02.06.2017, 08:09 Uhr

Horror-Unfall in Heidenreichstein fordert ein Todesopfer und eine Schwerverletzte

Die schwerstverletzte 76-jährige Frau wurde mit dem Notarzthubschrauber ins UKH Linz geflogen. (Foto: Symbolfoto/Pehab)

Schaulustige fotografierten aus nächster Nähe und behinderten Einsatzkräfte

HEIDENREICHSTEIN. Ein 86-jähriger Pensionist aus Heidenreichstein fuhr vormittags mit seinem PKW von Heidenreichstein auf der B 5 aus Richtung Schrems kommend in Richtung Eisgarn. Bei der Ampelkreuzung reihte er sich zum Linksabbiegen in die Friedhofgasse ein. Er war angegurtet und das Tagfahrlicht war aktiviert. Da die Ampel grün zeigte, fuhr er bis kurz vor die Kreuzungsmitte, musste allerdings, weil Gegenverkehr kam, anhalten. Die Ampel begann laut seinen Angaben grün zu blinken und sprang dann auf Gelb über.

Pensionist wollte Kreuzung frei machen

Um den Kreuzungsbereich frei zu machen, wollte er nach links abbiegen. Als er losfahren wollte, sah er einen aus Richtung Eisgarn entgegen kommenden PKW, der seiner Schätzung nach noch knapp dreißig bis vierzig Meter vom Kreuzungsbereich entfernt war. Der Pensionist nahm an, da die Ampel gelb zeigte, dass der Entgegenkommende wohl stehen bleiben werde. Bevor er losfahren wollte, kam es auch schon zu einem Zusammenstoß zwischen ihm und dem entgegenkommenden Fahrzeug, beziehungsweise dessen Anhänger. Das Fahrzeug wurde vorne schwer beschädigt.

Tscheche wollte Kreuzung bei gelb passieren

Aus Sicht des 32-jähriger Tschechen ereignete sich der Unfall folgendermaßen: Er kam aus Richtung Eisgarn zum Kreuzungsbereich und fuhr laut seinen Angaben mit ca. 50 km/h und war beim Aufleuchten des gelben Lichtes der Ampel noch circa einen Meter von Anhalte-Linie entfernt. Beim Näherkommen hatte er gesehen, dass im Kreuzungsbereich ein PKW zum Linksabbiegen stand. Nachdem er bereits in den Kreuzungsbereich eingefahren war, merkte er, dass der im Kreuzungsbereich stehende PKW plötzlich zu Fahren begonnen hatte und nach links abbiegen wollte. Der Tscheche konnte mit seinem Auto das Fahrzeug des Pensionisten noch passieren, doch der Pensionist prallte gegen den Anhänger des Tschechen.

Anhänger mähte Passantinnen nieder

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Audi des Tschechen um 180 Grad gedreht und kam in Fahrtrichtung Eisgarn auf der Gegenfahrbahn zum Stehen. Der Anhänger brach unmittelbar nach dem Zusammenstoß nach rechts aus und erfasste die am Gehsteig, auf der Seite der Raiffeisenbank stehenden 76- und 74-jährigen Pensionistinnen aus Heidenreichstein.

Die 76-Jährige wurde auf die Oberfläche des Anhängers geschleudert wo sie zum Liegen kam. Die 74-Jährige wurde unter dem Anhänger, der schließlich quer zum Fahrbahnrand zum Stillstand kam, mitgeschleift.
Ein im Audi des Tschechen mitfahrender 21-Jähriger konnte zum Unfallgeschehen nur vage Angaben machen, da er mit seinem Mobiltelefon beschäftigt war.

Tot und schwerstverletzt

Der Notarzt konnte bei der 74-Jährigen, da ein offenes Schädelhirntrauma vorlag, trotz eingeleiteter Sofortmaßnahmen nur mehr der Tod feststellen.
Die 76-jährige Frau, die auf den Hänger geschleudert wurde, hatte im Bereich der beiden Beine schwere Verletzungen mit offenen Brüchen und freiliegenden Knochen erlitten.

Laut Notarzt waren am ganzen Körper noch weitere Verletzungen vorhanden. Die Schwerverletzte wurde vom Hubschrauber „Christophorus“ ins AUKH Linz geflogen. Beide Lenker und der Beifahrer wurden nicht verletzt.
Ein mit beiden Lenkern an Ort und Stelle durchgeführter Test mit dem Alkomaten verlief negativ, beide 0,00mg/l. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Krems wurden beiden Fahrzeuge vorläufig sichergestellt.

Feuerwehren im Einsatz

Die Feuerwehren Heidenreichstein, Altmanns, Seyfrieds und Eberweis waren mit ca. 30 Mann im Einsatz. Zudem waren vier Rettungswagen, ein Notarztwagen und der „Christophorus“-Hubschrauber anwesend. Die B 5 musste bis 12:39 Uhr gesperrt werden.

Bei dem Unfall wurde außerdem die Standampel aus der Verankerung gerissen und ein Werbeständer umgefahren.

Sensationsgier bei Schaulustigen

Unvorstellbare Sensationsgier herrschte bei einigen Teilen der Bevölkerung, Fotos mit Mobiltelefonen, wenn möglich aus nächster Nähe wurden gemacht. Bei Aufforderung durch die Einsatzkräfte, den Unfallort zu verlassen, kam es zu Unmutsäußerungen wie: "Ich kann stehen wo ich will, ich fotografiere wo und wann ich will."

Wahrung der Privatsphäre der Opfer

Bezirkspolizeikommandant Wilfried Brocks findet scharfe Worte für das Verhalten der Schaulustigen: "Bei solchen, spektakulären Verkehrsunfällen kommt es wiederholt dazu, das Privatpersonen in den innersten Kreis, wo die Einsatzkräfte arbeiten und ermitteln müssen, vordringen um zu fotografieren oder filmen. Ich möchte ganz stark betonen, dass dieser Bereich den Einsatzkräften vorbehalten ist und dass es rechtliche Maßnahmen gibt, dass man Personen, die auf mündliche Anweisungen nicht reagieren, mit entsprechend maßhaltendem Zwang von dort entfernen kann. Damit man sicherstellen kann, dass die nötige Arbeit dort gemacht werden kann und außerdem, um die Privatsphäre der Opfer zu wahren. Es muss jeder selbst darüber nachdenken, ob er das wollen würde, wenn er selbst das Unfallopfer wäre, dass jemand am Unfallort herumsteht, der die Einsatzkräfte behindert und das Leid der Opfer fotografiert!"
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Manfred Österreicher aus Gmünd | 02.06.2017 | 19:40   Melden
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