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NR-Wahl 2019: FJ-Bahn als großer gemeinsamer Nenner?

Die NÖN hat im Finale des Nationalrats-Wahlkampfes nochmals mit unseren regionalen Spitzenkandidaten ein Interview geführt. Unter dem Titel „FJ-Bahn als großer gemeinsamer Nenner“ ist dieses in der aktuellen NÖN zu finden. Wir haben einen Leserbrief dazu an die NÖN – Redaktion gesandt. Diesen möchten wir euch nicht vorenthalten und darum findet ihr diesen vorab hier.

Wir danken für den Beitrag „FJ-Bahn als großer gemeinsamer Nenner“ in der letzten Ausgabe. Wir möchten folgendes dazu ergänzen, denn es scheint so, als würden wir hier vom „kleinsten gemeinsamen Nenner“ sprechen.

Es bleiben nach dem Durchlesen des Beitrages leider mehr Fragen offen als vorher:

Niemand kann offensichtlich konkret beantworten wie die Fahrzeit verkürzt werden soll!

Während alle vom FJB-Ausbau reden, fällt die Tatsache unter den Tisch, dass mit Dezember 2019 eine viertelstündige Fahrzeitverkürzung geplant gewesen wäre. Der sortenreine Cityjeteinsatz, der dies möglich gemacht hätte sowie der komplette Abzug dieser modernen Züge von der FJB, wurde ja vor Kurzem erst publik. Ähnlich verhält es sich mit den Strecken-Ausbauten. Die wichtigste bauliche Maßnahme auf der FJB ist die Abkürzung des Allentsteiger-Knies. Auch diese wird auf die lange Bank geschoben. Diese würde nochmals ca. eine viertel Stunde Fahrzeitverkürzung bringen. Kurz und bündig wäre in zwei Schritten eine Fahrzeitverkürzung von fast 30 Minuten pro Richtung zwischen Gmünd und Wien möglich – und diese wäre bei gemeinsamen Einsatz in 5 Jahren umseztbar. Wieso fordert das niemand konkret?

Wann ist denn wirklich mit spürbaren Fahrzeitverkürzungen zu rechnen?

Immer wieder wird auf die strategisch Prüfung und das 3-Stufen Konzept der FJB-Studie verwiesen. Fakt ist, dass laut unseren Informationen in der „strategischen Prüfung“ die 3.Ausbaustufe (Allentsteig, Vitis, Limberg) gar nicht enthalten sind. Das bedeutet, dass bis ca. 2030 oberhalb von Horn baulich NICHTS passieren wird. Vielmehr konzentrieren sich laut aktuellen Medienberichten die Maßnahmen für die nächsten 10 Jahre auf eine Aufwertung der Kamptalbahn und eine bessere Anbindung der Stadt Horn nach Wien und Krems/St.Pölten. Sinnbild dafür ist die geplante Anbindung von Horn nach Eggenburg (2.Ausbaustufe der FJB Studie). Dieser Ausbau bringt den bisherigen FJB Nutzern keine einzige Sekunde Fahrzeitersparnis. Finanziert wird dies aus dem FJB-Ausbaubudget obwohl es sich in Wirklichkeit um eine Umlegung der Kamptalbahn handelt. Die wirklich wichtigen Ausbaumaßnahmen auf der FJB werden dafür nach hinten gereiht. Es wird bewusst in den nächsten 10 Jahren ein 2. Klassen Waldviertel geschaffen. Der zu den Zentralräumen ausgerichtete Süden und und der noch mehr benachteiligte Norden!

150 Jahre FJB – (leider) immer noch auf der historischen Strecke

Bis 2030 wird es aus jetziger Sicht „keine einzige“ bauliche Maßnahme geben, welche die bestehende FJB-Strecke verkürzt. Die wirklich wichtigen Baumaßnahmen wurden in die Ausbaustufe 3 der FJB-Studie veschoben, welche derzeit nich einmal politisch eingefordert werden. Wenn sich heuer die Eröffnung der FJB zum 150-mal jährt, können wir diesen runden Geburtstag mit einer Zugfahrt auf der original Kurvenstrecke aus 1869 feiern. In zehn Jahren wird es aus jetziger Sicht immer noch genau so sein. In Wirklichkeit war die Infrastruktur vor 100 Jahren sogar besser. Weil damals noch ein zweites Gleis zugelegt wurde. Apropos zweites Gleis: Es gibt trotz FJB-Studie keine konkreten Aussagen, dass das zweite Gleis zwischen Gmünd und Absdorf durchgehend wieder errichtet werden soll. Wieso fordert niemand die Re-Internationalisierung der FJB als TEN-Strecke?

30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges nichts Neues…

Auch wenn sich das historische Ereignis heuer zum 30 Mal wiederholt, sind wir WaldviertlerInnen nur in den üblichen Sonntagsreden im „Herzen Europas“ angekommen. Konkret zeigt sich das bei den in der FJB-Studie angekündigten internationalen Verbindung Wien-Budweis. Diese wurde genau so wie die Schnellverbindungen nach Wien-Westbahnhof kommentarlos nicht umgesetzt. Während in den letzten Jahrzehnten auf den Bundesstraßen Richtung Wien mehr als zehn Ausbauten, vor allem in Form von Umfahrungen) gesetzt wurden ist auf der FJB keine einzige Kurve begradigt worden. Auf der FJB-Strecke von Heute sind es von Gmünd nach Wien Heiligenstadt auf der Bahn immer noch ca. 160km und auf der Straße nur mehr 135 Kilometer. Die FJ-Bahn wird seit Jahrzehnten systematisch benachteiligt und jetzt scheint sich dieses System mit der strategischen Prüfung fortzusetzen. Plötzlich werden der 2016 angekündigte Bahnausbau sowie die Fahrzeitverkürzungen auf Jahre hinausgezögert und vom Straßenausbau abhängig gemacht. Umgekehrt wäre das Jahrzehnte lang undenkbar gewesen.

Wo bleibt die Forderung nach Zukunftsinvestitionen und INNOVATION?

Seit Jahren fordern verschiedenste Persönlichkeiten des Walviertels einen Bildungsstandort im Waldviertel für HTL und Fachhochschule. Ohne „Vollausbau der FJB“ wird es den aber nicht geben. Denn nur mit einer modernen Bahn haben wir im Waldviertel ein Verkehrsmittel für diese Zielgruppe und ein ausreichendes Einzugsgebiet. Warum sagt das niemand? Warum wird in diesem Zusammenhang kein Forschungs-und Technologiezentrum angedacht. In anderen Regionen Niederösterreichs wurden diese ebenfalls massiv gefördert? Wieso bauen wir im Waldviertel keinen „Microterminal“ für die regionale Frachtverteilung in Zusammenarbeit mit regionalen Frächtern? Warum gibt es keinen Masterplan mit einer Lebensader FJB für eine Zukunftsregion Waldviertel? Warum nutzen wir nicht einmal die Chance die uns unsere noch unzerstörte Natur bietet um eine Vorzeige und ÖKO-Modellregion zu werden? Vielmehr wird laut darüber nachgedacht wie man am besten mit einer internationalen Transitschneise die Marke Waldviertel beschädigen kann.

Ein Runder Tisch zur FJB

Gerne bin ich bereit an einem „Runden Tisch zur Zukunft der FJB“ teilzunehmen. Nach der Wahl bietet es sich zum Jahresende 2019 an, zur 150 Jahr-Feier der FJB und zu 30 Jahre Fall d. Eisernen Vorhang – um über die Zukunftsperspektiven zu diskutieren. Gerne kann ich den Mandataren konkrete Pläne zur Verfügung stellen, welche eine massive Fahrzeitverkürzung bringen würden. Dann können die gewählten Regionalvertreter ihre konkreten Forderungen, für die sie sich einsetzen, darlegen. Ich würde mich freuen, wenn die NÖN-Redaktion hier als Gastgeber für einen runden Tisch auftreten könnte.

JA zum Vollausbau der FJB – ja zu gerecht verteilten Investitionen im Waldviertel – ja zu einem lebenswerten Waldviertel!

Schauen wir nicht nach hinten - Denken wir lieber nach vorne – damit wir gemeinsam schneller oben sind!

Gerald Hohenbichler von der Initiative Pro FJB

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