10.10.2017, 12:00 Uhr

Gmünd: Rettet die Smombies!

Hoppala. Diese Begegnung könnte übel für die Fußgängerin ausgehen, die ihre Augen nicht von den Handys lösen kann. (Foto: Mikscha)

Die Bezirksblätter suchten die größten Gefahrenquellen für Handy-Junkies im Bezirk Gmünd.

GMÜND. In St. Pölten wurde Niederösterreichs erster Airbag um eine Laterne montiert. Hintergrund: Smartphone-Zombies, sogenannte „Smombies", sollen vor schmerzhaften Kollisionen geschützt werden. Die Aktion des Kuratoriums für Verkehrssicherheit hat einen ernsten Hintergrund: Im Jahr 2016 gab es 1.560 Unfälle mit Fußgängern im Straßenverkehr durch Ablenkung, 16 Personen starben. Wir haben uns im Bezirk umgesehen, wo die größten Smombie-Fallen lauern. Viele davon gibt es in jeder Stadt: Laternen, Papierkörbe, Verkehrszeichen.


Frontal gegen den "Hinkelstein"

In Gmünd besteht für handyaffine Blockheidebesucher auch noch die Chance, einen der zahlreichen "Hinkelsteine" im Naturpark näher als beabsichtigt kennenzulernen oder noch schlimmer, sich selbst samt Smartphone in einem der Mondteiche zu versenken, wenn das Auge nicht und nicht vom Bildschirm will. In Weitra stünde ein Sturz von der Stadtmauer ganz oben auf der Gefahrenliste, in Schrems böte sich ein Moor zum Versinken oder mehrere Steinbrüche zum Abstürzen an. In Heidenreichstein wäre der in der Stadtmitte gelegene Schlossteich rund um die Burg auch ein idealer Ort, um unfreiwillig baden zu gehen, für Personen, die ihren Blick nicht von den im Sekundentakt eingehenden WhatsApp-Nachrichten lassen können. In Litschau schließlich böte sich am Stadtplatz die eine oder andere Stufe an, über die man sich stürzen könnte und der große Herrensee samt Spazierweg hätte auch ausreichend Potenzial für Verletzungen aller Art für Smartphone-Junkies.


Handynutzer gefährden Umfeld

Deutlich ernster nimmt Bezirkspolizeikommandant Wilfried Brocks die Versuchung unter die Lupe, dauernd und immer aufs Handy-Display zu blicken, anstatt auf die Straße: „Im Bezirk Gmünd halten sich die polizeilichen Einsätze nach Vorfällen mit sogenannten ‚Smombies’ derzeit noch sehr in Grenzen. Wenn man aber die Filmclips in den sozialen Medien ein wenig verfolgt, tauchen immer wieder Szenen auf, wo es zu Unfällen und gefährlichen Situationen kommt. Smartphone-Benutzer fallen in öffentliche Springbrunnen oder entgehen nur um Haaresbreite einer Kollision mit Fahrzeugen. So lustig das in diesen Clips anmutet, so ernst ist der Hintergrund. Wer seine gesamten Sinne und seine Konzentration auf ein Handy konzentriert, nimmt seine Umwelt nicht mehr vollständig wahr. Dadurch gefährden sich Handynutzer unter Umständen selbst und in Bezug auf den Straßenverkehr auch andere Verkehrsteilnehmer. Deshalb der Appell, beim Gehen und vor allem in Straßennähe die Konzentration auf den Verkehr zu lenken, um nicht als ‚Smombie’ zu enden.“

KFV Tipps: für SMS- und Social-Media-Checker, Vieltelefonierer, Beim-Gehen-Esser, Musikhörer und Tagträumer:

• Höchste Konzentration, vor allem beim Queren von Straßen bzw. Kreuzungen, auch auf Wegen, die man in und auswendig kennt.
• Stopp- und Aufmerksamkeitspunkte schaffen: Die Gehsteigkante bewusst wahrnehmen und davor stehen bleiben.
• Beim Überqueren der Straße gibt es keine Kompromisse: Hier gilt Stoppen – vom Handy aufsehen/Hörer weg vom Ohr/Kopfhörer runter nehmen – Schauen – Gehen.
• Wenn möglich einen Zebrastreifen nutzen (Pflichtnutzung innerhalb von 25 Meter Entfernung!) und nicht zwischen den Autos durchschlängeln. Ist dies unvermeidbar, dann langsam und vorsichtig so weit vortreten, dass Sie gesehen werden.
• Blickfeld vor dem Stehen bleiben und vor dem Losgehen bewusst auf das Umfeld nach vorne und unten erweitern; nach vorne auf die Richtung und Hindernisse; nach unten auf Kanten und taktile Bodenindikatoren, wie bspw. den Rillenlinien entlang von Bahnsteigkanten oder den taktil markierten Einstiegsstellen an Haltestellen.
• Bewusst auf Geräusche achten. Das akustische Auffindesignal von Ampel-Leitsystemen (hörbares Klacken) kann ein Warnhinweis dafür sein, nun erhöht aufmerksam zu sein.
• Queren sie Straßen und Kreuzungen nicht diagonal, da es so schwieriger ist den Verkehr aus allen Richtungen im Blick zu haben.
• Bleiben sie beim SMS-Tippen oder E-Mail-lesen stehen oder gehen sie an der Hausseite des Gehsteiges. Stopp- und Aufmerksamkeitspunkte immer beachten.
• Auch am Gehsteig gilt es visuell und akustisch möglichst aufmerksam zu sein, insbesondere da Kinder und Jugendliche oft mit Rollern, Skateboards und dergleichen unterwegs sind.
• Blickkontakt zum Fahrer eines nahenden Verkehrsmittels aufbauen und nicht auf das Vorrecht auf dem Schutzweg verlassen. Auch die Fahrer könnten abgelenkt sein. Geben Sie auch einmal freundliche Handzeichen.
• Auf Blitzaktionen verzichten: Geduld ist nicht nur eine Tugend, sondern gelebter Selbstschutz im Straßenverkehr, vor allem wenn man gleichzeitig telefoniert, isst oder E-Mails checkt.

Zur Sache

42 Prozent der niederösterreichischen Fußgänger sind beim Queren einer Straße erkennbar abgelenkt – das zeigt eine neue Beobachtung des KFV. Demzufolge sind die Niederösterreicher im Bundesländervergleich als Fußgänger mit Abstand am unaufmerksamsten.
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