10.01.2018, 10:33 Uhr

Mit Gottvertrauen zum 107er

Im Bezirk Gmünd leben fünf Hundertjährige. Wir haben eine davon nach ihren Geheimnissen befragt.

BEZIRK. Als Margarete Tröstl geboren wurde, zerfiel gerade die Donaumonarchie und aus den Trümmern entstand die Republik Österreich. Ihre Jugend war geprägt durch die Wirtschaftskrise, als sie 20 Jahre alt war, ging die Erste Republik unter und der Zweite Weltkrieg begann. Heute lebt Frau Tröstl im „Moorbadheim“ in Schrems und blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Zum Start unserer Serie „Der Methusalem-Code“ haben wir sie besucht und nach ihren Geheimnissen für ein langes Leben befragt. Beim Betreten des Zimmers ist die älteste Bewohnerin des Landespflegeheims gerade am Telefon – im Gespräch mit ihrem Sohn, der heute ausnahmsweise einmal nicht zu Besuch ist. "Er kommt aber fast jeden Tag, oft sogar zweimal!" Dieser Kontakt und der zu den Schwestern, ihren Engeln, hält Margarete Tröstl fit. Nicht nur einmal lacht sie über schöne Erinnerungen – und wird nachdenklich bei den dunklen Kapiteln.

Leicht war es nicht

"Ich hab keine Riviera gebraucht, ich war immer daheim und in der gesunden Natur!" Das scheinbar einfache Rezept für ein hohes Alter hat bei genauerem Hinhören ernste Hintergründe. Bereits früh hat die am 26. Februar 1911 Geborene gearbeitet, teils in der Fabrik, teils in der Bahnwerkstätte im damaligen Gmünd 3, wo sie auch aufwuchs: "Dort hatte ich eine wichtige Position!" Das Geld lieferte sie der Mutter als Kostgeld ab, viel hatte sie nicht, aber: "Ich hatte immer gutes Gewand und genug zu essen, ich war zufrieden, ich brauchte nicht mehr!" Ein Auto hat sie nie besessen, Fahrrad oder Zug taten es auch. Körperliche Betätigung als Methusalem-Code? Bis 2012 hat sie alleine gewohnt – mit 101 Jahren! Gelesen hat Margarete Tröstl immer gerne (jetzt mögen die Augen nicht mehr so), heute redet sie gerne über alte Zeiten. So auch über ihren Vater, der 103 Jahre alt wurde und den sie in seinen letzten Lebensjahren gepflegt hat. Liegt es in der Familie? Kann sein, aber eines zieht sich durch das Gespräch, das mit Erinnerungen an die Heirat im Jahr 1934 oder die "Kampfjahre" – die Weltkriege – durchwirkt ist: "Gottvertrauen hat mir sehr geholfen. Wenn mich der Herrgott so lässt, wie ich bin, dann bin ich zufrieden!" Zufrieden ist sie auch mit ihrer Heimat: "Ich bin eine Gmünderin, dahoam is dahoam – aber es gefällt mir auch hier!" Hier ist das Heim, wo sie gerne ihren Kaffee trinkt, eine Sachertorte genießt (bitte mit Schlagobers!) und sich auf einen Schweinsbraten mit Knödeln freut. Der Methusalem-Code ist geknackt: Gesunder Geist und gesunder Körper, dann klappt es mit dem Hunderter!

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