27.09.2014, 11:38 Uhr

Machen wir uns doch sichtbar!

Es gibt auch eine einfache Lösung, um Heidenreichstein attraktiver zu machen!

HEIDENREICHSTEIN (mm). Stadtgespräch Nummer 9 am 26. September in der Käsemacherwelt drehte sich um Motive fürs Kommen, Gehen und Bleiben in der Burgstadt. Die Podiumsgäste, teils gebürtige Heidenreichsteiner, teils "Zuagroaste", warfen kritische Blicke auf die Situation der ehemaligen Industriemetropole des Waldviertels. Man war sich einig über die hohe Lebensqualität in der Region und dass die industriellen Glanzzeiten der 70er Jahre sich wohl nicht wiederholen würden. Das derzeitige Tief gebe allerdings auch die Möglichkeit, Neues zu beginnen.

Meckern hilft nicht

Das "Heidenreichsteiner Trauma" wurde von Alice Wittig beschworen. Nur zu sagen: "Was wir alles mal hatten..." bringe doch nichts. Man müsse was tun. Als bezeichnend wurde empfunden, dass immer die Selben bei Veranstaltungen zu finden seien und man die "Meckerer", die sich über ein zu geringes Angebot beklagen, sowieso nirgends sehe.

Ruhe alleine bringt es nicht

Ruhe wünscht sich der Großstädter und findet sie reichlich in und um Heidenreichstein. Damit einher geht ein großes Problem: Die Strassen sind fast menschenleer, Veranstaltungen werden wenig besucht, eine "Beislszene" gibt es so gut wie gar nicht. Gerade darin sahen die jüngeren Podiumsgäste ein großes Problem. Für ihre Altersgruppe bietet die Burgstadt einfach zu wenig, und das nicht nur abends. Auch tagsüber fragt man sich so wie Franz Schandl: "Wo sind die Menschen?" Das Rezept von Waltraud Hetzendorfer: "Macht Euch sichtbar! Geht zu Fuss, belebt die Strassen!" Wenn alle nur zu Hause säßen oder jeden noch so kleinen Weg mit dem Auto machen, müsse doch der Eindruck einer ausgestorbenen Stadt entstehen.

Was fehlt?

Der gebürtige Heidenreichsteiner Christoph Handl moniert zu wenig Jobs in neuen Branchen wie IT und Technik. Hier nahm man jedoch auch die Jugend in die Pflicht, bei der ein immer geringeres Interesse geortet wurde, sich selbständig zu machen und so ihrerseits Arbeitsplätze zu schaffen. Alice Wittig bemängelt fehlende günstige Wohnungen, um hier Fuß fassen zu können. Auch der öffentliche Verkehr, der durch das Solartaxi einen guten Impuls bekommen hat, benötigt Ausbau, hier vor allem die Anbindung nach Wien und Sankt Pölten. Diese Massnahmen könnten dazu führen, Heidenreichstein wieder attraktiver für junge Menschen zu machen. Was wünschenswert wäre, sind doch 50% aller Heidenreichsteiner über 50 Jahre alt! Laut wurde auch der Ruf nach zeitgemässen Bildungseinrichtungen. So sei eine HTL in der Region mehr als überfällig, die nicht nur durch die Schüler Einnahmen generiere, sondern auch Betriebe anziehe und damit auch wieder Jobs schaffe. Fehlende Einkaufsmöglichkeiten in manchen Bereichen wurden zwar als Tatsache anerkannt, auch hier ist jedoch jeder Einzelne dazu aufgerufen, lokale Betriebe zu unterstützen und damit zu erhalten.

Es gibt doch Gutes!

Bei allen Ecken und Kanten, die Heidenreichstein aufgrund jüngerer geschichtlicher Ursachen nun mal hat, punktet es doch in wichtigen Bereichen: Die Lebensqualität ist super, Einkaufsmöglichkeiten sind weitestgehend ausreichend vorhanden und leicht erreichbar. Den Waldviertler Handwerkern wurde ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt, wodurch die Region doch auch für Häuslbauer attraktiv sei. Und wenn man etwas genauer schaue, hätte die Stadt viel zu bieten. Gerald Neumeister, Heidenreichsteiner und in Wien und Berlin beruflich angesiedelt, brachte es auf den Punkt: Die Gegend fühlt sich gut an!

Das Fazit?

So vielfältig wie die Menschen sind die Gründe, sich an einem Platz anzusiedeln, zu bleiben oder auch zu gehen. Es sind kleine Schritte, die jeder Bürger machen kann, um sein Umfeld lebenswerter zu machen. Ein Erster ist: Aufstehen anstatt die Hände in den Schoß zu legen und zu meckern - und bei der nächsten Veranstaltung einfach mal dabei sein!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.