10.09.2014, 09:27 Uhr

Sommerakademie in Weitra: Auf der Suche nach der Heimat

Barbara Coudenhove -Kalergi wurde mit dem Waldviertel Akademie Preis ausgezeichnet. (Foto: Foto: privat)

Europa, Österreich und das Waldviertel standen bei den bereits 30. Internationalen
Sommergesprächen der WALDVIERTEL AKADEMIE im Mittelpunkt.

WEITRA. Themen, die am Puls der Zeit liegen, wurden behandelt und mit einem grandiosen Publikumszuspruch von mehr als 850 Personen belohnt. Große Highlights waren die Auftritte von Barbara Coudenhove-Kalergi und Robert Palfrader.

Viele Fragen

Was bedeutet „Heimat“? Wie und wo finde ich sie und warum ist sie so wichtig für uns? Wie verhält es sich mit den Identitäten im europäischen Raum? Aber auch: Wie können Infrastrukturproblematiken in vernachlässigten Regionen klären? Wie wichtig sind Bildung, Wirtschaft und Energie in Europa, wie geht es in diesen Bereichen weiter und was bringt die Zukunft? Diese und noch viele weitere Fragestellungen wurden von der WALDVIERTEL AKADEMIE im Rahmen der 30. Internationalen Sommergespräche in Weitra aufgegriffen und mit hochkarätigen Experten und unter großer Beteiligung der regionalen und überregionalen Bevölkerung bearbeitet und beantwortet.

Zahlreiche Experten
Barbara Coudenhove-Kalergi, Erhard Busek, Peter Kampits und Bernd Marin –
zahlreiche namhafte Experten und Referenten waren in Weitra zu Gast. Bereits bei der Eröffnung im wunderschönen Ambiente auf Schloss Weitra wurde die Vielschichtigkeit des diesjährigen Themas aufgezeigt. Die Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi, die für ihre Verdienste um die österreichisch-tschechische
Nachbarschaft auch mit dem WALDVIERTEL AKADEMIE-Preis 2014 gewürdigt wurde,
erzählte ganz persönlich aus ihrem Leben und wurde dafür auch mit minutenlangem Applaus empfangen.

Heimat & Identität

Mit Heimat und Identität beschäftigten sich auch der Philosoph Peter Kampits und
Vizekanzler aD Erhard Busek. Beide wiesen – wie auch die Diplomatin Garbiele Matzner-Holzer – auf die großen Herausforderungen der Europäische Union hin, betonten aber auch die Wichtigkeit dieses historischen Friedensprojektes. „Mit Heimat ist sorgsam umzugehen, um Wurzeln erhalten zu können“, so Busek. Während Bernd Marin auch die soziale Komponente aufzeigte, führten die beiden Verkehrsplaner Hermann Knoflacher und Christian Popp eine emotionale Debatte über die Zukunft der Infrastruktur.


"Heini Staudinger" als Publikumsmagnet

Als absoluter Publikumsmagnet erwies sich auch die Kooperation mit der Waldviertler Schuhwerkstatt in Schrems. Neben einer Betriebsführung durch den „Bankenrebell“ selbst, stand dieser danach gemeinsam mit Christian Felber, Sonnentor-Chef Johannes Gutmann und Volker Fuchs im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Arbeiten im globalen Dorf Europa.“

Palfrader & Guggenberger

Robert Palfrader begeisterte mit Texten aus dem europäischen Raum. Als großes Highlights kristallisierte sich auch die neu geschaffene Zusammenarbeit mit dem
Wald4tler Hofhteater in Pürbach unter der Führung von Harald Gugenberger heraus. Der Schauspieler Robert Palfrader konnte für eine Lesung mit Texten aus dem europäischen Raum (unter anderem von Robert Menasse, Christine Nöstlinger, Lotte Ingrisch, Karl-Markus, Gauß, Ödön von Horvath und vielen anderen) gewonnen werden und begeisterte dabei – gemeinsam mit den Gitarristen Ossy Pardeller und Goran Mikulec – den vollen Theatersaal.
„Ich fühle mich bei euch einfach wohl“, bekundete Palfrader auch seine ganz persönliche Liebe zum Waldviertel.

Wirtschaftsmatinee mit Schulmeister und Marin als Abschluss

Den krönenden Abschluss der Sommergespräche 2014 bildete das Wirtschaftsmatinee in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel und der Firma Eaton in Schrems. Stephan Schulmeister und Bernd Marin lieferten sich einen interessanten Schlagabtausch und sprachen unter anderem über die Bedeutung der Wirtschaft, Arbeit, Politik und Wohlfahrtsstaat in Europa. „ Die Entfremdung einer wachsenden Zahl von BürgerInnen in Europa von ihrer EU vertieft die Inkohärenz zwischen nationaler und europäischer Identität, es fällt rechtspopulistischen Parteien leicht, die Gefühle der Enttäuschung bis Verzweiflung auf ihre Mühlen zu lenken“, so Schulmeister.

Nationale und internationale Kooperationen als wichtige Säulen der Sommergespräche

Die Sommergespräche verstehen sich auch als internationales Forum, um die wichtigen Themen auf verschiedenen Ebenen behandeln zu können. Auch in diesem Jahr unterhielt die WALDVIERTEL AKADEMIE eine Reihe von wichtigen Kooperationen mit Bildungseinrichtungen (Donau-Universität Krems, Andrassy-Universität Budapest, Gymnasium Znaim, NMS Weitra) und Organisationen (u.a. Ökosoziales Forum Niederösterreich, Wirtschaftsforum Waldviertel, Wald4tler Hoftheater, Waldviertler Schuhwerkstatt, Filmforum Gmünd uvm.), die zu einem gelungenen Programm beitrugen. Erwähnenswert dabei war auch die Ausschreibung von zahlreichen Stipendien für Studentinnen und Studenten aus Budapest und Znaim.

Offene Auseinandersetzung mit wichtigen Themen auch in Zukunft

Die WALDVIERTEL AKADEMIE setzte mit den diesjährigen Sommergesprächen ihre
mittlerweile dreißig Jahre andauernde Erfolgsgeschichte fort und zeigte dabei, dass sie die aktuellen und wichtigen Themen der Region und Zeit behandelt. Bei der Eröffnung konnte die bereits 15.000-Sommergespräche-Teilnehmerin begrüßt werden, mit mehr als 850 interessierten BesucherInnen 2014 konnte das hohe Niveau aus dem Vorjahr gehalten werden.

ZITATE 2014

"Ein Europa ohne Österreich und ein Österreich ohne Europa sind schwer denkbare Stellungen, die weder für Österreich noch für Europa Sinn geben.“
Erhard Busek, Vizekanzler aD, Präsident des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

„Heimat ist ein politischer Begriff, weil es in seinem Gehalt um das Zusammenleben der Menschen geht.“
Derselbe

„Europa lebt von seiner kulturellen, religiösen und historischen Vielfalt. Europas Chance liegt im Bewahren seiner Vielfalt aufgrund von Anerkennung.“
Peter Kampits, Philosoph, Donau-Universität Wien

„In politischem Sinn kann Europa sich nur als eine Absage an den Nationalismus verstehen.“
Derselbe

„Das vielfach beschworene „Europa der Regionen“ ist in Hinblick auf die erstarkten
Tendenzen zu einem neuen Zentralismus seitens der EU bisher kaum auf Resonanz
gestoßen.“
Derselbe

„Die gemeinsame Arbeit an einer humanen Zukunft schafft aber auch den Optimismus, der für ausdauerndes, konsequentes Handeln notwendig ist.“
Peter Weish, Naturwissenschafter, Universität Wien

„Die Macht des Bürgers beruht auf dem Fußgänger und dem Radverkehr, damit auch die Macht der Gemeinde. Was darüber hinaus geht, ist zunehmend fremdbestimmt, am meisten im Autoverkehr, der ein Konzernprodukt ist.“
Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte, Technische Universität Wien

„Energie ist ein Thema, das nicht an der Grenze aufhören soll. Ich freue mich über die guten Kooperationen.“
Ivana Klobušniková, Energy Centre Budweis, Tschechische Republik

„Sprachen sind wie Währungen. Sie haben einen unterschiedlichen Verkehrswert.“
Erwin Rauscher, Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich

„Pisa misst nicht Bildung, Pisa misst einige wichtige Qualifikationen.“
Karl Heinz Gruber, Bildungsexperte, Universität Wien

„Um einen Kurswechsel zur Erneuerung des Europäischen Sozialmodells zu erreichen, braucht es einen „New Deal für Europa“, der unternehmerische Aktivitäten in der Realwirtschaft systematisch besser stellt als Finanzalchemie.“
Stephan Schulmeister, Ökonom, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

Im Laufe der nächsten Monate wird auch eine Audio-Doppel-CD mit den wichtigsten
Beiträgen der Sommergespräche erscheinen. Auf dieser Dokumentation kommen nicht nur die Referenten der Sommergespräche in Weitra, sondern auch Experten der
Vorveranstaltungen (u.a. Karel Schwarzenberg, Brigitte Ederer oder Gudrun Biffl) zu Wort und wird um 10 € unter waldviertel.akademie@wvnet.at erwerbbar sein. Das nächste Highlight der Akademie ist der 30-Jahr-Festakt am 19. September 2014 im Stadtsaal in Waidhofen/Thaya, bei dem der Genetiker Markus Hengstschläger den Festvortrag halten wird.

Alle Fotos: Waldviertel Akademie
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