07.10.2014, 00:00 Uhr

Flucht von Syrien bis Gänserndorf

Flüchtlingshelfer: Laurell Denk, Nazmiye Tünay und Tugba. Laurells Gedanken zu dem Vorfall finden Sie auch unter www.idenk.at.
BEZIRK (up). Zivilcourage und Menschlichkeit bewiesen zwei Schüler. Die beiden halfen einer Syrerin, die - auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat - am Gänserndorfer Bahnhof gestrandet war. "Ich war mit meiner Schulkollegin Nazmiye am Heimweg von der Schule. Am Bahnhof hat sich uns eine weinende Frau genähert", erzählt der Deutsch-Wagramer Handelsschüler Laurell Denk. Die beiden Jugendlichen baten die Polizei um Hilfe, weil die Frau nur arabisch sprach und sich die jungen Leute nicht mit ihr verständigen konnten.
Von der Polizei kam aber keine Unterstützung: Der stellvertretende Polizeichef Eduard Macho bedauert das Missverständnis. "Dass es sich um einen Flüchtling handelt, kam beim dem Telefonat nicht zur Sprache."

Verirrt und verzweifelt
Das wussten die beiden Schüler zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht. Doch inzwischen war die Tante des Mädchens, die ein wenig arabisch spricht, am Bahnhof eingetroffen. Es stellte sich heraus, dass die Frau, ein syrischer Flüchtling, sich verirrt hatte. "Wir nahmen die Frau in unsere Obhut und brachten sie zum Flüchtlingslager Traiskirchen", erzählt Laurell. Dort wurde sie dann allerdings mit Hinweis auf die Uhrzeit abgewiesen: Sie solle bei der Cariats übernachten und am nächsten Tag wiederkommen. "Die Frau war völlig verängstigt, verstand nicht, welche Funktion die Caritas hat. Die haben in Traiskirchen auch keine Begleitperson für sie gehabt und sind davon ausgegangen, dass wir die Frau zur Caritas bringen", Laurell ist enttäuscht über das Desinteresse der Behörde. "Dabei hat diese Frau alles in ihrem Leben verloren, was ihr wichtig war", zeigt der Schüler Empathie.

So können Sie helfen
In Gänserndorf engagiert sich Josef Radinger privat für Flüchtlingshilfe. Der pensionierte Sozialarbeiter hat unter anderem eine Wohnung gekauft, die er an junge Flüchtlinge vermietet. Und er hat einen Jugendlichen aus Afghanistan in seinen Familienalltag integriert und unterrichtet ihn. "Wer auf die Flüchtlinge zugeht und sie kennenlernt, verliert die Angst vor den Fremden." Hilfe kann jeder leisten, sei es, den Jugendlichen Deutschunterricht zu geben, sei es, eine Wohnung zu vermieten. Zu Mietverträgen und Fragen zur Flüchtlingshilfe gibt die Caritas Auskunft.
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