22.06.2017, 15:41 Uhr

Nitrat im Grundwasser: Projekt sucht Lösungen

Neben der Düngermenge ist auch die Art der Bewirtschaftung und der Pflanzenbestand entscheident für den Nitrat-Gehalt im Grundwasser. (Foto: Ulrike Potmesil)

Im Marchfeld sollen Sickerwasser-Messungen Antworten für eine verbesserte Ackerbewirtschaftung geben.

Das Marchfeld hat ein Nitrat-Problem – in diesem Punkt sind sich Umweltschützer wie Bauernvertreter einig. Und es ist allerhöchste Zeit, daran etwas zu ändern. Bis zum Jahr 2027 fordert der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan und die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, dass das Grundwasser im Marchfeld einen „guten Zustand“ aufzuweisen hat. Im Auftrag des Ministerium für ein lebenswertes Österreich (BMLFUW), des Amts der NÖ Landesregierung und der NÖ Landeslandwirtschaftskammer wird seit dem Jahr 2015 zu diesem Zweck im Marchfeld das von sechs Ackerstandorten versickernde Wasser mittels sogenannter Bodenwasserhaushaltsmessstellen gemessen.

Bewirtschaftung testen

Die Ackerflächen wurden so ausgewählt, dass ein repräsentativer Querschnitt über die Bewirtschaftungsweisen im Marchfeld möglich ist. Bis 2019 wird durchgehend der Wassergehalt bis knapp unterhalb des Wurzelbereichs und der Nitratgehalt des Sickerwassers in zwei Tiefen bestimmt. Ziel ist es, verschiedene Bewirtschaftungsweisen – also Düngung, Bodenbearbeitung oder Pflanzenbestand – auf ihre Nitratauswaschung zu testen.
„Wir haben Standorte, da haben wir bis jetzt noch kein Sickerwasser. Das heißt, in den letzten zwei Jahren hat hier keine Grundwasserneubildung stattgefunden“, sagt Projektleiter Peter Strauß vom Bundesamt für Wasserwirtschaft. Das liegt nicht nur an den unterschiedlich tiefgründigen Böden, auch die geringen Niederschläge in der Region sorgen dafür, dass wenig Wasser im Grundwasser ankommt. Und wenn, dann eben mit einer oft hohen Nitrat-Konzentration.

Nicht nur Düngung reduzieren

„Unserer Meinung nach ist es zu kurz gegriffen, zu sagen, wir haben im Marchfeld überhöhte Nitratgehalte und die einzige Lösung ist, die Düngung zu reduzieren“, sagt Ferdinand Lembacher, Pflanzenbaudirektor der NÖ Landwirtschaftskammer.
Dass bislang gesetzte Maßnahmen – wie etwa im Rahmen des Aktionsprogramms Nitrat oder im Agrarumweltprogramm ÖPUL – keine Verbesserung für das eigentliche Trinkwasser der Marchfelder brachten, wird im letzten Nitratbericht des BMLFUW ersichtlich: Zwischen 2011 und 2015 stieg der Nitratgehalt an vielen Messstellen sogar stark an. Lediglich im nördlichen Marchfeld scheinen die Nitratkonzentrationen zumindest stabil zu bleiben, ja sogar abgenommen zu haben.
Paradox, da gerade hier das Grundwasser vergleichsweise alt ist, also von den bislang getroffenen Maßnahmen nicht profitieren konnte. Das restliche Marchfeld weist unterschiedliche Grundwasseralter auf: Knapp ein Viertel ist 26 bis 50 Jahre und mehr als ein Drittel zwischen 11 und 25 Jahre alt.
Dass die verbesserten Maßnahmen, die aufgrund der Erkenntnisse des Projekts in Zukunft von den Landwirten umgesetzt werden sollen, auch bis 2027 greifen, bleibt also ungewiss, aber zu hoffen. Auch nehmen 72 Prozent der Marchfelder Landwirte an der ÖPUL-Maßnahme „Vorbeugender Grundwasserschutz" teil. Lembacher ist zuversichtlich.


Wissen: Nitrat im Grundwasser

Der aktuelle Schwellenwert für Nitrat im Trinkwasser liegt gemäß österreichischer Trinkwasserverordnung bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Laut Nitratbericht aus dem Jahr 2016 wurden an mehr als 50 Prozent der Grundwassermessstellen im Marchfeld höhere Werte gemessen. Vor allem Menschen mit Darmkrankheiten und Säuglinge sollen dieses Wasser nicht trinken, da im Verdauungstrakt das Nitrat in das gesundheitsschädliche Nitrit umgewandelt werden kann.
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