19.11.2017, 11:23 Uhr

Die Autobahn ist nicht alles!

Über Mobilität abseits des Autos ging es im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema Verkehrswende.

GMÜND (mm). Im eigenen Auto mit der eigenen Musik und dem eigenen Duftbaum kürzeste Wege erledigen ist ein Modell, das für Ulrich Leth, Axel Grunt, Thomas Samhaber und Hubert Hauer nicht die Zukunft sein kann. Doch bis das Einsteigen in Bus und Zug den Griff zum Schlüssel verdrängen kann, ist ein weiter Weg, der mit vielen (Stolper)steinen gepflastert ist. Denn ein zu dünnes Öffi-Netz lockt niemanden in Bus und Co - und ohne Fahrgastinteresse baut man das Netz nicht aus. Ein Teufelskreis also, der mit unterschiedlichen Maßnahmen durchbrochen werden kann - aber nicht zwangsweise wird.

Autobahn quo vadis?
Der oft geforderte Highway könne dazu führen, das Waldviertel weiter zu schwächen, so Ulrich Leth von der TU Wien, da sie erwiesenermaßen Menschen aus der "schwächeren" Region den Weg in die "Stärkere" erleichtere - was somit Wien und Umgebung wäre. Ähnliches könne auch bei Fahrzeitverkürzungen auf der FJB passieren. Die Lösung dafür wäre, endlich die Stärken unseres Bezirks zu erkennen, der selbst ein beutender Wirtschaftsraum ist, aber nicht an der Grenze aufhört: Mit einer Universität in Nove Hrady und der 110.000-Einwohner-Stadt Budweis sowie 7 Unesco Kulturerben bilden wir eine grenzüberschreitende Region, die sich weithin attraktiv präsentieren könne. Voraussetzung dafür sei aber auch "geistige Mobilität", so Thomas Samhaber. Es beginnt im Kopf - Tschechisch lernen müsse bei uns an der Grenze eigentlich schon im Kindergarten beginnen, man erwarte aber immer, dass "drüben" eh alle Deutsch können.

Bildungsraum Waldviertel?
DIE HTL Karlstein hat Kapazitäten frei, liegt aber eben nicht verkehrsgünstig. Auch hier zeigt sich: Ohne vernünftige Öffi-Netze haben wir nur wenig Chancen, selbst Bestehendes attraktiv zu halten oder auszubauen. Was bringt die tolle Schule in Zwettl, wenn sie für Schüler aus Nachbarbezirken nicht sinnvoll erreichbar ist? Eine FH oder weitere HTL wäre natürlich eine Bereicherung - wenn man denn auch hin kommt.  Also wieder: Der Teufelskreis.

Mobilität für alle?
Das Auto ist für viele kaum mehr wegdenkbar - doch was machen Schüler, die nicht mal mit dem Bus in Schulen in andere Bezirke kommen oder alte Menschen wenn es ums Einkaufen geht? Projekte wie das Solartaxi in Heidenreichstein oder Jugend- und Senioren-Taxi in Gmünd können da teilweise helfen - müssen aber auch mit politischen Hürden kämpfen.

Öffis kranken!
Interessant: Häufigere Nutzung von Bahn und Bus senkt signifikant die Folgekosten des Individualverkehrs wie zum Beispiel auch Kosten durch Unfälle! Wenn man aber Busse vollkriegen will, muss man die Einstiegspreise senken: "Bei 38 Euro für eine Einzelfahrt und 43 Euro für eine Wochenkarte fühle ich mich... " so Thomas Samhaber. Genauso müsse man die Zubringer zu den (Bahn)Hauptstrecken attraktiver machen. Wer die Zubringer wie die Thayatalbahn zudreht, dreht in weiterer Folge die Hauptstrecken ab - mit der etwas kühnen Folgerung: Vielleicht gibts dann irgendwann nur noch die Westbahn! Auch die "Letzte Meile", also den Weg bis zu Haus/Wohnung müsse erleichtert werden. Rad- und Fußwege auszubauen ist ein Schritt, der in Gmünd mittlerweile gegangen wird: "Bei jeder Straßensanierung werden wir in Zukunft einen Radweg einplanen" so Vizebürgermeister Hubert Hauer. Man könne immerhin bei der Jugend den Trend vom Auto als Statussymbol weg bemerken - dennoch sind manche Jugendliche öfter geflogen als mit dem Zug gefahren. Viel ist zu tun, bis das Auto vom Thron gestoßen werden kann: Dorfstraßen wieder von Todes- zu Begegnungszonen machen, Busfahrpläne lesbar machen - und die Qualitäten der Heimat kennen und kommunizieren!

Man sieht: Der Verkehr der Zukunft muss sich in anderen Gleisen bewegen. Die Politik hat ihre Hausaufgaben zu machen - aber auch der einzelne Bürger: Ist es nötig, jeden Weg genau dann zu machen wenn man drauf kommt, oder vielleicht doch in Fahrplänen zu denken und damit ein Netz aufbauen und erhalten zu können, das allen hilft - egal ob man sich nun die dicke Limousine oder nur das Fahrrad leisten kann?
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