Landesgericht Krems
Dreimal den Notruf gewählt, um ins Häf‘n zu kommen

Kuriose Verhandlung am Landesgericht.
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Dreimal wählte der 33-jährige Arbeiter aus dem Bezirk Waidhofen am 23. März 2020 den Notruf 122. Da hatte er ungefähr zehn Bier intus. Beim ersten Mal sagte er „es soll jemand kommen“, beim zweiten Mal sagte er „es soll jemand kommen, sonst passiere etwas“. Beim dritten Mal, „es wird geschossen, wenn nicht bald jemand kommt“.

Großalarm

Daraufhin wurde Alarm ausgelöst. Fünf Streifenwagen aus den Bezirken Waidhofen und Gmünd rasten zum Einsatzort, legten bei einem so genannten Alarmstopp Schutzwesten und Helme an. Auch die COBRA wurde in Einsatzbereitschaft versetzt, später wieder abbestellt.

10 Bier

„Was ist an diesem Abend passiert und warum haben Sie den Notruf gewählt?“, wollte der Richter vom Angeklagten wissen.
„Ich war arbeitslos, es ist mir nicht so gut gegangen. Am Abend bin ich in die Werkstatt gegangen und hab 10 Bier getrunken. Dann ist meine Lebensgefährtin gekommen und hat gefragt, warum ich mich ansaufe. Es hat immer Streit gegeben, wenn ich getrunken habe. Ich sagte, ich will Sex, sie sagte ich bin ein Volltrottel. Ich antwortete entweder Sex oder ich werfe dich aus dem Haus.“ Ich hab ihr Handy geholt und wollte, dass sie die Polizei ruft. „Entweder du bist hin oder ich lass mich von der Polizei erschießen“, drohte ich. „Dann hat sie sich in einem Zimmer eingesperrt, später ist sie weggefahren. Dann hab ich den Notruf gewählt, warum weiß ich nicht.“

Nach Stein

Ein Polizeibeamter berichtet vom Einsatz: „Als wir angekommen sind, ist der Beschuldigte auf mich zugekommen. Er war nicht aggressiv. Er meinte, nehmt mich mit, ich will nach Krems oder Stein, ich halt die Beziehung nicht mehr aus. Wir haben ihn durchsucht, er hatte keine Waffe. Wir haben eine Wegweisung ausgesprochen. Beim späteren Alkoholtest hatte er 1,6 Promille.“
Eine Kollegin bestätigt das: „Ich war auf das Schlimmste vorbereitet. Ich dachte auf Grund der Alarmmeldung, er hat jemand erschossen. Er war nicht aggressiv, er wollte, dass wir ihn mitnehmen, er wollte unbedingt weg.“
Die Lebensgefährtin des Angeklagten entschlug sich der Aussage. Der Beschuldigte meinte bei der weiteren Befragung, „die Dame am Notruf hat richtig reagiert. Weiß nicht, warum ich angerufen habe“.

Drei Monate bedingt

Die Anklage wollte neben versuchter Nötigung und gefährlicher Drohung auch eine Verurteilung wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt auf Grund der Drohungen am Notruftelefon und des Einsatzes der Sicherheitskräfte. Der Richter fällte ein Urteil wegen versuchter Nötigung von drei Monaten bedingter Haft. Außerdem muss der Mann Bewährungshilfe sowie eine Suchtberatung in Anspruch nehmen. Die gefährliche Drohung sowie den Widerstand gegen die Staatsgewalt sah der Richter als nicht erfüllt, es habe keine Absicht gegeben. Die Staatsanwältin erhob Berufung wegen Nichtigkeit und Schuld. Nicht rechtskräftig. -Kurt Berger

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