Wahrlich höllische Gegenden

Zwar ist die große Hitzwelle (vorerst) vorbei, doch im Hochsommer kann man sich temperaturtechnisch zeitweise auch im Bezirk Gmünd in durchaus höllische Gefilde versetzt fühlen. Umso mehr drängt sich eine solche Assoziation auf, wenn man bei einer Wanderung plötzlich auf Täler oder Felsformationen stößt, die seit altersher als "Hölle" bezeichnet werden.

Doch wie kam es zu diesen doch recht extravaganten - wenn auch sehr häufigen - Benennungen?
Zwei Beispiele hierfür befinden sich in durchaus vertretbarer Wander-Reichweite zueinander und könnten insofern für flotte und ausdauernde Geher zu einer Tagestour kombiniert werden. Zum einen ist dies der Erlebniswald "in der Hölle" zwischen Illmanns und Grametten, zum anderen der "Höllgraben" südlich von Litschau.

Beides sind wirklich lohnende Ausflugsziele, bei denen die Gefahr, verzweifelte, gepeinigte Seelen zu entdecken, die auf ewig von sadistischen Dämonen mit glühenden Zangen gequält werden, recht gering ist - zumindest sofern der betreffende Wanderer lediglich legale Substanzen in seiner Blutbahn und keine schwerwiegenden psychischen Defekte aufweist.
So erscheint uns Heutigen die Benennung dieser Gegenden etwas befremdlich und es drängt sich die Frage auf, wie es denn zu diesen Flurnamen kam. Hierfür muss man in der Geschichte doch ein Stückchen zurückgehen:

In der germanischen Mythologie wurde der Begriff "Hel", der soviel bedeutet wie "die Bergende" bzw. "die Schützende", für die Totengöttin verwendet. Diese herrschte über ihr unterirdisches Reich "Niflhel", auf Deutsch „Nebelhölle“. Im Mittelalter entwickelte sich dann daraus unser noch heute gebräuchliches Wort "Hölle".
Die Todesgöttin Hel - im Märchen tritt sie als "Frau Holle" auf - war durchaus keine negative Gestalt, wurde aber mit der Zeit immer mehr mit ihrem (Toten-)Reich gleichgesetzt, bis sie als eigenständiges Wesen in Vergessenheit geriet bzw. vom Christentum als Überbleibsel der alten Religion absichtlich ignoriert wurde. Die Hölle als jenseitiger Ort der Schrecken war entstanden – auch wenn diese Vorstellung vom ursprünglichen Gedanken, eines schützenden, bergenden Jenseits voller Ruhe und Frieden recht weit entfernt war.

Da es aber in den vorchristlichen Religionen üblich war, Götter in der Natur zu verehren (Caesar berichtet zum Beispiel in seinem "Gallischen Krieg" dezidiert davon), wird es auch eigene Kultplätze der Hel gegeben haben, an denen ihr gehuldigt wurde - und was lag näher, als dies an Orten zu machen, die die Möglichkeit boten, in den Schoß der Erde, also in eine Höhle, in den Leib der "Terra Mater" zu gelangen?

Wenn man also Gegenden, die einen "Höll-"Namen tragen, näher betrachtet, wird man entdecken, dass sie alle meist auf tiefe, dunkle, oft felsige Täler verweisen, an deren Ende man ein mögliches Heiligtum, etwa einen Schalenstein, eine Höhle oder aber zumindest eine lichte Anhöhe oder einen Berggipfel (also typische Kultplätze) findet.
Auf beide anfangs genannte Fluren trifft diese Charakteristik zu:
Kommt man durch die labyrinthgleiche Granitlandschaft der "Hölle" letzten Endes zur "Graselhöhle", so führt einen der Litschauer "Höllgraben" direkt zum mächtigen "Höllstein" und weiter sogar zum "Altarstein".
So ist es wohl auch kein Zufall, dass direkt neben dem "Höllgraben" drei etwa zweieinhalbtausend Jahre alte Hügelgräber gefunden wurden. Man wollte die Toten wohl möglichst nahe an ihren Bestimmungsort bringen – was für ein postmortales Service!

Auch wenn das Christentum die Bedeutung der Namen dieser Orte sinnentfremdet haben mag, kann man sich dort heute noch gut in die Gedankenwelt unserer Vorfahren versetzen, die an diesen "Höll"-Orten einen Zugang zum Totenreich gesucht - und wie die Hügelgräber beweisen - manchmal sogar gefunden haben.

Autor:

Christian Vajk aus Gmünd

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