07.02.2018, 15:00 Uhr

"Where are all the Wirtn gone?"

Wirteehepaar Christine & Walter Malzer aus Hirschenschlag. (Foto: privat)
BEZIRK. Das gute alte Dorfwirtshaus mit Stammtisch und fixer wöchentlicher Schnapserrunde stirbt aus. Seit dem Jahr 2010 hat in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Ein BEZIRKSBLÄTTER „Lokal-Augenschein“ im wahrsten Sinne des Wortes …

Neun weniger in sieben Jahren

Im Jahr 2010 verfügte der Bezirk Gmünd über 94 Gasthäuser, 2015 waren es noch 90 und aktuell sind es nur mehr 85. Binnen sieben Jahren sank die Zahl also um neun Gasthäuser, die es nun nicht mehr gibt im Bezirk Gmünd. Zusätzlich zu den 85 Gasthäusern verfügt der Bezirk Gmünd noch über acht Restaurants und 18 Kaffeehäuser. Zum Vergleich: der deutlich größere Bezirk Zwettl nennt nur mehr 79 Gasthäuser sein eigen, dafür aber 9 Restaurants und 18 Kaffeehäuser. Noch "ungastlicher" geht es im Bezirk Horn zu: Wer dort gemütlich auf ein Bier gehen will, hat bezirksweit nur mehr 39 Gasthäuser zur Auswahl, im Jahr 2010 waren es noch 54.

Nachfolger gesucht

Dietmar Wenninger führt seit vielen Jahren ein klassisches Dorfwirtshaus in St. Martin. Sein Vater hatte es im Jahre 1965 gekauft, existieren tut das Gasthaus allerdings schon viel länger, nämlich seit etwa 1800, so Wenninger im BB-Gespräch. Mit ihm, der allerdings in absehbarer Zeit in Pension gehen wird, wird auch das Gasthaus in die Geschichte eingehen, so ferne sich nicht doch noch ein Pächter oder Käufer findet. Das sei nicht so einfach, denn bisher gebe es weder Kauf- noch Pacht-Interssenten. Für St. Martin wäre der potentielle Verlust des letzten verbliebenen Gasthauses sicher ein großer Schaden in vielerlei Hinsicht. Als Kommunikationsort einerseits, nicht zuletzt aber auch für die Nachmittagsbetreuung der Volksschul-Kinder, denn das Mittagessen nehmen die Kinder im Gasthaus ein, die Kindergartenkinder bekommen es in den Kindergarten geliefert.
Bürgermeister Peter Höbarth sieht noch nicht ganz schwarz, denn: "Das ist ein gut gehendes Gasthaus, ein "Kirchengasthaus" mit guter Frequenz. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich noch ein Käufer oder Pächter findet. Als zusätzlichen Anreiz gibt es die Möglichkeit für "Essen auf Rädern zu kochen" und auch weiterhin die Kinder im Kindergarten sowie die Volksschulkinder in der Nachmittagsbetreuung zu bekochen."

Weiter in der Pension

In Hirschenschlag, ganz im Norden des Bezirkes betreiben Christine und Walter Malzer seit 1980 ebenfalls ein Dorfgasthaus, wo auch für die Gäste gekocht wird. Beide sind schon in Pension, betreiben ihr Gasthaus aber noch weiter. Nachfolger gibt es keinen, daher wenn das Gasthaus endgültig geschlossen wird, bleibt dem Ort nur mehr ein einziges anderes Gasthaus übrig. Leicht sei es nicht, ein Gasthaus in einem kleinen Dorf am Leben zu erhalten, berichtet Christine Malzer, denn: "Die Leute werden immer weniger. Die Jungen ziehen weg, die Alten sterben. Von unserer Schnapserrunde sind schon so viele gestorben." Thema Rauchverbot: In der Gaststube darf nach wie vor geraucht werden, im Saal nicht. Christine Malzer erzählt, sie sei selbst früher selbst Raucherin gewesen, nun aber wäre es ihr lieber, wenn ein Rauchverbot käme.
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