22.05.2017, 10:09 Uhr

Fliegender Taktstockwechsel

27 Jahre als Kapellmeister sind eine Ansage. Mit einem Festkonzert ging die Ära Josef Gratzl zu Ende.

Sehen Sie dazu auch das Video mit Eindrücken dieses akustischen Festmals.

GROSSSCHÖNAU (mm). Ein klein wenig klang es wie ein Abschied für immer, als Josef Gratzl nach 27 Jahren als Kapellmeister der Jugendtrachtenkapelle den Taktstock aus der Hand legte. Zahlreich und bunt waren die Worte der zahllosen Festgäste – und genauso verhielt es sich mit den Melodien, mit denen sich Gratzl bei einem letzten Stelldichein mit dem Dirigentenpult und seiner Kapelle in den musikalischen Beinahe-Ruhestand verabschiedete.

Musik als erste Liebe
"Wenn der Josef ruft, bin ich zur Stelle! Ich ziehe meinen Hut vor ihm, wenn er was angreift, hat es Hand und Fuß!" Andreas Pfandler, den seit einer Zusammenarbeit mit Gratzl an einem Schul-Musical eine Freundschaft verbindet, spielte unter der Leitung des frisch mit der Floriani-Plakette des NÖ Feuerwehrverbandes geehrten Josef Gratzl bei "Music Was My First Love" groß auf. Seiner Frau Susanne widmete Gratzl neben 27 Rosen und den Worten "es ist wohl kaum erstrebenswert, mit einem Kapellmeister verheiratet zu sein" ein buntes Potpourri aus ihrem Lieblings-Musical "Les Misérables" – genauso virtuos wie der restliche Abend intoniert von den Musikern, von denen alleine 53 bei Gratzl musikalisch unterrichtet wurden! Wobei Gratzl auch mit Juli 2017 seinen Beruf als Musiklehrer an den Nagel hängt.

Lang ist es her!
"1971 hat mein Vater die Kapelle gegründet, damals war das noch ganz klein, und ich bin seit 1972 dabei, damals war ich ein kleiner Trommler", plauderte Josef Gratzl aus dem Nähkästchen. Mit der Zeit hat er den Vater dann als Kapellmeister vertreten – "wenn er keine Zeit hatte" – und dann kam die Ausbildung zum Kapellmeister. Die hat sich bezahlt gemacht: 32 Jahre lang hat die Kapelle in Folge Höchstnoten bei Leistungsbewerben errungen!

Wir sind anders!
Zahlreich sind die Verdienste des scheidenden Kapellmeisters – doch eines liegt ihm besonders am Herzen: "Die Kontakte zu anderen Kapellen und in andere Länder sind wohl einzigartig – zumindest in der Region!" So haben die Großschönauer schon beim Bürgermeister von Korfu gespielt und waren europaweit unterwegs – genauso wie sie im Laufe der Jahre mehrere Tausend Kapellen im Heimatort begrüßen konnten. Darüber freute sich auch Bürgermeister Martin Bruckner: "Josef ist ein Vorbild, das zeigt, was man zu leisten imstande ist!" Etwas anders waren auch die Weisen, die erklangen: So beispielsweise "Erinnerung an Zirkus Renz" mit David Halasz am Xylofon.

Taktstock wandert!
Der eine zieht sich zurück (Josef Gratzl bleibt aktiv, er hat schon Gutscheine für einen Tuba-Kurs bekommen), der andere kommt: Gerald Hofbauer, der bei seinem Vorgänger die Blockflöte gelernt hat, nimmt nun die Leitung in die Hand. Zwölf Jahre als Stellvertreter und seine musikalische Laufbahn haben ihn gut vorbereitet – vor Ideen sprüht er auch schon: "Die 'Geschichten aus dem Wienerwald' möchte ich gern einmal mit der Kapelle aufführen!"
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