Das Radeln ist des Pfarrers Lust

Pater Paulus Hobby ist die Stille, die er beim Radfahren genießen kann. Dafür legte er bereits tausende Kilometer zurück. Hier ist er in Santiago de Compostela.
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  • Pater Paulus Hobby ist die Stille, die er beim Radfahren genießen kann. Dafür legte er bereits tausende Kilometer zurück. Hier ist er in Santiago de Compostela.
  • hochgeladen von Carmen Rebecca Hammer

Schon als Kind war Pater Paulus fasziniert vom Kaplan, der einen sehr netten Umgang mit den Kindern pflegte und ihnen Perspektiven eröffnete. Zudem machte Pater Paulus bereits in frühen Jahren religiöse Erfahrungen. Auch seine Mutter war ihm ein spirituelles Vorbild. „Meine Mutter hatte eine natürliche Religiosität, die mich noch heute fasziniert. Zudem hatte sie ein Gespür für die richtigen Dinge. Diesen gesunden Glauben, der weder überängstlich noch fanatisch ist, versuche ich zu erreichen, allerdings auf meine Weise, denn ich muss meinen eigenen Weg gehen, so wie sie ihren gegangen ist“, so schildert Pater Paulus seinen Zugang zum christlichen Glauben. In der Maturaklasse am Bischöflichen Gymnasium fasste er schließlich den endgültigen Entschluss, Pfarrer zu werden. Druck von zu Hause gab es dabei keinen, es war schlicht sein Herzenswunsch. Die Eltern waren Landwirte und die Geschwister schlugen andere Karrieren ein. Ganz zurückgezogen als Mönch wollte er nie leben. „Es zog mich schon immer zu den Menschen. Die Seelsorge war immer mein Wunsch“, resümiert Pater Paulus.

Seelsorge

Seine berufliche Laufbahn begann im Stift Rein, danach war Pater Paulus 24 Jahre lang für die Pfarre Gratkorn tätig. 2004 wechselte er nach St. Bartholomä und St. Oswald bei Plankenwart und im Jahr 2010 kam auch noch Hitzendorf in seine Obhut. „Man sollte nicht ewig am gleichen Ort bleiben, daher war es Zeit zu wechseln“, erklärt Pater Paulus. Die Pfarrverbände werden größer, da die Menschen mobiler werden und auch die Kommunikation via Telefonat oder eMail schneller geworden ist. Fixe Sprechstunden hat der Pater deshalb schon lange keine mehr, diese können ja spontan vereinbart werden. Zu seinen Aufgaben als Seelsorger gehören unter anderem der Krankenbesuch sowie die Vermittlung zwischen Gott und Menschen. Dabei entdeckt er immer wieder Neues. „Die Menschen fragen mich, wie sie Gott erfahren können. Wie kann man Jesus nachfolgen? Wie kann man ihn spüren? Die Antwort liegt in der Zuwendung zum Menschen, darin spürt man den Glauben“, schildert Pater Paulus.

Stille

Weil seine berufliche Tätigkeit ihn immer mit Menschen konfrontiert, zieht sich Pater Paulus in seiner Freizeit gerne in der Stille zurück. Dies haben ihm seine Verwandten oft zum Vorwurf gemacht, wenn sie ihn fragten, weshalb er sie so selten besuche. „Da habe ich ihnen geantwortet: Schaut, ich bin immer unter Leuten, da möchte ich, wenn ich frei habe, einmal für mich sein. Außer bei den Eltern, bei denen war ich schon regelmäßig.“ Sein Hobby nennt er also die Stille, jene Zeit, in der er sich selbst spürt und „aushält“, wie er sagt. Stille kann er beispielsweise im Sport erfahren. Pater Paulus ist seit den frühen 1980er Jahren ein leidenschaftlicher Radfahrer. Sein Sattel hat ihn schon quer durch Europa getragen. Der Höhepunkt war seine Radreise nach Portugal zu seinem 50. Lebensjahr. Dabei legte er in sieben Wochen 4.000 Kilometer zurück. Bei der regelmäßigen Bewegung der Beine verfällt er in seinen ganz persönlichen Rhythmus.

Ein weiteres Hobby der Stille ist die Jagd. Seit 1979 besitzt Pater Paulus den Jagdschein. Als Kind von Landwirten, hat er schon früh den Umgang und Respekt mit Tieren erlernt. Es liegt ihm viel daran, dass es bei der Jagd fair zugeht. Zudem distanziert sich Pater Paulus auch klar davon Tiere auszusetzen, um sie dann zu schießen, denn darin sieht er für sich nicht den Sinn der Jagd. „Es soll unsere Aufgabe sein, die gesamte Schöpfung mit Respekt zu behandeln und sie zu schützen, nicht nur einzelne Aspekte“, resümiert Pater Paulus. „Ich gehe nie frustriert von der Jagd nach Hause, wenn ich nichts geschossen habe. Im Gegenteil, oft ist es mir lieber, wenn ich kein Tier erlegen muss.“ Mindestens 90 Prozent der Zeit schieße er ohnehin nicht, sondern beobachtet einfach nur und genießt den Wald, die Tiere und die Stille. Eine treue Begleiterin dabei ist ihm seine Jadghündin Wanda.

Zu guter Letzt findet Pater Paulus Stille beim Lesen und Schreiben. „Es bereitet mir große Freude, wenn ich ein paar Texte für das Pfarrblatt verfassen darf“, verrät Pater Paulus. Beim Lesen bevorzugt er Fachliteratur, da sich ständig Neues in der Katholischen Kirche tut. Da kommen stets Veränderungen auf ihn zu, auf die er gerne vorbereitet ist. „Ich kann mich entscheiden, ob ich abwarten oder vorausschauen will. Ist etwas bereits geschehen, kann ich nur noch reagieren. Bereite ich mich allerdings darauf vor, so kann ich reagieren.“ Bevor er Hitzendorf übernahm, hatte er eine Vorlaufzeit von 1,5 Jahren. Wegen der guten Vorbereitungen, ist Hitzendorf zu einem Vorzeigepfarrverband geworden. Auf die ausgeglichene „Dreieinigkeit“ seiner Pfarren ist Pater Paulus sehr stolz.

Wo: Alte Kirche, 8113 Sankt Bartholomä auf Karte anzeigen


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