Wildunfälle
Gmünds Jäger "machen blau"

Jäger Hubert Wenny, Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, Vizebürgermeister Hubert Hauer, Jäger 
Reinhard Czuchal, Martin Pichler, Leiter der Straßenmeisterei Schrems und Stadtpolizist René Schreiber.
  • Jäger Hubert Wenny, Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, Vizebürgermeister Hubert Hauer, Jäger
    Reinhard Czuchal, Martin Pichler, Leiter der Straßenmeisterei Schrems und Stadtpolizist René Schreiber.
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Alle 18 Minuten kommt es in Niederösterreich zu einem Wildunfall. Im Jagdgebiet Gmünd sollen nun 190 blaue Reflektoren Abhilfe schaffen.

GMÜND. Alleine im Genossenschaftsjagdgebiet Gmünd wurden 2017 17 Rehe durch Verkehrsunfälle getötet, 2018 waren es sogar noch um zehn mehr. Heuer sind wir schon bei 15. Und das, obwohl die Zeitumstellung, die den Herbst durch die frühere Dämmerung zur Hochsaison für Wildunfälle macht, noch gar nicht erfolgt ist. "Wir zählen zu den Spitzenreitern im Bezirk. Die Dunkelziffer ist vielleicht nochmal so hoch. Wir müssen etwas tun", steht für die Jagdpächter Reinhard Czuchal und Hubert Wenny fest. Daher haben sie in ihrem Gebiet rund um Gmünd im Zuge eines Projekts der BOKU und mit Unterstützung der Straßenmeisterei Schrems 190 Wildreflektoren montiert. Um die 3.000 Euro haben die blauen Warner der Swarovski-Tochter Swareflex gekostet. Ein Drittel entfällt auf die Jägerschaft, zwei Drittel finanzieren BOKU und Land.

Meldung erspart Tieren Qualen

In welchem Ausmaß die Reflektoren die Tiere von den Straßen fernhalten, wird sich erst zeigen. "Jedes Stück weniger, das es durch Unfälle mit Kfz zu beklagen gibt, ist eine Bereicherung", so Czuchal, laut ihm haben Jäger dem Wild gegenüber eine Verantwortung. Melden Verkehrsteilnehmer einen Unfall mit einem Wildtier nicht, was übrigens strafbar ist, kann diese nicht erfüllt werden. Verletzte Tiere laufen meist noch weg und müssen dann qualvoll sterben. Erfährt der Jagdaufseher davon, "ist er verpflichtet, dass er geht und sich umschaut", erklärt Bezirksjägermeister Ernst Strasser. Angefahrenes Wild darf außerdem nicht mitgenommen werden – auch nicht zum Tierarzt.

"Sollte mehr gemacht werden"

Natürlich entsteht durch Wildunfälle auch ein finanzieller Schaden, denn Jäger dürfen totgefahrene Tiere nicht mehr weitergeben. Der reine Fleischpreis liegt bei einem Reh bei 3,50 Euro pro Kilo. "Ein guter Bock hat aber natürlich einen ganz anderen Wert, genauso wie eine Geiß mit zwei Kitzen in ihr", so Strasser. Er spricht sich für einen flächendeckenden Einsatz von Wildwarnern aus. "Ich bin fest der Meinung, dass wesentlich mehr gemacht werden sollte." Die Jägerschaft sei dafür allerdings auf eine Aufstockung der Fördergelder angewiesen. Froh ist Strasser daher, dass nach dem aktuellen Projekt im Raum Gmünd auch eine weitere Häufungsstrecke des Bezirks mit Wildwarnern ausgestattet wird: Nach Abschluss der Baustelle auf der B 41 zwischen Schrems und Hoheneich soll hier ein optisches und akustisches System zum Einsatz kommen.

Richtiges Verhalten bei einem Unfall

Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit kommt es in Niederösterreich etwa alle 18 Minuten zu einem Unfall mit einem Wildtier. 140 Personen haben sich 2018 in NÖ dabei verletzt, zwei Niederösterreicher sind sogar gestorben.
Die effektivste Maßnahme, um einem Wildunfall vorzubeugen, ist die entsprechende Anpassung der Fahrgeschwindigkeit in Wildwechselzonen. Wenn tatsächlich ein Wildtier in Fahrbahnnähe auftaucht, sollte zunächst gebremst und anschließend abgeblendet sowie mehrmals gehupt werden.
Ist ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidlich, so muss stark gebremst und das Lenkrad gut festgehalten werden. Wenn der Fahrer richtig reagiert, ist die Verletzungsgefahr für die Autoinsassen geringer. Ein Ausweichmanöver ist nicht zu empfehlen, denn ein solches ist weitaus riskanter als ein Zusammenstoß mit dem Tier. Nach dem Unfall muss die Gefahrenstelle unverzüglich abgesichert und die Exekutive verständigt werden.

Wenn aus Hirschen Elefanten werden

„Die bei einem Wildunfall wirkenden Kräfte sind enorm: Die Wucht mit der ein Rothirsch bereits bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h auf eine Windschutzscheibe prallt, entspricht in etwa der Masse eines ausgewachsenen Elefanten – fünf Tonnen“, erklärt Othmar Thann, Direktor des KFV. Besonders riskant für einen Wildunfall sind die Dämmerung sowie die Nachtstunden: In der Zeit zwischen 18 und 6 Uhr ereignen sich besonders viele Wildunfälle.

Zur Sache

Durch die Verkehrszunahme und überhöhte Geschwindigkeiten werden immer mehr Tiere auf den Straßen getötet: Während es im Bezirk Gmünd 2016 590 tote Rehe durch Unfälle gab, waren es 2017 schon 640 und im Jahr 2018 770. Im Vorjahr wurden im Bezirk außerdem 192 Feldhasen, 108 Füchse und 48 Dachse im Verkehr getötet.

Autor:

Bettina Talkner aus Gmünd

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