AstraZeneca-Impfstoff
Fünf Impfmythen im Faktencheck

Impfexperte Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer.
  • Impfexperte Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer.
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  • hochgeladen von Katrin Pilz

Der Impfstoff von AstraZeneca hat ein schlechtes Image, viele lehnen die Impfung damit ab - was ist dran an der Kritik?

GMÜND. Die Wirkung sei schlecht, die Nebenwirkungen oft stark – viele Menschen trauen dem Impfstoff von AstraZeneca nicht. Auf Bezirksblätter-Nachfrage beim Landesklinikum Gmünd klärt Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Mitglied des nationalen Impfgremiums und Impfexperte der NÖ Landesgesundheitsagentur, über gängige Impfmythen zu AstraZeneca auf.

Mythos 1: Der Impfstoff wurde nicht ausreichend getestet

KARL ZWIAUER: "Der Impfstoff von AstraZeneca ist sehr sicher, wie die Zulassungsstudien und auch die bisherigen Erfahrungen mit Millionen von verimpften Impfdosen ganz klar gezeigt haben. Das wissen wir auch aus den Sicherheitsdaten von Großbritannien, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft wurde.

Die Durchführung der Zulassungsstudien, die im Normalfall im Zuge der Zulassung eines Impfstoffes oder Arzneimittels nacheinander durchgeführt werden, erfolgten parallel. Dadurch war es möglich, schneller entsprechende Daten zur Sicherheit und zur Wirksamkeit zu gewinnen. Durch die parallele Abwicklung der wichtigen und arbeits- bzw. zeitintensiven Schritte konnte Zeit gewonnen werden. Es ist wichtig zu betonen, dass dies jedoch nicht bedeutet, dass nicht sorgfältig gearbeitet wurde. Während der Entwicklung der Impfstoffe wurden sogenannte 'rolling reviews' gemacht. Das bedeutet, es gab begleitende Begutachtungsverfahren.

Die EMA (European Medicines Agency) wurde kontinuierlich über den Stand der Entwicklung informiert und konnte die möglichen Impfstoffe parallel prüfen, kontrollieren und bewerten. Die Prüfung und Bewertung auf erforderliche Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit war in jedem Schritt der Entwicklung gegeben. Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der zugelassenen Impfstoffe sind daher nicht berechtigt."

Mythos 2: Astrazeneca ist ein zweitklassiger Impfstoff, es handelt sich um B-Ware

"Auf Basis der vorhandenen Daten kann man sagen, dass der Impfstoff sehr wirksam ist - auch viel wirksamer als die WHO das für einen Corona-Impfstoff fordert. Man kann davon ausgehen, dass man keine schwere Covid-Erkrankung bekommt, wenn man mit dem Adenovirus-Vektorimpfstoff geimpft ist.

Bei den Adenovirus-Impfstoffen wurde auch untersucht, wie hoch die Trägerrate ist. Auch hier sieht es so aus - und die Daten werden in den nächsten Wochen erwartet - dass es sowohl zu einer Verminderung der Trägerrate kommt und zu einer Verkürzung der Zeit, in der das Virus ausgeschieden wird. Das heißt, dass man wahrscheinlich mit dem Adenovirus geimpft, weniger oft das Virus und wenn, dann weniger lang das Virus übertragen kann."

Mythos 3: Die Impfung mit Astrazeneca führt zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen und Unfruchtbarkeit

"Hier ist es wichtig, zwischen Impfreaktion und Nebenwirkung zu unterscheiden. Oft wird von Nebenwirkungen gesprochen, es handelt sich jedoch um Impfreaktionen: Impfreaktionen sind Zeichen des Organismus, dass er sich mit dem Erreger/dem Impfstoff auseinandersetzt. Es sind Reaktionen, die wir kennen und die wir erwarten können. Im Gegensatz dazu sind Nebenwirkungen über das normale Maß hinausgehende, gravierende, schwere Reaktionen, wie Krankenhausaufenthalte oder Krankheitssymptome und solche, die nicht aus den Zulassungsstudien bekannt sind und nicht in der Fachinformation enthalten sind.

Bei allen Impfungen erfolgen kontinuierliche Kontrollen auch nach der Marktzulassung zur Erfassung von möglichen Nebenwirkungen bzw. Langzeitfolgen. Die Überprüfung der Wirkung und laufende weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses ist vorgegeben und wird auch anhand neu eingehender Daten weiter beobachtet und untersucht.

Langzeitfolgen können generell nicht ganz ausgeschlossen werden. Dies ist jedoch bei allen Impfstoffen so. Aber man weiß, dass fast alle schweren Nebenwirkungen innerhalb von zwei bis maximal drei Monaten auftreten. Da die derzeit am Markt befindlichen Impfstoffe bereits länger getestet werden bzw. zur Anwendung kommen, gibt es aktuell auch keinen Hinweis auf diese.

Impfreaktionen bei einer Impfung mit AstraZeneca dauern meist ein bis zwei Tage. Es handelt sich dabei um Lokalreaktionen im Sinne von Schmerzen an der Einstichstelle. Von den Allgemeinsymptomen sind es insbesondere Müdigkeit, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit, aber auch Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Knochenschmerzen, gelegentlich auch Erbrechen.

Die Impfungen führen nicht zur Unfruchtbarkeit. Diese Behauptungen beruhen auf Halbwahrheiten. Es ist so, dass Syncytin ein wichtiges Eiweiß ist, das für den Aufbau der Plazenta von essentieller Bedeutung ist. Die Behauptung, dass durch die Impfung Antikörper gegen das Protein Syncytin hervorgerufen werden ist schlichtweg falsch. Eine Ähnlichkeit zwischen Syncytin und mit Antikörpern ist zwar gegeben, aber zum Beispiel viel geringer als die Ähnlichkeit mit Hämoglobin, dem Blutfarbstoff, und dem Antikörper. Abgesehen davon: wenn tatsächlich Antikörper aus der Impfung unfruchtbar machen könnten, dann wäre das auch bei einer Infektion mit dem Virus der Fall. Es gibt nicht den geringsten Hinweis, dass eine Covid-Erkrankung zur Unfruchtbarkeit führt."

Mythos 4: Die Impfung schützt nicht vor neuen Mutationen des Coronavirus

"Virusmutationen beim SARS-CoV-2 Virus sind völlig normal, bisher gibt es schon über 3.800 unterschiedliche. Wenige davon sind bezüglich der Wirksamkeit der COVID-19 Impfungen von besonderem Interesse. Derzeit kann noch nicht sicher abgeschätzt werden, wie gut die Wirksamkeit tatsächlich ist, so wie die Datenlage derzeit aber ist, schützt die AstraZeneca-Impfung aber sehr gut vor schweren Infektionen."

Mythos 6: Der Impfstoff verändert die DNA

"Die Sorge, dass entweder der mRNA-Impfstoff oder der Vektorimpfstoff in irgendeiner Weise unser genetisches Gut beeinflussen können, ist absolut unbegründet. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das menschliche Genom, also die genetische Information, in irgendeiner Weise beeinträchtigt, verändert oder geschädigt werden würde."

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