17.10.2014, 11:45 Uhr

Bezirk Gmünd: Polizei hob Crystal Meth-Labor in Hirschenwies aus

Ein bestens ausgestattetes Labor für die Erzeugung des Rauschgiftes fanden die Ermittler im Haus vor. (Foto: Foto: LKA)

Vier Jahre lang brodelte die Giftküche wie geschmiert: Drei Kilo Crystal Meth im Wert von 120.000 Euro erzeugt. Illegale Waffen waren auch vor Ort.

MOORBAD HARBACH/HIRSCHENWIES (eju). "Breaking Bad" auf Waldviertlerisch. Ein dicker Fisch ging den Polizei-Ermittlern in Hirschenwies ins Netz: Zwei Männer hatten dort in einem Haus ein Chemie-Labor eingerichtet, in dem sie die 'Designerdroge' Crystal Meth im großen Stil herstellten. Die Abfälle aus der Chemieküche wanderten direkt in den Kanal. Keine gute Idee. Dieser verstopfte sich. Genau deswegen flog das Gift-Küchen-Duo auf.


Verstecktes Häuschen mit verklebten Fenstern

Beim Bezirksblätter-Lokalaugenschein präsentiert sich das kleine Gebäude unahbar. Ein Maschendrahtzaun friedet das winzige Gartengrundstück ein. Alle Fenster des Hauses sind von innen blickdicht zugeklebt. Im Hof steht eine wohl von Pfeilen oder Gewehrschüssen durchlöcherte Wand. Nachdem auch illegale Gewehre gefunden worden sind, ist auch ein Zielschießen mit diesen denkbar. Von außen würde man auf den ersten Blick wohl kein hochtechnisiertes Drogenlabor vermuten.


Drogenlabor vom "Feinsten"

Das Landeskriminalamt NÖ weiß es jedoch besser, denn: Im Zuge einer Hausdurchsuchung Anfang September wurden insgesamt ca. 300 Gramm Methamphetamin, große Mengen an giftigen Chemikalien, Arbeitsmaschinen und zahlreiche Laboreinrichtungen zur Herstellung von Methamphetamin, vier nicht registrierte Gewehre, verbotene Munition und verbotene pyrotechnische Gegenstände aufgefunden und sichergestellt. Sichergestellt wurden außerdem eine große Anzahl leerer Kanister eines Lösungsmittels zur Produktion von Methamphetamin. Aufgefunden wurden auch insgesamt 15.000 Stück Tabletten, mit denen weitere ca.1050 Gramm Methamphetamin erzeugt hätten werden können.


Vier Jahre am Werk

Zwei österreichische Staatsbürger im Alter von 52 und 46 Jahren stehen aufgrund der bisherigen Ermittlungen im Verdacht, seit dem Jahr 2011 in Moorbad-Harbach große Mengen Methamphetamin produziert zu haben. Einer der beiden ist in Frühpension, der andere arbeitslos. Um zu den Drogenausgangsstoffen zu gelangen, dürften von den Verdächtigen in den letzten Jahren zumindest 42.000 Tabletten in Rumänien erworben und nach Österreich geschmuggelt worden sein, um damit Methamphetamin zu erzeugen.


Drei Kilo Crystal Meth fabriziert

Die Verdächtigen dürften aufgrund der bisherigen Erhebungen im Zeitraum von 2011 bis 2014, eine Gesamtmenge von ca. drei Kilo Methamphetamin im Wert von ca. 120.000 Euro in Tschechien und Niederösterreich in gewinnbringender und in gewerbsmäßiger Absicht in Verkehr gebracht haben.

Suchtmittel-, Waffen- und Umweltdelikte

Die beiden einschlägig nach dem Suchtmittelgesetz vorbestraften Beschuldigten sowie die Lebensgefährtin des 46-Jährigen, eine Rumänin, alle Verdächtigen sind teilgeständig, wurden wegen Verdacht des Verbrechens nach dem Suchtmittelgesetz, dem Waffengesetz und der vorsätzlichen Beeinträchtigung der Umwelt an die Staatsanwaltschaft Krems angezeigt.
Der 46- und 52-Jährige wurden über Anordnung der Staatsanwaltschaft Krems in die Justizanstalt Krems eingeliefert und befinden sich in Untersuchungshaft.

Zur Sache

• Methamphetamin wurde erstmals 1893 durch den japanischen Chemiker Nagayoshi Nagai in flüssiger Form synthetisiert.

• 1938 wurde Methamphetamin unter der Marke Pervitin von den Temmler-Werken in den Handel gebracht, die auch heute noch die Marke halten.

• Insbesondere während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 fand Methamphetamin millionenfache Verwendung. Unter den Spitznamen Panzerschokolade, Stuka-Tabletten und Hermann-Göring-Pillen diente das Mittel zur Dämpfung des Angstgefühls sowie zur Steigerung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei Soldaten, Fahrzeugführern und Piloten.

• N-Methylamphetamin unterdrückt Müdigkeit, Hungergefühl und Schmerz. Es verleiht kurzzeitig Selbstvertrauen, ein Gefühl der Stärke und dem Leben eine ungewohnte Geschwindigkeit. Zu den Nebenwirkungen gehören Persönlichkeitsveränderungen, Psychosen und Paranoia aufgrund von Schlafentzug oder bei Prädisposition.

• Methamphetamin gilt heute unter Modenamen wie Crystal Meth, Meth, Crystal, Yaba, Crank oder Ice als preisgünstige Droge mit aufputschender Wirkung. Crystal gehört zu den am schnellsten zerstörenden Drogen überhaupt.

• Das Potential einer Abhängigkeit ist sehr hoch. Crystal wird überwiegend geschnupft, teilweise geraucht, in Wasser gelöst intravenös injiziert oder auch rektal verabreicht.

• In Österreich ist Methamphetamin als Suchtgift im Sinne des Suchtmittelgesetzes eingestuft, denn es ist in der Anlage II des Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe aufgeführt.

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Mehr Informationen unter:

5 Dinge, die man über Crystal Meth wissen muss

Wikipedia über Crystal Meth

Crystal Meth Faces/Gesichter
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