21.10.2014, 08:52 Uhr

Am Ende der Versorgungskette

Das Medizinische Zentrum Gänserndorf: die Dependance des Mistelbacher Spitals ist eine Krankenhaus-Sparvariante.
Der Bezirk Gänserndorf gehört zu den Schlusslichtern NÖs, wenn es um medizinische Versorgung geht.
BEZIRK. BEZIRK. 20 Landeskliniken gibt es in den 21 Bezirken Niederösterreichs, der Bezirk Gänserndorf beherbergt kein Spital - und das, obwohl hier knapp 100.000 Menschen leben. Was bedeutet, dass alle, die medizinische stationäre Versorgung brauchen, in einen anderen Bezirk fahren müssen, meist nach Mistelbach, Hainburg oder Wien.
Nicht nur die räumliche Distanz per se ist ein Problem, die Grüne Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger verweist auf ein weiteres Manko: "Die öffentliche Anbindung unseres Medizinischen Zentrums und des Krankenhauses Mistelbach ist mehr als bescheiden, um nicht zu sagen katastrophal. Von Landesseite geht man offenbar davon aus, dass alle Patienten und Besucher nur mit dem Auto zum Krankenhaus fahren möchten."
Damit sind Tausende jährlich gezwungen mit dem Auto, oft unter Schmerzen, ins Spital zu fahren. Enzinger fordert ein Gesamtverkehrskonzept für alle Landeskliniken.
Die Abgeordnete führt ein weiteres Argument für eine vollwertige Klinik an: Spitäler sind bedeutende Wirtschaftsfaktoren. Die Landeskliniken-Holding beschäftigt rund 19.900 Mitarbeiter, 3,4 Millionen Patienten werden jährlich versorgt. Enzinger legt den aktuellen Landeskliniken-Bericht vor: Von den 19.900 Mitarbeitern arbeiten 37(!) in unserem Bezirk Gänserndorf. Fünf Ärzte, 21 aus dem Bereich Pflege, sieben aus der Sparte Wirtschaft und vier aus anderen Sparten.
Die Daten zeigen: Alle Gänserndorfer, die einen medizinischen Beruf oder eine soziale Ausbildung erlernen wollen, müssen in einen anderen Bezirk zur Ausbildungsstätte fahren. Damit gehen Know-How und Wertschöpfung im Bezirk Gänserndorf verloren.
ÖVP-Abgeordneter René Lobner bestätigt: "Wirtschaftsfaktor und schlechte Anbindung sind nicht abzusprechen." Wunsch und Wirklichkeit driften aber nicht auseinander. "Wir werden in absehbarer Zeit kein vollwertiges Spital bekommen." Auf jeden Fall werde aber das Leistungsspektrum des Medizinischen Zentrums ausgebaut. Seit zwei Jahren werden hier Katarakt-Operationen durchgeführt, Erweiterungen sind in Planung.
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