23.11.2016, 15:15 Uhr

Geburtsstunde einer neuen Bank

GÄNSERNDORF. Mit den 98 Prozent Zustimmung hatte Hartwig Trunner nicht gerechnet. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Marchfeld legte, den am 11. November mit der Volksbankengruppe geschlossenen gerichtlichen Vergleich, der Generalversammlung in Gänserndorf vor. Die Frage, die es von den Genossenschaftseigentümern zu entscheiden galt: Wollen wir mit der Volksbank Wien fusionieren oder löst sich die Volksbank Marchfeld aus dem Verbund und wird zu einer verbundfreien eigenständigen Bank. Von den 7082 Mitglieder waren 179 Mitglieder anwesend, 380 erteilten ihre Vollmacht.

Langer Weg

2012 legte die Volksbankengruppe ihren Gensossenschaftsbanken einen neuen Verbundvertrag vor. Der Staat Österreich griff dem in Schieflage geratenen Volksbankenverbund unter die Arme, dieser teilte die Last unter allen Genossenschaftsbanken auf.
Als die Volksbanken AG bei einem Stresstest 2014 durchfällt, geht der Volksbankenverbund einen neuen Weg: Jede einzelne Genossenschaftsbank soll einen neuen Zusammenarbeitsvertrag plus Fusionskarte beschließen. Gänserndorf stimmte zwar der Zusammenarbeit, nicht aber der Fusion mit Wien zu. Und damit begann der lange Weg, der nun mit dem Ausstieg aus dem Volksbankenverbund endete. Ein Präzedenzfall wurde bereits in Osttirol mit der Dolomitenbank geschaffen.

Marchfelder Bank

In der dritten Genossenschaftsversammlung zu diesem Thema kam die endgültige Abstimmung. Mit der "Stand-alone-Lösung" wird die Volksbank Marchfeld samt ihren zehn Filialen Gänserndorf, Marchegg-Stadt, Marchegg-Bahnhof, Strasshof, Leopoldsdorf, Groß-Enzersdorf, Oberweiden, Angern, Lassee, Orth und Essling zu einer eigenständig regional agierenden Bank, herausgelöst aus dem Verbund. "Wir verfügen über sehr komfortable Eigenmittel", beteuerte Vorstand Erich Fellner. Mit einer 12,5 Prozent Gesamtkapitakquote liegt die Marchfelder Bank eG weit über den geforderten 8,625 Prozent Mindestbedarf.

Abenteuer Verbundfreiheit

Auch die Belegschaft atmet auf. Der Druck auf das Management und die Ungewissheit, wie es weitergehen wird, belastete das Klima in den vergangenen sechs Monaten. Mit Roland Grabner und Marcheggs Bürgermeister Gernot Haupt verstärkt sich der Aufsichtsrat um zwei neue Mitglieder.
Direktor Trunner blickt zuversichtlich in das Abenteuer Verbundfreiheit: "Halten Sie uns weiterhin die Treue, dann kann nichts passieren."
Karina Seidl

Zur Vorgeschichte

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