"Schauplatz Eiserner Vorhang"
Zeitzeugen umrahmten Ausstellungseröffnung auf Schloss Weitra

Bernhard J. Holzner, Stefan Grusch, Othmar Karas, Martina Diesner-Wais, Margit Göll, Geza Jeszenszky, Raimund Fuchs, Erhard Busek, Werner Fasslabend, Monika Dienstbierová, Herbert Vytiska und ein Stück Eiserner Vorhang.
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  • Bernhard J. Holzner, Stefan Grusch, Othmar Karas, Martina Diesner-Wais, Margit Göll, Geza Jeszenszky, Raimund Fuchs, Erhard Busek, Werner Fasslabend, Monika Dienstbierová, Herbert Vytiska und ein Stück Eiserner Vorhang.
  • hochgeladen von Michael Mikscha

Vor 30 Jahren wurde mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs begonnen. Der „Verein zur Dokumentation der Zeitgeschichte“ nahm diesen Jahrestag zum Anlass für einen Festakt.

WEITRA (mm). Seit 15 Jahren ist die Ausstellung "Schauplatz Eiserner Vorhang" im Schloss Weitra beheimatet. Am 1. Mai startete sie nun in ihre neue Saison. Man könne doch nichts wegräumen was man nicht selbst hingestellt habe, soll es 1989 über den Eisernen Vorhang geheißen haben. Welche Zufälle mitgespielt haben, damit die unselige Grenze, die unsere Region während des Kalten Krieges so sehr geprägt hat, verschwinden konnte, erzählte im Rahmen einer Zeitzeugendiskussion am Staatsfeiertag im ehrwürdigen Festsaal unter anderem auch Bernhard Holzner, der die erst später berühmt gewordenen Fotos von Außenminister Alois Mock beim Zerschneiden des Stacheldrahtes gemacht hatte. Zum von Kurator Christoph H. Benedikter liebevoll gestalteten Rundgang durch die Geschichte konnte Werner Fasslabend in seiner Funktion als Obmann des Vereines zur Dokumentation der Zeitgeschichte, zahlreiche Zeitgenossen begrüßen. So auch Erhard Busek und den Abgeordneten zum EU-Parlament Othmar Karas, der betonte, dass ohne den Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhanges Österreich auch im Falle einer EU-Mitgliedschaft nur am Rande gestanden wäre.

Portion Zufall

Ohne das Zusammentreffen mehrerer glücklicher Umstände wäre alles vielleicht ganz anders gekommen: Der Eiserne Vorhang war damals schon ziemlich baufällig und Russland hatte kein Interesse an der Instandsetzung (wissen nur wenige!) und die sommerliche "Reisefreiheit" der DDR-Bürger (sie durften nur im Sommer in die Bruderländer wie Ungarn fahren) führten dazu, dass uns Manches - hoffentlich auch für immer - erspart bleibt. Die Geschichte und vor allem die Geschichten dahinter gingen bei der Eröffnungsfeier besonders unter die Haut.

Hinter dem Draht

Ein echtes Stück des Todeszaunes hatte Géza Jeszenszky mit dabei. Er war von Mai 1990 bis Juli 1994 Außenminister von Ungarn und kannte die Situation von der anderen Seite: "Wer bei der Flucht erwischt wurde, musste erschossen werden. Für mich ging ein Traum in Erfüllung, als sich der Vorhang hob." Erstaunlich, dass nicht wenige im Todesstreifen ihr Leben lassen mussten, aber drei Viertel der Opfer durch Unfälle zu beklagen waren! Monika Dienstbierová, Tochter des damaligen tschechoslowakischen Außenministers Jiří Dienstbier, erzählte über ihre Kindheit hinter dem Stacheldraht: So hätten die Kinder vor den in einer Dissidentenfamilie schon gewohnten Hausdurchsuchungen wichtige Dokumente in einer Art Pfadfinderspiel schnell in Sicherheit gebracht und der Polizei somit quasi eine lange Nase gedreht.

Geschichtsspaziergang

Kurator Christoph Benedikter hat die Ausstellung überarbeitet und ergänzt: "Einige Stücke haben lange Füße bekommen!" 250 Ausstellungsstücke wurden eingearbeitet - dies auch aufgrund eines Aufrufs der Bezirksblätter an die LeserInnen, nach Gegenständen und Fotos zu suchen und sie zur Verfügung zu stellen. Die Gewölbe des Schlosses bilden den passenden Rahmen für die Schaustücke aus einer dunklen Epoche. Vom Bau der Berliner Mauer über Blicke in DDR-Wohnzimmer bis zu noch immer sichtbaren Spuren, die die Trennung in Ost und West hinterlassen hat, reicht der Bogen. Selbst Überreste von T-34-Panzerketten können nunmehr bestaunt werden.

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