Bezirk Gmünd
Harte Zeiten für unsere Bauern

Biobauer Markus Wandl aus Oberlainsitz in der Gemeinde St. Martin hat sich auf die Kalbinnenaufzucht spezialisiert.
  • Biobauer Markus Wandl aus Oberlainsitz in der Gemeinde St. Martin hat sich auf die Kalbinnenaufzucht spezialisiert.
  • hochgeladen von Bettina Talkner

Bauernbund will Konsumenten mit neuer Kampagne "Bauern schauen sorgenvoll in die Zukunft" zum Umdenken bewegen.

BEZIRK GMÜND. 1.732 Bauernhöfe hat es im Bezirk Gmünd im Jahr 2000 gegeben. Heute zählen wir 1.001. Gut ein Drittel der Betriebe hat in nicht einmal 20 Jahren zugesperrt. Und aktuell sieht es nicht danach aus, als würde sich dieser Trend ändern. Denn nach dem Krisenjahr 2018 sind viele unserer bäuerlichen Familienbetriebe in ihrer Existenz bedroht. Der NÖ Bauernbund startet daher die Kampagne "Bauern schauen sorgenvoll in die Zukunft."

Bauern haben "doppelt zu kämpfen"

Die Trockenheit des vergangenen Jahres hat zu einem historischen Borkenkäferbefall und zu massiven Einbußen auf Wiesen und Feldern geführt. "Der Landwirt ist der erste, der den Klimawandel zu spüren bekommt. Alle anderen freuen sich, dass sie den Pool besser ausnutzen können", seufzt Bauernkammerobmann Markus Wandl und ergänzt: "Wenn sich die Durchschnittstemperaturen erhöhen, bräuchten wir natürlich viel mehr Niederschlag. Aber das Gegenteil ist der Fall. Darum hat die Landwirtschaft gleich doppelt zu kämpfen."

Rückgrat des ländlichen Raums

Ein Bauernhof sichert im Schnitt drei Arbeitsplätze, vom Landmaschinenmechaniker über Angestellte im Lebensmitteleinzelhandel bis hin zum Holzarbeiter. Wandl verdeutlicht den Ernst der Lage: „130.000 Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereichen hängen in Niederösterreich an der Land- und Forstwirtschaft." Neben der Aufrechterhaltung regionaler Wirtschaftskreisläufe sorgen Bauern auch für gepflegte Kulturlandschaften.

Region macht Qualität zur Stärke

In Teilen des Bezirks schließt die Beschaffenheit der Böden Top-Erträge aus. Um nicht in direkter Konkurrenz mit großen konventionellen Betrieben zu stehen, haben 42 Prozent aller Gmünder Betriebe daher bereits auf Bio umgestellt. Mit diesem Anteil sind wir Spitzenreiter in Niederösterreich. Doch egal ob Bio oder nicht, die kleinstrukturierte Landwirtschaft in Österreich hat am Weltmarkt einen massiven Wettbewerbsnachteil. Kommen dann noch Schäden hinzu, werden Ausgleichszahlungen unabdingbar. "Dafür braucht dem Landwirt keiner neidisch sein, denn die Zahlungen gibt es, damit der Konsument ein günstiges Lebensmittel bekommt."

Augen auf beim Lebensmittelkauf

Vom Weltmarkt abheben kann sich Österreich nur durch Qualität, daher gelten höchste Standards bei Tierwohl, Pflanzen- und Naturschutz. „Aber es ärgert dich, wenn in einer Fertigpizza Flüssigeier aus Käfighaltung aus Übersee verarbeitet wurden und es nicht deklariert ist“, so der Obmann der Gmünder Bauernkammer. Er appelliert dafür, so oft wie möglich bewusst aus Österreich zu kaufen und auf das AMA-Gütesiegel zu achten. "Ich weise auch immer darauf hin, dass jemand, der den Bezirk unterstützen möchte, Schärdinger Milch kaufen sollte", sagt Wandl. Denn laut ihm beliefern beinahe alle unsere Milchbauern die dahinter stehende Berglandmilch. Außerdem machen sich die Bauernvertreter für eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung in der Gastronomie stark.

Nur Wertschöpfung bringt echte Wertschätzung

„Die zentrale Frage wird sein: Wer erzeugt in Zukunft unsere Lebensmittel?“, hält Wandl fest. „Wenn wir die Versorgungssicherheit mit rot-weiß-roten Produkten aufrecht erhalten und nicht auf Importe aus Ländern mit niedrigeren Standards vertrauen wollen, brauchen wir endlich ehrliche Preise.“ Die Wertschätzung der Arbeitsweise der heimischen Bauernfamilien müsse sich auch in der Wertschöpfung widerspiegeln.

Zur Sache

Im Bezirk Gmünd bewirtschaften 1.001 landwirtschaftliche Betriebe eine Fläche von 27.670 Hektar. Hinzu kommen 40.000 Hektar Wald und 799 rein forstwirtschaftliche Betriebe. Es gibt 101.633 Stück Geflügel, 19.773 Rinder, 4.863 Schweine und 2.568 Schafe.

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