24.11.2016, 10:31 Uhr

Demenz hat viele Gesichter

Michaela Sailer berät Betroffene und Angehörige einfühlsam, wenn es um das Thema Demenz geht.

Bis zum Jahr 2050 werden in Österreich etwa 230.000 Menschen an Demenz erkrankt sein.

BEZIRK (eju). Michaela Sailer ist mit Leib und Seele Krankenschwester und das seit über 30 Jahren. Für sie gebe es keinen anderen Beruf, das sei ihr früh klar geworden.


Wollte es besser machen

"Mit Zwölf lag ich ein halbes Jahr im Krankenhaus, das war keine schöne Erfahrung. Damals nahm ich mir vor, Krankenschwester zu werden und es besser zu machen", berichtet die engagierte Mitarbeiterin des Hilfswerkes Gmünd, die vor rund sechs Jahren aus Deutschland ins Waldviertel übersiedelt ist. Seit 2014 ist sie die "Demenzberaterin" des Gmünder Hilfswerkes, aktuell absolviert sie zusätzlich eine Ausbildung zur Morbus Alzheimer-Stiftung-Demenztrainerin.


Alltägliche Dinge vergessen

"Eine Demenz beginnt da, wo wichtige Dinge vergessen werden: wenn man etwa sein Geldtascherl oder seine Papiere nicht mehr findet oder wo ich nicht mehr in der Lage bin, Dinge, die ich immer getan habe, zu tun, z.B. eine Kaffeemaschine bedienen, die Fernbedienung handhaben oder telefonieren. Das ist das Hauptproblem und das nächste ist, dass Demenzkranke unglaublich lang in der Lage sind, die Ausfälle zu verleugnen und zu kompensieren. Das bereitet oftmals Schwierigkeiten bei der Pflegegeldeinstufung, wenn der Pflegegeldarzt kommt", berichtet Michaela Sailer aus ihrer Erfahrung. Wenn man die Vermutung hegt, ein Angehöriger könnte an Demenz erkrankt sein, führt der erste Weg zum Hausarzt, um eventuelle andere Ursachen auszuschalten. Leider erkenne man Demenz mit dem CT erst im fortgeschrittenen Stadium. Es gibt zudem verschiedene Formen, die bekannteste ist Alzheimer, sie macht etwa 55 Prozent der Fälle aus.


Umfassende Information

"Wichtig ist eine umfassende Information über die Krankheit durch Infobroschüren oder das Internet, auch wir führen umfangreiche Beratungen vor Ort oder hier in der Station durch", informiert die Demenz-Fachfrau.
Wichtig sei, dass: "Demenzkranke trotz ihrer Krankheit ganz genau merken, wenn man es ehrlich mit ihnen meint. Die Krankheit verstärkt das Gefühlsempfinden. Das zu wissen, ist auch für Angehörige wichtig. Demenzkranke leben in bestimmten Zeiten, es macht Sinn, mit ihnen in diese Zeiten hineinzugehen. Es bringt nichts, dem Kranken, wenn er nach seiner Mutter ruft, zu sagen, dass diese längst gestorben ist. Demenz-#+erkrankte haben oftmals Stimmungsschwankungen und Verhaltensänderungen, das darf man niemals auf sich selbst beziehen.
Warnsignale sind immer das Vergessen kürzlich geschehener Dinge. "Einer meiner ersten Demenzfälle hatte die gesamte Wohnung mit kleinen, gelben Zetteln vollgeklebt, worauf sie notiert hatte, was zu tun sei oder wofür Dinge gehörten. Ihr Mann war ebenso dement, er hat immer versucht, mit der Fernbedienung zu telefonieren", erinnert sich Michaela Sailer.
Dass die Diagnose Demenz nicht automatisch sofort eine Übersiedelung in ein Pflegeheim bedeutet, macht Michaela Sailer auch klar. "Über einen Intensivantrag können wir bis zu 120 Stunden pro Monat einen Betroffenen betreuen, einzig die Nacht können wir nicht abdecken."


Zur Sache

Demenz liegt wahrscheinlich vor, wenn zumindest zwei der Symptome länger als ein halbes Jahr bestehen: Beeinträchtigung von • Sprache, • Orientierung, • abstraktem Denkvermögen, • motorischer Handlungsfähigkeit und • Lese- und Rechenfähigkeit.
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Gerald Willinger aus Gmünd | 27.11.2016 | 12:02   Melden
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