger waren, die nicht exlodiert sind, ein Teil davon wurde unmittelbar nach den Angriffen entschärft, doch längst nicht alles. In einigen Regionen, vor allem im Boden der Städte Graz, Wiener Neustadt, Villach, Linz oder Wien, liegen noch Tonnen von Kriegsmaterial.
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