18.09.2014, 12:00 Uhr

Wie man in den Wald hineinschreit

Mit einem Abend der Begegnung am 17. September sollten die Wogen in der Heidenreichsteiner "Asylanten-Problematik" geglättet werden und Lösungen gefunden werden.

HEIDENREICHSTEIN (mm). "Vor Jahren hatten wir doch schon einmal ein Problem mit den Bosniern. Und schlussendlich haben die Heidenreichsteiner Männer mit ihnen Schach gespielt!" Warum soll nicht gehen, was schon einmal funktioniert hat - vor allem, wenn es nur etwas guten Willen braucht? Dies dürfte die Quintessenz des Infoabends im Pfarrheim gewesen sein. Immerhin gehen in den letzten Wochen die Wogen hoch in der Burgstadt. Gerüchte über "verhaltensauffällige" Asylanten, die andernorts Frauen belästigt haben sollen, machen die Situation nicht einfacher. Dass diesbezüglich kein Grund zur Sorge sei und diese Herren sich nicht in der Burgstadt aufhalten, betonte Herbert Eder von der Firma SLC, die die Betreuung der Flüchtlinge übernimmt.

Intensive Schicksale

Eine lange, mühselige und vor allem kostenintensive Flucht aus Kriegsgebieten steht für die Gäste aus Syrien, Tschetschenien und anderen Ländern an bevor sie es wagen dürfen, in Österreich Asylanträge zu stellen. Übrigens würden laut Eder 80 Prozent der Anträge NEGATIV abgeschlossen - somit abgelehnt! Jan Saria, ein mittlerweile in Graz lebender und bei einer Versicherungsgesellschaft arbeitender Syrer, der als Dolmetscher fungierte erzählte, dass seine Flucht immerhin 10.000 Euro gekostet habe. Dies ist natürlich nicht wenig Geld und da er in seiner Heimat einen guten Job gehabt hatte konnte er es ziemlich leicht aufbringen. Wenn man allerdings bedenkt, dass einige Hundert Menschen auf einem Boot, das für 40 Leute gedacht ist, übers Mittelmeer geschippert werden und eine Überlebensquote von 20 Prozent hierbei als normal angesehen wird, beginnt man zu begreifen, wie verzweifelt jemand sein muss, wenn er das trotzdem wagt. Genauso beeindruckend war die Erzählung eines Gastes, der von Griechenland ZU FUSS nach Österreich marschiert ist.

Warum arbeiten die denn nichts?

Schwierig für die Flüchtlinge sei, dass sie zwar arbeiten wollen, aber nicht dürfen solange sie in den betreuten Quartieren untergebracht seien, weil sie durch das Asylverfahren keine Arbeitsbewilligung bekommen. So bleibe eben nur das Abwarten und das Kontakthalten zu den Familien in der Heimat, die man natürlich raschestmöglich ins sichere Europa nachholen möchte. Interessantes Detail: Unter den anwesenden Asylwerbern waren unter Anderem ein Volksschullehrer, ein Arzt und ein Tischler! Bis zum Abschluss des Asylverfahrens dürfen nur Kommunen Arbeitsplätze an die Asylwerber vergeben - und diese um Löhne für die (Hand aufs Herz!) kein Österreicher arbeiten gehen würde sondern sich ins bequeme Sozialnetz lehnt. Der Vorwurf: "Jetzt nehmen sie uns diese Jobs auch noch weg!" sollte bei einem Monatslohn von 100 Euro haltlos sein. Ein Asylwerber brachte es auf den Punkt: "Wir kommen nicht um des Geldes willen! Wir können und wir wollen arbeiten!" So sei für die Meisten das Ziel, so bald als möglich in den Metropolen ansässig zu werden und dort Jobs zu bekommen.

Integriert Euch alle!

Angst vor dem Unbekannten ist verständlich. Dennoch kann Integration nur funktionieren, wenn beide Seiten etwas dazu beitragen. Dass es die Kinder durch den Schulbesuch leicht haben, Deutsch nachhaltig zu lernen liegt wohl auf der Hand. So sind Asylwerber-Kinder in der Schule unter den Klassenbesten zu finden. Die Erwachsenen Asylanten wünschen sich Einbindung ins Gemeindeleben. Was bringt ein Deutschkurs, wenn man niemanden hat, mit dem man sprechen kann? . Andrea Fraissl, Bereichsleiterin von SLC-Homecare gab hierzu zu bedenken, dass der Kontakt zu den "fremden" Mitbürgern ja auch einen faszinierenden Einblick in andere Kulturen geben kann.

Was geschieht nun wirklich?

Nach dem Überwinden der Staatsgrenzen steht das Überwinden der zwischenmenschlichen Grenzen auf dem Programm. Da Sport verbindet, bot Christoph Apfelthaler vom FC Heidenreichstein an, dass Kinder von Asylwerbern gerne die Trainings besuchen können. Martin Schuster von der Bühne Heidenreichstein denkt über interkulturelle Theaterprojekte nach und neben Filmabenden sind auch Kochkurse sowie Stadtführungen für die Asylwerber angedacht, bei denen sie ihre (zumindest) vorübergehende Heimat besser kennenlernen können.
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