25.06.2017, 09:55 Uhr

Abfluss ist keine Mülltonne!

EGGERN (mm). Die größte ist die neue Abwasserbeseitigungsanlage mit rund 170 angeschlossenen Haushalten natürlich nicht, aber eine der Modernsten allemal. Die Klärwärter Erich Kaiser und Christian Strohmeier gewährten den Bezirksblätter-Lesern einen tiefen Einblick in Bereiche, die man als Normalverbraucher gerne unter den Deckel kehrt.

Stinkt nicht zum Himmel!

Das kleine Häuschen am Ortsrand ist keine Beleidigung für die Nase, unmittelbar neben den zwei Klärbecken braucht es keinen Mundschutz: In ihnen arbeiten Mikroorganismen, die mit Sauerstoff "ernährt" werden am Abbau dessen, was unseren Körper und die Haushalte verlässt. Und das ist leider gar nicht so wenig, so Erich Kaiser, der aber gleich relativiert, und das überaus emotional: "Man kann den Leuten 1000 mal erklären was nicht in den Abfluß gehört, es bringt nix!" Die berühmten Kondome sind wohl ärgerlich, aber zu den speziellen Fundstücken gehören Lebensmittel - "da werden Würstchen ins Klo geschmissen, anstatt sie beispielsweise an Tiere zu verfüttern" - und sogar so absurde Dinge wie Strumpfhosen und sogar ein Gürtel wurde gesichtet!

Wer schaut denn da?

Nein, der Klärwärter schaufelt sich nicht durch alles was rein kommt, das macht ein Filter vor dem Klärprozess, aber der Mist muss entsorgt werden. Selbst in der kleinen Gemeinde Eggern kommen so rund 500 Kilo Restmüll im Monat (!) zusammen, die ein Drittel der Arbeit bei der Reinigung und damit erhebliche Kosten verursachen - die der Verursacher dann sowieso wieder über Abgaben bezahlen darf, so Bürgermeister Herbert Zimmermann, der das mit Bedauern sieht: "Die Leute ärgern sich, dass die Gebühren so hoch sind und bedenken nicht, dass sie das selbst zu verantworten haben!" Immerhin müssen die Rechen der Anlage wieder von gereinigt werden, und da ist Manpower gefragt. Außerdem muss der unnötige Restmüll vor der Entsorgung gewaschen werden (!), das fordern die strengen Auflagen: "Und außerdem hätten wir sonst ein Insektenproblem" erklärt Christian Strohmeier. Trauriger Nebeneffekt, Sie ahnen es: Das kostet wieder Wasser, und wer bezahlt es? Erraten!

Empfindlicher Kreislauf

Sie haben es bereits gelesen: Wasser befindet sich in einem Kreislauf. Eggern ist hierbei Selbstversorger, das Wasser kommt aus drei Brunnen und wird in der Kläranlage nach dem finalen natürlichen Klärprozess (in einem von Fröschen und Libellen bevölkerten Teich) sauber in den Romaubach geleitet, wo es seinen Weg zum nächsten Nutzer fließt. Wer nun beispielsweise Altöl in den Kanal kippt, handelt verantwortungslos an der Natur und seinem eigenen Geldbörsel. Und er erschwert den guten Geistern in der Kläranlage - sowohl den Klärwärtern als auch den Mikroorganismen die "unseren Dreck fressen" - unnötig die Arbeit an der Sauberhaltung unseres wertvollsten Lebensmittels Wasser! Dabei ist es doch so einfach: "Benutz das Köpfchen, dann drück aufs Knöpfchen!"
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