16.10.2017, 11:29 Uhr

Bezirk Gmünd: Debakel für Rot & Grün

Die FPÖ legte im Bezirk Gmünd gewaltig zu, die Grünen fielen auf ein Viertel ihrer Stimmen zurück. (Foto: Grafik: Mikscha)

Der eigentliche Wahlgewinner ist die FPÖ mit plus elf Prozent. Die Grünen büßen dreiviertel ihrer Wähler ein.

BEZIRK (eju). Der türkise Siegeszug des Sebastian Kurz machte auch vor dem Bezirk Gmünd nicht halt. Insgesamt errang der ÖVP-Shootingstar im Bezirk 37,71 Prozent. Damit hat die ÖVP im Vergleich zur vergangenen Wahl im Jahr 2013 (35,40 %) um 2,2 Prozent zugelegt. Es handelt sich bei allen Zahlenangaben um ein vorläufiges Ergebnis, da die Wahlkarten zu Redaktionsschluss noch nicht ausgezählt waren und damit ein endgültiges Ergebnis noch nicht vorlag.
Der große Verlierer im Bezirk Gmünd heißt SPÖ. Die SPÖ hatte im Jahr 2013 im Bezirk Gmünd 32,95 Prozent erreicht, um 3,6 Prozent weniger als noch im Jahr 2008. Diesmal ging es im traditionell für Sozialdemokraten starken Bezirk erneut bergab. Nur mehr 5.757 Personen (in Prozent 26,46) machten ihr Kreuz bei den Sozialdemokraten.


FPÖ legt elf Prozent zu

Die Freiheitlichen starteten im Bundesvergleich auf mittlerem Niveau, bei der vorhergehenden Nationalratswahl hatten 15,6 Prozent der WählerInnen für die Blauen votiert, diesmal waren es erstaunliche 27,11 Prozent. Damit ist die FPÖ mit einem Zugewinn von 11 Prozent der eigentliche Wahlsieger im Bezirk Gmünd und zweitstärkste Partei.
Ähnlich wie im Bundesdurchschnitt erging es auch im Bezirk Gmünd den Grünen: Das Ausgangsniveau von 5,97 Prozent war nicht zu halten, am Wahlabend musste man sich mit 1,58 Prozent zufrieden geben und gehörte neben der SPÖ zu den Verlierern der Wahl mit einem satten Minus von 3,86 Prozent (minus 864 Wähler).


Pilz stärker als Grüne

Die NEOS legten marginal zu und errangen 2,97 Prozent, um 0,75 Prozent mehr als bei der vergangenen NR-Wahl 2013. Die Liste von Peter Pilz konnte auf Anhieb immerhin 2,48 Prozent erreichen und überragte damit seine einstige Partei, die Grünen, um rund ein Prozent.
Unter der Wahrnehmungsschwelle verblieb die erstmals antretende FLÖ mit 0,23 Prozent (50 Wähler) und die Düringer-Bewegung G!lt mit 0,91 Prozent (198 Wähler).
Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 71,6 Prozent, vor vier Jahren waren 72 Prozent zu den Urnen gegangen. Heuer wählten bezirksweit nur 377 Personen ungültig, im Jahr 2013 waren es mit 674 Personen fast doppelt so viele.
ÖVP-Bezirksparteiobfrau und Nationalratsabgeordnete Martina Diesner-Wais muss sich um ihren Sessel im Nationalrat als Listenerste im Regionalwahlkreis keine Sorgen machen. Sie erklärte zum moderaten Zugewinn von rund 326 Wählern: "Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, wir waren im Bezirk besser als im Landes- und im Bundesschnitt."


Schuld sind die Anderen

SPÖ-Bezirksvorsitzender Konrad Antoni sieht das Abschneiden der Sozialdemokraten (minus 1.530 Wähler) so: "Wir sind angetreten, um dazuzugewinnen. Das hat leider nicht geklappt. Österreichweit hat das Thema Migration und Flüchtlinge den Wahlkampf definiert." Über den gewaltigen Zugewinn der Freiheitlichen (von 3.570 auf 5.898 Wähler) freut sich Bezirks-FPÖ-Vorsitzender Walter Hoffmann sehr: "Wir feiern, wir haben sehr gute Parteiarbeit geleistet, neue Mitglieder gewonnen, die sich im Wahlkampf eingesetzt haben. Die Migration war im Bezirk eigentlich kaum ein Thema, wenn Kollege Antoni das meint, sucht er Ausreden für die Verluste. Die Sozialdemokraten müssen sich selbst bei der Nase nehmen."


Grüne auf ein Viertel abgestürzt

Das grüne Debakel mit dem Verlust von drei Viertel der Wählerstimmen erfreut den Grünen-Bezirkssprecher Manfred Stattler naturgemäß wenig. In einem Wahlkampf, in dem sich ein klarer Rechtsruck seit Längerem abgezeichnet habe, sei es schwer gewesen, grüne Themen zu positionieren. Dennoch danke er den knapp 350 WählerInnen im Bezirk Gmünd, die mit ihrer Stimme die grüne Arbeit im Parlament wertgeschätzt hätten.


Hochburgen: Wer wo wie gut/schlecht abschnitt

BEZIRK. Im Bezirk Gmünd sticht am meisten ins Auge, dass die Grünen drei Viertel ihrer Wähler eingebüßt haben, während die FPÖ elf Prozent an Wählerzuspruch gewinnen konnte. Traditionsgemäß gibt es Hochburgen für einzelne Parteien.

Türkise Hochburgen
Bisher waren die Gemeinden Waldenstein und Großschönau immer ganz sichere Bastionen für die ÖVP, so auch diesmal. Die meisten ÖVP-Wähler gab es mit 50,75 Prozent in Waldenstein, gefolgt von Großschönau mit 50,5 Prozent und Unserfrau-Altweitra mit 50,3 Prozent. Rote Bastionen gab es traditionell in den SPÖ-geführten Gemeinden Brand-Nagelberg, Heidenreichstein und Schrems. Am Wahlabend konnte nur Brand-Nagelberg seine große SPÖ-Vormacht mit 42,3 Prozent (aber dennoch minus 11,6 %) behaupten, die SPÖ blieb aber immer noch deutlich stärkste Partei. In Gmünd stürzten die Sozialdemokraten ebenfalls um neun Prozentpunkte ab und landeten mit 31,5 Prozent um ein halbes Prozent hinter der ÖVP. In Schrems behielt die SPÖ mit 35,5 % die Nase vorn (minus 5,7 %), in Heidenreichstein setzte sich die VP (34,5%) vor die SPÖ (29,2 %).


Haugschlag ist blau

Die FPÖ darf sich über satte Zugewinne in Amaliendorf-Aalfang freuen, dort landete sie auf Platz zwei mit 33,4 Prozent. In Haugschlag wurde die FPÖ gar stärkste Kraft mit 36,5 Prozent (plus 18,3 Prozent) vor der ÖVP mit 35,8 Prozent. Auch in Eggern votierten 34 Prozent für die Freiheitlichen, Platz zwei hinter der VP. Die Grünen schließlich hatten ihren höchsten Zuspruch in Amaliendorf-Aalfang und Weitra mit jeweils mit zwei Prozent.

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