25.06.2017, 09:55 Uhr

Ohne die Kleinen haben es die Großen schwer!

GMÜND/SCHREMS (mm). "Nun ja, die Fischer sind natürlich manchmal nicht so begeistert von den Fischaufsteigshilfen" räumt Franz Höllrigl ein, der gemeinsam mit Michael Prinz für eine der ersten Aufstiegshilfen im Bezirk zuständig ist. Warum? Einige Fischer setzen Fische ein, dann gibt es zwei Wehre, und da können die Fische nicht aus. Mit den Aufstiegshilfen, die außerdem in den nächsten Jahren verpflichtend überall aus den Flüssen schießen werden, dürfte also der Unmut der Petrijünger vorprogrammiert sein.

Renaturierung

Das Gmünder Bauwerk in einem Seitenarm der Lainsitz ist weitgehend aus Natursteinen aus dem Fluss errichtet und konnte aufgrund der örtlichen Gegebenheiten - der Seitenarm ist Gemeindeeigentum, das Gefälle gering - preisgünstig und vor allem harmonisch in das idyllische Malerwinkel integriert werden. Dass die örtliche Textilindustrie als Abwasser-Einleiter keine große Rolle mehr spielt tut den Fischen gut, die sich beim Lokalaugenschein trotz Niedrigwasser fröhlich im Wasser tummeln. Dafür verantwortlich ist auch die Betreuung während der Bauphase durch eine Biologin - denn immerhin müssen Fische einer gewissen Größe durchkommen.

Biologie vom Kleinsten

Im Unterwasserreich kann man sehen, wie lebendig die einheimischen Gewässer eigentlich sind: Plankton kennt man in erster Linie als das, was Wale fressen, aber daß sich diese kleinen Lebenwesen auch in heimischen Teichen finden und es im Moor - das ein riesiger Wasserspeicher und sogar Hochwasserschutz ist - sogar fleischfressende Pflanzen gibt, weiß kaum jemand. So nimmt das Moor beispielsweise nur zwei Prozent der Erdoberfläche ein, speichert aber pro Kilogramm Torfmoos bis zu 30 Liter Wasser und speichert weltweit mehr Kohlenstoff als der gesamte Regenwald. Das Moor ist außerdem Lebensraum für seltene Tierarten und teilt sich damit die Aufgabe mit den Gewässern. Die Nahrungspyramide - von Kette kann hier keine Rede sein, so Barbara Dolak vom Unterwasserreich - fängt bei den Winzigsten an. Einen Kubikmeter Pflanzliches Plankton braucht es um ein Kilogramm Fisch zu "erzeugen" - folglich sieht es ohne Plankton eher mau um unseren Weihnachtskarpfen oder auch Fischstäbchen aus. So nebenbei ist der Karpfen an und für sich der einzige zum Verzehr empfohlene Speisefisch. Und wo lebt er gerne? In den Waldviertler Gewässern! Um so wichtiger ist es gerade bei uns, die Gewässer einerseits sauber zu halten und andererseits nicht für noch mehr Nutzflächen zu opfern bzw. im Falle von Flüssen zu begradigen. Damit nimmt man den Fischen die Nahrung in Form von Plankton, das ruhige Gewässer wie zum Beispiel Seitenarme von Flüssen und Bächen braucht. Renaturierung tut hier also mehr als not!

Moor ist Gatsch?

1000 Jahre hat es gedauert, bis ein Meter Moor entstanden ist, und Moor konnte nur an bestimmten Stellen entstehen. Der Boden im Waldviertel war dazu bestens geeignet - leider wurde das Moor bis in die 80er-Jahre als Bautorf abgebaut. Und zurückholen geht leider nicht. Wer bis hier her gelesen hat, weiß um die Rolle des Moores und sollte beim nächsten Kauf von Erde genau drauf schauen, wie viel Torf darin enthalten ist. Denn weil unser Torf aufgrund des Abbauverbotes in Österreich importiert werden muss, schädigen wir eben die Natur wo anders - und uns selbst (siehe oben).

Empfindliche Öko-Systeme

Flüsse und Teiche sind hoch komplex und beherbergen Tiere die die meisten von uns noch nie gesehen haben. Wenn sie dann plötzlich in einem Glas vermeintlich dreckigen Wassers unter dem Mikroskop sichtbar werden und ihre Aufgaben klar werden, wird der Blick auf das kostbare Nass in unseren Gewässern plötzlich ein ganz Anderer. Denken Sie mal darüber nach, wenn die nächsten Fischstäbchen aufs Teller kommen!
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