18.09.2014, 12:00 Uhr

Kommentar zum Abend der Begegnung in Heidenreichstein von Michael Mikscha

Es waren interessante drei Stunden, in denen man die Möglichkeit hatte, Vorschläge zu einem besseren Miteinander zu bringen und vor allem auch Schicksale kennenzulernen. Der verängstigende Asylant (man kann sich ja nachts nimmer auf die Strasse trauen, wenn die unterwegs sind!) kriegt ein anderes Gesicht, wenn man weiß, warum und wie er nach Österreich gekommen ist. Mal ehrlich: Wer würde nicht flüchten, wenn ihm der Tod vor Augen steht? Mehrere Tausend Euro auf den Tisch eines Cafes in Istanbul zu blättern und nicht zu wissen, ob man am vereinbarten Ziel lebend ankommt ist eine Vorstellung, die schon zu denken gibt. Wenn das Boot, das einen übers Mittelmeer bringen soll zu schwer ist, werden einfach ein paar Passagiere über Bord geworfen. Und tschüss Europa! Lassen Sie das mal auf sich einwirken!

Wenn man bedenkt, dass die Meisten Asylwerber verheiratet sind und Kinder haben, die eben teilweise noch in der Heimat sind, weil die Flucht für eine ganze Familie viel zu teuer wäre und deshalb auf die Familienzusammenführung gehofft wird, sollte man sich als Frau nicht mehr allzusehr fürchten müssen. Klar, das Unbekannte schreckt ab, und es sind nicht alle Kulturen gleich, aber man sollte nicht Feuer schreien ohne die Flamme auch wirklich gesehen zu haben! Es gibt viele Vorurteile, aber sie können abgebaut werden, wenn Menschen aufeinander zugehen können und es auch wollen! Meine Kinder und ich haben vor Kurzem auf dem Spielplatz mit Tschetschenen- und Türkenkindern herumgetollt. Man stelle sich vor: Es hat gar nicht wehgetan! Ich hatte das Gefühl, dass sie es gar nicht so richtig "packten", dass sie da von einem Österreicher am Karussell gedreht werden. Und es war lustig!

So nebenbei: Vom berühmt-berüchtigten "Sozialschmarotzer" kann wohl kaum die Rede sein, wenn man nicht arbeiten darf und am Tag 5,50 Euro bekommt. Bei diesem Stundensatz geht so mancher um die uns von den Asylanten weggeschnappten Arbeitsplätze besorgte Bürger lieber "beim AMS arbeiten" und sitzt zu Hause vorm neuen Flatscreen, während er in seinen Designerklamotten mit dem tollen Smartphone im Internet surft...
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