Naturzerstörung im Karlstifter Moor

Tiefe Entwässerungsgräben. Vom angeblich darunter befindlichen Flinsboden ist nichts zu sehen.
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KARLSTIFT (eju). Tiefe Entwässerungsgräben leiten das für streng geschützte Moore überlebenswichtige Nass aus dem Gebiet und trocknen es aus, neu aufgeschüttete Forststraßen zerstören nicht nur das Bild einer intakten, geschützten Naturlandschaft. Das ist nicht in Russland oder Brasilien passiert sondern im Raum Karlstift und Reichenau im Gebiet der Karlstifter Moore. Ein solches Vorgehen ist verboten.

Anzeige bei BH Gmünd

Der im Raum Karlstift/Stadlberg ansässige Verein "Protect • Natur- Arten- und Landschaftsschutz" zeigte die Vorgänge daher bei der Bezirkshauptmannschaft Gmünd (BH) an. Der Naturschutzbund Niederösterreich hat sich dieser Klage angeschlossen und auch eine weitere Klage beim Land NÖ eingebracht und fordert von der BH Gmünd, die Vorgänge zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen, damit die massiven Eingriffe wieder rückgängig gemacht werden: "Solche Eingriffe in eines der hochwertigsten Schutzgebiete dürfen nicht straffrei bleiben!"

Moor wird entwässert

Auch NÖ-Umweltanwalt Herbert Schirl hat sich eingeschaltet und der BH eine Stellungnahme übermittelt. Schirl kritisiert, dass die getroffenen Maßnahmen dem geltenden Gesetz widersprechen. Um Eingriffe in einem Natura 2000 Gebiet durchführen zu dürfen, muss zuvor eine Verträglichkeitsprüfung gemacht werden. Schirl im BB-Gespräch: "In dem Gebiet wurden großflächig Entwässerungsgräben errichtet. Nun müsste durch einen Hydrologie-Sachverständigen geprüft werden, ob diese Entwässerung eine zusammenhängende Fläche von drei Hektar betrifft (30.000 m²). Wenn ja, so muss ein Wasserrechtsverfahren eingeleitet werden. Abgesehen davon ist außerdem zu prüfen, ob das Forstgesetz eingehalten wurde."


Keine Genehmigung nötig

Der Verursacher der angeführten Maßnahmen ist das Waldgut Pfleiderer, respektive Forstverantwortlicher Bernhard Schießl. Im BB-Gespräch betont er, es seien absolut keine neuen Gräben gezogen sondern nur seit vielen Jahrzehnten bestehende frisch ausgeputzt worden, das brauche keine Genehmigung. Der Aushub sei entlang der Gräben verteilt worden. Auf die Anzeige gebe es bereits ein Entgegnungsschreiben. Auch seien keine neuen Wege gebaut sondern nur bestehende ausgebessert worden. Auch die im Jahr 1980 unentgeltlich dem Land Niederösterreich übertragenen Naturschutzflächen wurden an keiner Stelle auch nur annähernd von den Arbeiten berührt. Man behalte sich künftig rechtliche Schritte gegen verleumderische Aussagen des Vereines "protect" vor.

Behörde prüft

Bezirkshauptmann Johann Böhm erklärte, die Anzeige werde von Sachverständigen überprüft und dann werde die Behörde entscheiden, was zu tun sei.

Biologin Michaela Bodner: "Schluss mit schleichender Zerstörung!"

BB: "Sie sind ausgewiesene Expertin für Moore. Wie beurteilen Sie, was im Raum Karlstifter Moor passiert ist?
MICHAELA BODNER: "Moore sind besonders stark gefährdete Ökosysteme. Eingriffe durch Entwässerungen und Wegebau sind, unabhängig von der Frage der Genehmigungspflicht, jedenfalls aus ökologischer Sicht immer hochproblematisch."
BB: Gilt es zu sagen, das war immer schon so, wir haben nichts Neues getan?
BODNER: Nein, diese Argumentation ist nicht haltbar. Auch bestehende Gräben, die wieder neu eingetieft werden, stören den Wasserhaushalt. Darüber hinaus kann man das Moor auch von außerhalb zerstören, wenn Entwässerungsgräben haarscharf an der Grenze des Schutzgebiets gezogen werden. In beiden Fällen wird dem Moorboden Wasser entzogen und das ist der Anfang vom ökologischen Ende."
BB: Was ist zu tun?
BODNER: Es muss endlich Schluss sein mit der schleichenden Naturzerstörung und die Behörden sollen jedenfalls die Einhaltung bestehender Gesetze endlich messerscharf überwachen!"

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