19.09.2014, 14:00 Uhr

Literatur aus Spannberg (2) Die Mundartdichterin Anna Marschall

Das Kraut ist ein Gemüse, das die Spannberger wohl für alle Zeiten begleiten wird. Anna Marschall fasste diese Begebenheit in einem Mundartgedicht zusammen.
Spannberg: . | Anna Marschall (1919-2012): Die Krautscheißer


In Spannberg do is amol wos passiert,
des hot den domoligen Pforra ganz sakrisch g’stiert,
beim Pfarrhof wor a Gart’n und den hot der Herr Pforra meist söwa bebaut,
am besten is eam ollaweu grot’n des Kraut.

Des hot amol a Witzvogl entdeckt,
der hot si bei dem Krautgort’n dort versteckt
und wia eam neam g’sehn hot, do hot er wos gmocht,
wos den Spannbergern hot eanan Spitznoma einbrocht.

Er hot bei an Kraut mitt’n des Happerl aussagschnitt’n
Und hot in die leere Gug’n dann einig……n eh wissen
Und wia da Pforra des hot erfohr’n
Do is er orndlich krawuttisch worn.

Auf die Kanzl is er auffi, er wor nit zum daholt’n
Und hot von do owa a softige Predigt g’holtn:
Ihr Spannberger, ihr Krautscheisser so tuat er schrein
Eng werden die Schandtaten schon no vergeh’n.

In Himmel wollt’s ihr kemma,
des wird wohl nit passier’n
eng wird der Teuf’l
in der Höll’ massakrier’n!

Und so hot er owag’wettert von dera Kanzl no a schöne Weil,
bei der Tür hint’ is g’standen a Mann und sei Wei'
und wia da Pforra gschrian hot, werfen könnt ich nach ihm,
hot sie glaubt, dass er wirkli mit wos wirft,
hot’s umigwispelt: Michl duck di, er wirft!


Anna Marschall wurde am 22. September 1919 geboren und lebte in Spannberg. Sie hatte immer ein waches Auge auf das Dorfleben und nahm heitere Begebenheiten zum Anlass, um diese in Gedichtform im Weinviertler Dialekt der Nachwelt zu erhalten. Sie verstarb am 17. Jänner 2012 und fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Spannberg.
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